Opfer will nicht mehr aussagenKein neuer Prozess gegen Harvey Weinstein geplant

Die New Yorker Justiz stellt das Vergewaltigungsverfahren gegen den einstigen US-Filmmogul Harvey Weinstein ein - in Absprache mit seinem mutmaßlichen Opfer. Hinter Gittern bleibt der frühere Produzent dennoch.
Der frühere Hollywood-Produzent Harvey Weinstein muss sich nicht ein viertes Mal wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vor einem Gericht in New York verantworten. In Absprache mit der Schauspielerin Jessica Mann, die dem ehemaligen Film-Mogul Vergewaltigung vorwirft, sei entschieden worden, den Fall nicht erneut aufzurollen, teilte die New Yorker Staatsanwaltschaft mit.
"Um das klarzustellen: Wir glauben den Erzählungen von Frau Mann und zweifeln nicht an ihrer Glaubhaftigkeit als Zeugin", hieß es in einer Mitteilung. Sie habe nun aber schon bei drei Prozessen aussagen müssen und das sei für sie eine "außergewöhnlich strapaziöse Belastungsprobe gewesen". Sie wolle nicht erneut aussagen. Der 74-jährige Weinstein sei "erleichtert" über diese Entwicklung, erklärte sein Sprecher Judah Engelmayer.
Harvey Weinstein war angeklagt, Jessica Mann 2013 in einem Hotel in Manhattan vergewaltigt zu haben. 2020 war er unter anderem deswegen zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Der Schuldspruch war 2024 allerdings aufgrund von Verfahrensfehlern überraschend wieder kassiert worden. Zweimal war der Prozess danach neu aufgerollt worden - in diesem Anklagepunkt aber hatte sich die jeweilige Jury in beiden Fällen nicht einigen können.
80 Frauen werfen Weinstein Missbrauch vor
Der einstige Hollywood-Mogul verbüßt derzeit eine im US-Bundesstaat Kalifornien verhängte 16-jährige Gefängnisstrafe wegen anderer Sexualstraftaten. Gegen dieses Urteil hat der 74-Jährige Berufung eingelegt. Er geht zudem gegen einen Schuldspruch wegen sexueller Übergriffe auf die Filmproduzentin Miriam Haley vor.
Insgesamt warfen mehr als 80 Frauen dem Produzenten von Hollywood-Kassenschlagern wie "Pulp Fiction" und "Shakespeare in Love" Missbrauch vor, nur wenige Fälle wurden aber vor Gericht verhandelt. Ins Rollen kam der Skandal 2017 durch Enthüllungen in der "New York Times" und im Magazin "New Yorker", die die Filmbranche erschütterten. Die Artikel lösten die MeToo-Bewegung aus. Der Name Weinstein wurde weltweit zum Synonym für Männer, die ihre Machtstellung gegenüber Frauen ausnutzen. Der Ex-Hollywood-Mogul weist alle Vorwürfe zurück.