VIP VIP, Hurra!Kurt Krömer ist kein Grund mehr, Berlin zu lieben!
Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
Kurt Krömer hat seinen Biss verloren, Selma Blair sorgt für Turbulenzen über den Wolken und Bushido entdeckt mit seiner Frau die Männerfrage. Außerdem hat diese Kolumne eine besondere Bitte an Dieter Bohlen!
Neulich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, mich für eine Verabredung von Pankow nach Berlin-Mitte zu begeben. Mal wieder unter Leute und aus dem eigenen Trott zu kommen, lautete die Devise. Um pünktlich wie die Maurer zu sein, fuhr ich extra zeitig los und kam dann doch fast zu spät, weil Berlin sich wieder mal von seiner hässlichen Seite zeigte. Baustellen, Dreck und Stau ohne Ende. Ich saß also in meiner Karre, und während der Zeiger auf der Uhr immer weiter nach vorn rückte, blieb ich auf der Stelle stehen. Auch der Blick über die Poller hinweg in den Lustgarten änderte nichts an dem Gefühl, dass mir ob der Eile immer mehr der Kamm schwoll.
"Nun fahr doch endlich, du Armleuchter!", brüllte ich den Autofahrer vor mir an, der natürlich genauso wenig für das Berliner Verkehrschaos konnte wie ich. Und als würde es dadurch schneller gehen, schimpfte ich munter wie ein Rohrspatz vor mich hin. Als ich endlich, auf den allerletzten Drücker, ankam, hatte ich Berlin und seine Autofahrer schon ordentlich zusammengefaltet. Und während ich so darüber nachdachte, ob ich bei einem imaginären Pöbel-Wettbewerb wohl den ersten Platz einheimsen würde, musste ich an das Buch denken, das ich vor gefühlt 200 Jahren mal über Berlin geschrieben habe, damals, als die Stadt noch zum Königreich Preußen gehörte und Karl Friedrich Schinkel gerade die Schlossbrücke baute.
Große Schnauzen und Schweinegesichter
Tatsächlich war es 2012, als "111 Gründe, Berlin zu lieben" erschien, und einer dieser Gründe war ausgerechnet Kurt Krömer, den ich damals mit seiner großen Berliner Schnauze und seinem rotzigen Humor, wie der Name des Buches eben sagt, einfach geliebt habe. Diese unverschämte Art, mit der er sein Publikum erst umgarnte und anschließend beleidigte! Und wie herrlich es war, wenn er dem damaligen Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, einem Sozialdemokraten, der mit seinen unbequemen Thesen über gescheiterte Integration und Parallelgesellschaften regelmäßig auch die eigene Partei gegen sich aufbrachte, im Rathaus einen Besuch abstattete und mit ihm seine Späße trieb.
14 Jahre später ist von diesem rotzigen Humor, wie ich finde, nicht mehr viel übrig geblieben. Denn ausgerechnet der gute Kurt hat in dieser Woche erklärt, dass er bei seinen Lesungen keine AfD-Wähler haben möchte, weil deren Geld stinke und er nicht in deren "Schweinegesichter" schauen wolle.
Nun habe ich, wie man an meiner kleinen Pöbel-Orgie im Berliner Straßenverkehr unschwer erkennen kann, selbst eine ziemlich kurze Zündschnur, und natürlich ist es nichts Neues, dass Komiker ihr Publikum provozieren und beleidigen. Nur kommt es eben auf das Wie an und vor allem auf das Gespür für den richtigen Ton im richtigen Moment. Wo inzwischen schon bei der kleinsten politischen Meinungsverschiedenheit die Fetzen fliegen, halte ich es für ziemlich ungeschickt, noch zusätzlich nachzutreten. Gretchenfrage: Glaubt Krömer ernsthaft, dass sich jetzt irgendein AfD-Wähler erleuchtet an die Stirn fasst und sagt: "Meine Fresse, ich bin ja so ein dermaßen großes Schweinegesicht, da wähle ich beim nächsten Mal doch lieber die Linke!" Wohl kaum.
Ich kann mir gut vorstellen, dass sich so mancher AfD-Wähler danach erst recht bestätigt fühlt. Und wer Krömers Wortwahl daneben findet, muss deswegen noch lange kein AfD-Wähler sein. Irgendwie schade, dass ausgerechnet Kurt Krömer, den ich früher für seine herrlich respektlose aber auch sehr intelligente Art so mochte, inzwischen offenbar das Gespür dafür verloren hat, wann eine Provokation komisch ist und wann sie einfach nur beleidigend wird. Denn eine große Schnauze zu haben, ist das eine. Zu wissen, wann man sie besser nicht ganz so weit aufreißt, das andere.
Turbulenzen über den Wolken
Dass es allerdings noch erheblich unangenehmer werden kann als bei einer öffentlichen Pöbelei, zeigte in dieser Woche Hollywoodstar Selma Blair, die auf einem Flug von Los Angeles nach New York offenbar verbal völlig ausgerastet sein soll. Laut Strafanzeige soll die 54-jährige Schauspielerin zwei Flugbegleiter angegriffen haben. Von einer blutigen Nase ist die Rede, sogar von Bissverletzungen. Und weil damit wohl noch nicht genug Unheil angerichtet war, soll Blair nach der Landung auch noch einen Polizisten und später im Krankenhaus eine Krankenschwester getreten haben. Die Angelegenheit endete vor Gericht, wo sie auf nicht schuldig plädierte und gegen eine Kaution von 20.000 Dollar wieder auf freien Fuß kam.
Nun leidet Blair seit Jahren an Multipler Sklerose, einer Erkrankung, die sie 2018 öffentlich machte und wegen der sie inzwischen auch ihren Assistenzhund Scout an ihrer Seite hat. Ihre Anwälte sprechen von einem medizinischen Notfall: Blair habe ihre Medikamente nicht genommen, sei nach langen Drehtagen völlig erschöpft gewesen und habe zudem eine Kopfverletzung erlitten, was nach Darstellung ihrer Verteidigung zu schwerer Verwirrtheit geführt haben soll.
Für Blair war es übrigens nicht der erste Zwischenfall in einem Flugzeug: Bereits 2016 musste sie nach einem Cocktail aus Alkohol und Medikamenten medizinisch versorgt werden. Bleibt zu hoffen, dass die Schauspielerin nach diesen turbulenten Tagen erst einmal zur Ruhe kommt und sich gemeinsam mit ihrem treuen Scout eine Auszeit gönnt. Denn bei allem Verständnis für die Situation aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme sind die Verletzungen, die andere bei dem Vorfall erlitten haben sollen, nicht einfach so vom Tisch zu wischen.
Der Gangsta-Rapper und die Männerfrage
Dass ausgerechnet Bushido eines Tages gemeinsam mit seiner Gattin Anna-Maria über Feminismus, Gleichberechtigung und die Benachteiligung des männlichen Geschlechts philosophieren würde, hätte man sich vor einigen Jahren vermutlich auch nicht träumen lassen. Ja, Sie haben richtig gelesen! Ausgerechnet jener Bushido, der in seinen Rap-Texten mit Frauen bekanntlich nicht gerade zimperlich umging, beschäftigt sich heute mit der Frage, ob die Emanzipation inzwischen nicht ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen ist.
Anna-Maria jedenfalls hat das Gefühl, dass sich das einstige Ungleichgewicht mittlerweile gegen die Männer richtet, während ihr Göttergatte erklärt, dass Männer und Frauen zwar unterschiedlich, deswegen aber keineswegs unterschiedlich viel wert seien. Props dafür, Anis! Und die Vorstellung, Frauen seien ausschließlich für Haushalt und die Versorgung ihrer Männer zuständig, hält er inzwischen für völligen Blödsinn. Ach, kieke an!
Vielleicht hat das Leben mit Anna-Maria und der gemeinsamen Großfamilie so manche seiner alten Ansichten über Bord geworfen? Jedenfalls ist es schon erstaunlich, wenn einer, der früher mit seinen Texten bewusst provozierte, heute gemeinsam mit seiner Frau darüber diskutiert, ob Gleichberechtigung gelegentlich mit einer pauschalen Abwertung des männlichen Geschlechts verwechselt wird. Auch Anna-Maria findet, dass die Entwicklung inzwischen in die falsche Richtung läuft. Schade, dass nicht schon Weihnachten ist. Sonst würde ich mir von Dieter Bohlen wünschen, dass er Bushido und Ikkimel ein Duett auf den Bauch schreibt. Feministischer Fotzenrap meets Gangsta-Rap im Gleichberechtigungsmodus. Das dürfte ein Fest werden!