Unterhaltung

"Baywatch" auf Netflix "Wenn nichts geht, Brüste gehen immer!"

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Genießt das Strandleben: Kelly Rohrbach als "C.J." Parker.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Pralle Busen, gestählte Muskeln und Riesenmonster, die prügelnd die Welt in Schutt und Asche legen. Wird zu diesen Zutaten eine gigantische Portion Dummheit hinzugegeben, ist man gutem Film-Entertainment schon sehr nahe. Oder etwa nicht?

Wenn eine dem gängigen Schönheitsideal entsprechende Frau mit wippender Brust, in knapper Bademode und in Zeitlupe an einem schönen, weißen Strand entlangläuft, ist das primär - Hand aufs Herz - ein Anblick, der gefällt. Auch gegen einen Dwayne Johnson oder Zac Efron, die muskelgestählt, mit Öl eingerieben und debil grinsend am Meer stehen, ist grundsätzlich erst einmal nichts einzuwenden. Kino-Unterhaltung lebt von Schauwerten, selbst wenn diese über alle Maßen hinaus primitiv sind. Kommen jetzt noch US-Regisseur Michael Doughertys "Godzilla" und dessen Titanen-Homies dazu, ist der Entertainment-Wahnsinn nahezu komplett. Doch selbst an dieser fragilen Grenze, an der gutes Kino schnell in hanebüchenen Blödsinn kippen kann, ist der mit allen Wassern gewaschene Cineast durchaus geneigt, sich diesem optischen Zirkus aufgeschlossen hinzugeben.

Die Schmerzgrenze aber ist erreicht, wenn die Drehbuchautor:innen der Meinung zu sein scheinen, das Publikum habe einen IQ auf Zimmertemperatur. Denn anders sind die Dialoge und Handlungen von Filmen wie "Baywatch" oder "Godzilla II: King of the Monsters" - beide aktuell bei Netflix zu sehen und Thema der neuen Folge des ntv-Podcasts "Oscars & Himbeeren" - nicht zu erklären.

Vermarktung von cineastischen Hohl-Inhalten

In Deutschland war die Film-Adaption der "Rettungsschwimmer von Malibu" an der Kinokasse gar nicht so erfolglos. Seit einigen Tagen tummelt sie sich auch in den Top Ten von Netflix - was zur ernst gemeinten Frage führt: Sind wir hierzulande Unterhaltungs-Masochisten oder einfach nur dabei, vollends zu verblöden?

Zum Glück hat "The Rock" selbst allen Sequel-Hoffnungen für "Baywatch" - sollte es sie denn wirklich gegeben haben - eine klare Abfuhr erteilt. Hier scheint sich der IQ also wieder im normalen Bereich einzupendeln. Ein Umstand, der dem Zuschauer bei "Godzilla" jedoch nicht erspart bleibt. "Godzilla vs. Kong" steht bereits in den Startlöchern. (Allen, die jetzt sagen, man muss den Schrott ja nicht anschauen: Cineasten müssen sehen und verstehen, warum ein Film nicht gefällt.)

Man kann kaum noch ignorieren, dass viele Filme und Serien in einem immer größer werdenden Stil für ein intellektuell eher seichteres Publikum gemacht werden. Natürlich gibt es diese Art der Unterhaltung seit Anbeginn des Bewegtbildes, doch in Zeiten, in denen Streaming-Portale wie digitale Pilze aus jeder Ritze des Internets sprießen, scheint die Entwicklung und Vermarktung von cineastischen Hohl-Inhalten exponentiell zuzunehmen.

Nichts gegen schöne Menschen

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Man muss niveaulose Unterhaltung nicht per se verteufeln und kann auch ein großer Fan von Michael Bays drittem "Transformers"-Wahnsinn: "Dark of the Moon" sein, doch dem Publikum dummes Kino und dumme TV-Serien als gute Unterhaltung andrehen zu wollen, ist eine ziemliche Chuzpe. Dann lieber ein Hoch auf das echte banale Kino, das tatsächlich nur unterhalten will und gar nicht erst versucht, den Zuschauer mit plakativen humanistischen oder ökologischen Botschaften zu erziehen.

Eine schöne Frau in einem roten Badeanzug: Daran ist nichts verwerflich. Sex sells. Die Dame auf dem Foto heißt übrigens Kelly Rohrbach, Schauspielerin und Model und als Pamela Anderson-Klon-Küken "C.J." Parker im "Baywatch"-Fiasko zu sehen - sogar in Zeitlupe. Nichts gegen schöne Menschen oder sinnlose Action. Das heißt aber noch lange nicht, dass es die Zuschauer kritiklos hinnehmen müssen, wenn die mediale Verdummung zügellos um sich greift, weil Filmemacher:innen hinter Werken wie "Baywatch", "Godzilla II" und Co ihr Publikum für blöde halten.

Die ausführliche Film-Kritik zu "Baywatch" und "Godzilla II" von Ronny Rüsch und Axel Max gibt es in der neuen Folge des ntv-Podcasts "Oscars & Himbeeren", wo sich jeden Freitag alles rund um Streaming-Dienste wie Netflix, TVNOW, Amazon Prime & Co dreht.

Quelle: ntv.de