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In Brandenburg heimisch werden Auf nach Amerika

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Eigentlich dauert es zwei Generationen, bis auf dem Dorf aus einem Zugereisten ein Einheimischer geworden ist. Dieter Moor schafft es in Amerika in einem Bruchteil der Zeit.

Als Fremder aufs Dorf zu ziehen, hat immer einen gewissen Abenteuercharakter. Dörfliche Gemeinschaften sind zumeist sehr stabil, und so dauert es im Durchschnitt zwei Generationen, bis aus einem Zugereisten ein Einheimischer geworden ist. Dies gilt im Norden Deutschlands ebenso wie im Süden, im Westen wie im Osten. Wahrscheinlich gilt es sogar in Österreich und der Schweiz.

Trotzdem beschließt der gebürtige Schweizer Dieter Moor, Medienmensch und Moderator und bisher Schweizer Berghofbesitzer in Einsamkeitslage, den Kauf eines Bauernhofes in Brandenburg. Nun ja, er hat die Idee und lässt sich von seiner Frau, die wiederum Österreicherin ist und damit definitiv keine Einheimische, ins brandenburgische Amerika locken.

Frau Widdel, Schwester Alma und Krüpki

Es mag zunächst als Akt der Selbsthilfe erscheinen, dass Moor über seine Erfahrungen im Brandenburgischen ein Buch schreiben musste. Doch was Moor abgeliefert hat, ist eine Liebeserklärung an seine neue Heimat und ihre Menschen. Denn entgegen jedem Klischee trifft er in Amerika nicht auf doofe Ossis und dumpfe Glatzen, sondern auf offene, neugierige Menschen, die bereit sind, Fremde in ihre Gemeinschaft aufzunehmen, zu helfen und sich helfen zu lassen.

Sie sind in Moor auf jemanden getroffen, der selbst viel Offenheit mitbrachte und der ganz offenbar der Heimat ein wenig überdrüssig geworden war. Und so lässt sich vergnüglich lesen von Moors Liebe zu seiner Frau, vom Ringen um Frischmilch im Dorfkonsum, von Begegnungen mit früheren LPG-Bauern und handfesten Dorfhebammen. Was den Leser 20 Jahre nach der deutschen Einheit frappieren könnte, ist Moors Unbedarftheit die ostdeutsche Geschichte betreffend.

Bis in die Schweiz scheinen sich ostdeutsche Alltagserfahrungen wie die Kollektivierung der Landwirtschaft, die schwierige Versorgungslage mit "Waren des täglichen Bedarfs" oder das Zusammenleben mit den Truppen der Sowjetarmee irgendwie nicht rumgesprochen zu haben. So bietet Moors gelegentlich naiver Blick auch ein wenig die Chance, Klischees zu hinterfragen. Im Amerika kann man es jedenfalls in wenigen Jahren zum Amerikaner bringen.

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Quelle: n-tv.de

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