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Frei leben Flucht vor der Zwangsheirat

Über das Ausmaß von Zwangsverheiratungen existieren in Deutschland keine repräsentativen Erhebungen. Experten gehen aber vor dem Hintergrund von Studien in einzelnen Ländern von weit über Tausend Opfern bundesweit pro Jahr aus. Nur wenige wehren sich.

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Das Buch ist im S.Fischer-Verlag erschienen und kostet 14,95 Euro.

Nach einer Studie des Instituts für Menschenrechte müssen 29 Prozent der zwangsverheirateten Frauen wegen der Familienehre heiraten, fast alle stammen aus patriarchalen Familien. Nicht irgendwo, sondern mitten in Deutschland. Junge Mädchen fahren in den Sommerurlaub in das Land ihrer Eltern und kehren als verheiratete Frauen zurück, mit einem Mann an der Seite, den sie selbst nie gewählt hätten.

Doch fehlende Liebe ist dann das kleinste Problem. Oft erleben die Frauen psychische und sexuelle Misshandlungen. Güner Yasemin Balci, in Berlin-Neukölln geboren und aufgewachsen,  kennt sich in dieser Welt gut aus. Sie hat Erziehungs- und Literaturwissenschaft studiert und im Modellprojekt "Kiezorientierte Gewalt- und Kriminalitätsprävention" und im Mädchentreff MaDonna Mädchenkult.Ur. e.V. mit Jugendlichen aus türkischen und arabischen Familien gearbeitet. Da lag ein Buch über Zwangsehen möglicherweise nahe.

"ArabQueen oder der Geschmack der Freiheit" ist ein authentischer Einblick in jene Parallelleben, die in deutschen Großstädten geführt werden. Mariam ist zu Hause die folgsame Tochter kurdischer Eltern. Doch heimlich geht sie mit ihrer deutschen Freundin Lena tanzen und träumt von einem selbstbestimmten Leben  ohne die ständige Überwachung durch den Vater und die Brüder. Als ihr die Zwangsverheiratung mit einem Cousin droht, flüchtet sie. Nach einer Zwischenstation bei der Hilfsorganisation Papatya wagt sie schließlich  den Neuanfang in einer anderen Stadt.

Spannende Vorbilder

Balci beschreibt das Leben jener Mädchen und Frauen unglaublich exakt, und kann dennoch nicht wirklich fesseln. Manchmal ist die Realität wohl spannender als jede Fiktion. Im Vorwort erinnert sich die Autorin an die Vorbilder für ihre Romanfiguren.

Sie beschreibt zwei aufgeweckte, lebenshungrige junge Frauen, die plötzlich verschwinden und die sie erst  Jahre später wiedersieht. Es sind traurige Begegnungen mit früh gealterten, irgendwie erloschenen Menschen. So verständlich der Wunsch nach einem Happy End ist, vielleicht hätte Balci doch auf die Kraft der eigentlichen Geschichte vertrauen sollen. So gibt es ein gut gemeintes, aber leider kein gutes Buch.

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Quelle: n-tv.de

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