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Erste Finanzblase der Geschichte Als Tulpen so wertvoll wie Häuser waren

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"Tulpenfieber": Der reiche Gewürzhändler Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) lässt ein Doppelporträt von sich und seiner Frau Sophia malen.

(Foto: PROKINO Filmverleih GmbH)

Eine irrwitzige Liebe vor dem Hintergrund des ersten Börsencrashs der Geschichte, mit prachtvoller Ausstattung, besetzt mit Stars wie Judi Dench, Christoph Waltz und Alicia Vikander - da kann eigentlich nichts schiefgehen? Etwas fehlt "Tulpenfieber" aber doch.

Amsterdam, 1637: Das ganze Land ist im Tulpenfieber. Die Niederlande erleben ihr Goldenes Zeitalter, vor allem der Überseehandel hat Reichtum gebracht und die exotische Blume, die Mitte des 16. Jahrhunderts über Konstantinopel durch Handelsleute ins Land kam, ist ein Zeichen von Wohlstand.

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Auch der Kaufmann Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) hat es zu was gebracht, aber was seinem großen Haus noch fehlt, ist das Familienglück. Denn Frau und Kind sind bei der Geburt gestorben. Ein Stammhalter muss her, also kauft sich Sandvoort eine neue Frau - er holt die schöne, aber arme Waise Sophia (Alicia Vikander) aus dem Kloster St. Ursula. Bei ihrem Abschied gibt ihr die Äbtissin (Judi Dench) mit auf den Weg, dass sie sich glücklich schätzen kann, jetzt im sicheren Hafen der Ehe zu sein: "Liebe, ehre und gehorche!"

Sandvoort und sein "kleiner Soldat"

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Die Äbtissin (Judi Dench) ist auch im Tulpengeschäft - sie züchtet die kostbaren Gewächse im Klostergarten.

(Foto: PROKINO Filmverleih GmbH)

Ganz so unterwürfig verhält sich Sophia dann doch nicht, sie hat durchaus eine eigene Meinung und äußert sie auch. Aber ansonsten ist sie ganz die brave Ehefrau, die sich jeden Abend den Befruchtungsversuchen ihres Mannes hingibt, die er fast immer einleitet mit den Worten, dass "der kleine Soldat jetzt bereit" sei. Allein - diese Schlachten enden nicht erfolgreich, sie wird und wird nicht schwanger und als sie es nach zwei Jahren noch nicht ist, überlegt Sandvoort denn auch laut, sie wieder zurückzugeben, wenn sie ihm nicht bald ein Kind schenkt.

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Dane DeHaan, derzeit auch im Kino zu sehen in "Valerian", spielt den jungen Maler Jan van Loos.

(Foto: Prokino Filmverleih GmbH)

Eigentlich ist er aber auch stolz auf seine junge, schöne Frau, schmückt sich gern mit ihr und will das auch in einem Doppelporträt festhalten lassen. Durchaus üblich zu der Zeit - ganze Generationen von Malern lebten von dieser Art von Aufträgen. (Auch Tulpen-Gemälde hatten Hochkonjunktur, denn die vergängliche Schönheit der kostbaren Blume sollte für die Ewigkeit festgehalten werden und die Fotografie war noch lange nicht erfunden.) So bestellt Sandvoort also einen jungen Maler, Jan van Loos (Dane DeHaan), ins Haus und es kommt, wie es kommen muss: Van Loos verliebt sich in die wunderschöne Sophia und auch sie erliegt ihm bald.

Geld für ein neues Leben

Auf dem Börsenparkett des Tulpenmarktes geht es heiß her. Eine der härtesten Bieterinnen ist Annetje (Cara Delevingne).jpg

Auf dem Börsenparkett des Tulpenmarktes geht es heiß her. Eine der härtesten Bieterinnen ist Annetje (Cara Delevingne).

(Foto: PROKINO Filmverleih GmbH)

Anders als im Bett der ehelichen Pflichten mit ihrem Mann erlebt sie mit dem sensiblen Maler mit dem durchdringenden Blick Leidenschaft - und auch wenn Sandvoort sie respektvoll und freundlich behandelt und sogar echte Zuneigung für sie entwickelt, will sie doch nur noch weg und mit van Loos woanders ein neues Leben beginnen. Nur wie - ohne Geld?

Hier kommt das namensgebende "Tulpenfieber" ins Spiel. Denn bei den Spekulationsgeschäften mit den Tulpenzwiebeln konnte man damals in kurzer Zeit sehr reich werden und an dem Handel damit beteiligten sich auch die "kleinen Leute" in der Hoffnung auf das große Geld. In Wirtshäusern, Hinterzimmern und dergleichen werden Tulpenbörsen abgehalten; die Preise steigen in aberwitzige Höhen - eine besonders hartnäckige Bieterin ist die Prostituierte Annetje (Cara Delevingne) - und mit etwas Spekulationsgeschick gelingt es van Loos, an die teuerste Tulpenzwiebel überhaupt zu kommen, die "Admiral Maria". Auf ihr liegt all seine Hoffnung, denn wenn sie ihm bei der nächsten Auktion so viel einbringt wie erhofft, wäre der Weg frei für seine Liebe mit Sophia - ein Schiff und ein neues Land warten schon.

Ein irrwitziger Plan

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Maria (Holliday Grainger), Sophias treue Magd und beste Freundin.

(Foto: PROKINO Filmverleih GmbH)

Auch Sophia ist nicht untätig; die Schwangerschaft ihrer Magd und Vertrauten Maria (Holliday Grainger) bringt sie auf einen absolut irrwitzigen Plan, bei dem viele Menschen insgeheim mitspielen müssen, damit er aufgeht. Ein Spiel mit dem Feuer, alles oder nichts.

Unterdessen bleiben bei den Tulpen-Auktionen die Käufer aus, auf einmal und zum ersten Mal seit langer Zeit gibt es keine Gebote. In der Folge brechen die Preise dramatisch ein; es kommt zum "Tulpenzwiebelcrash", dem ersten überlieferten Zusammenbruch einer Börse. Kann Jan van Loos die "Admiral Maria" dennoch gewinnbringend verkaufen? Und geht Sophias verrückter Plan auf?

Spannend, aber ...

Dieser Teil von "Tulpenfieber" ist äußerst spannend, die Verknüpfung der Ereignisse, der persönlichen und der historischen, hat hier ihren dramatischen Höhepunkt. Und auch sonst hat der Film eigentlich alles: Er ist sehr sinnlich, man kann ihn geradezu riechen - den Schweiß, den Fisch, Dreck und Schlamm ... Zudem gibt es natürlich (wie bei dem Thema nicht anders zu erwarten) eine großartige Kulisse und prachtvolle Kostüme; man hört das schwere Brokat rascheln und wird manches Mal an die Gemälde der alten holländischen Meister erinnert. Hinzu kommt der interessante geschichtliche Hintergrund, die spektakulären Vorfälle im 17. Jahrhundert mit dem Börsencrash nach dem Tulpenhype.

Dem Film mangelt es auch nicht an Schauspielern mit großen Namen und Talent, im Gegenteil: er versammelt die Oscar-Preisträger Christoph Waltz ("Django Unchained", "Der Gott des Gemetzels"), Judi Dench ("Philomena", "James Bond 007 – Skyfall") und Alicia Vikander ("Jason Bourne", "The Danish Girl"), die Jungstars Dane DeHaan und Cara Delevingne (gerade schon zusammen in "Valerian" zu sehen). Aber etwas fehlt doch, um gänzlich zu fesseln, und lässt einen zwischendurch auf die Uhr schauen. Vielleicht hat man derlei gut gemachte Kostüm-Historien-Filme doch schon zu oft gesehen?

Hinzu kommt, dass Regisseur Justin Chadwick ("Die Schwester der Königin", "Mandela") sich ein wenig verzettelt bei all den Figuren, Paarungen, Irrungen und Wirrungen und dann noch dem großen Thema Tulpenhype und Tulpencrash. Dieses historische Ereignis hätte mehr Raum verdient. Und auch die Liebesgeschichte, aus der schnell eine amour fou wird und die sich schlussendlich doch ganz anders entwickelt, ist nicht so recht nachzufühlen. Dennoch: ein Fest fürs Auge, ein Schauspieler-Hochkaräter und ein spannendes Stück Zeitgeschichte.

"Tulpenfieber" startet am 24. August 2017 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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