Kino

"Das schweigende Klassenzimmer" Haltung oder Abitur?

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Eine Schweigeminute hat Folgen: So erzählt der Film "Das schweigende Klassenzimmer" auch von einer Übung in Loyalität.

Studiocanal GmbH / Julia Terjung

Der Lehrer hat eine Frage gestellt, mehr als eine. Doch die Schüler sagen kein Wort. Sie bekunden Solidarität. Es ist das Jahr 1956, es ist die DDR. Der Film "Das schweigende Klassenzimmer" erzählt, wie eine fixe Idee außer Kontrolle gerät.

Warst du schon wieder im Kino, Kurt? Ja. Kurt war schon wieder im Kino. Kurt ist Teenager und Kino ist, was Teenager nun mal so machen - heute. "Das schweigende Klassenzimmer" spielt kurz nach dem Krieg in Stalinstadt, dem heutigen Eisenhüttenstadt, und da gehört es sich überhaupt nicht, in den Westen abzuhauen, um sich mit Liane, der halb nackten Urwald-Frau, vertraut zu machen. Da gehört sich überhaupt so einiges nicht. Aber das muss Kurt erst lernen.

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Im Kino hat Kurt nicht nur Lianes Dekolleté bewundert, er hat auch vom Aufstand der Ungarn gegen das kommunistische Regime erfahren. Hunderttausende demonstrieren in Budapest gegen die sowjetische Besatzungsmacht. Es ist das Jahr 1956, die Berliner Mauer gibt es noch nicht, jugendliches Unrechtsempfinden aber schon. Kurt und sein Freund Theo informieren ihre Mitschüler und gemeinsam mit ihnen schweigen sie eines Tages in Solidarität mit den gefallenen Aufständischen.

Information und Idealismus

Dass in diesem Moment aus Schülern Staatsfeinde wurden, damit hatten die Beteiligten nicht gerechnet. Sie hatten informiert sein wollen, also hatten sie Westfunk gehört - das war verboten, aber lange keine Seltenheit. Und sie hatten idealistisch sein wollen, also mussten sie handeln. Jugendliche eben, an die Konsequenzen hatten sie nicht gedacht. Von DDR-Funktionären wird das Schweigen der Abiturienten als sogenannte Konterrevolution gewertet.

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Jonas Dassler, Leonard Scheicher, Anna Lena Klenke und Tom Gramenz (v.l.) sind die jungen Hauptdarsteller von "Das schweigende Klassenzimmer".

(Foto: Studiocanal GmbH / Julia Terjung)

"Das schweigende Klassenzimmer" zeigt, wie beiläufig politisches Bewusstsein entstehen kann. Der Film beginnt als aufrichtiges Historiendrama. Als die Klasse den "Rädelsführer" der Schweige-Aktion preisgeben soll, geht es um Loyalität und Verrat. Weil ein Ausschluss vom Abitur in Aussicht gestellt wird, schließlich um Herkunft und Fallhöhe. Und da man offenbar leider nicht auf eine verworrene Liebesgeschichte verzichten konnte, ist "Das schweigende Klassenzimmer" irgendwann dann auch ganz klassisch Schmonzette.

Suche nach Haltung

Der Film von Lars Kraume basiert auf einer wahren Geschichte. Die Figuren sind andere, doch strukturell orientiert sich die Kino-Version an den Geschehnissen, die Dietrich Garstka, der echte Theo, in seinem gleichnamigen Buch beschrieben hat. Für Kraume ist es ein weiteres Mal historischer Stoff. Für seinen Politthriller "Der Staat gegen Fritz Bauer" wurde er 2016 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Wer Geschichte ins Kino bringt, braucht immer eine Botschaft. Die Suche nach Haltung ist ein Thema für die Ewigkeit, nicht nur in jungen Jahren. Also lohnt es sich wohl, von solchen zu erzählen, die Haltung unter Beweis stellten. "Das schweigende Klassenzimmer" ist ein Stück Geschichtsstunde, aber nicht nur. Was außer wund geheulten Augen nach der Sichtung bleibt, ist die ewige Erkenntnis: Wer Rückgrat beweisen will, muss Opfer bringen. Wer dabei auf seine Freunde zählen kann, hat es besser. Wer durchhält, wird belohnt - irgendwie.

"Das schweigende Klassenzimmer" läuft ab 1. März in den deutschen Kinos.

Das schweigende Klassenzimmer: Eine wahre Geschichte über Mut, Zusammenhalt und den Kalten Krieg
EUR 12,00
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Quelle: n-tv.de

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