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Kleine Rolle, großes Kino: Günther Jauch leiht dem Film "Unsere Erde 2" seine Stimme.
Kleine Rolle, großes Kino: Günther Jauch leiht dem Film "Unsere Erde 2" seine Stimme.(Foto: Universum Film)
Mittwoch, 14. März 2018

Günther Jauch, der Naturfreund: "Ich habe genauso viele Abgründe wie Sie"

Als TV-Moderator ist Günther Jauch bekannt. Nun will er auch im Kino erfolgreich sein. Im Interview mit n-tv.de spricht er über sein neues Filmprojekt "Unsere Erde 2", Sehnsüchte und das Leben als Hobby-Winzer - unverhoffte Gartentipps inklusive.

n-tv.de: Hätten Sie vor dem Film "Unsere Erde 2" gewusst, wie schnell Bambus wächst?

Günther Jauch: Aus dem heimischen Garten weiß ich: Bambus ist eine Pest, weil der sich unterirdisch weiterentwickelt. Den kriegen Sie nie mehr raus. Und es besteht alle sieben Jahre die Gefahr, dass Ihnen der Bambus völlig kaputt geht. Aber dass Bambus rund einen Zentimeter pro Stunde wächst, habe ich nicht gewusst.

Die meisten kennen Sie aus dem Fernsehen - warum nun ein Filmprojekt?

Zur Person: Günther Jauch

Günther Jauch wurde 1956 in Münster geboren. Nach dem Abitur in Berlin besuchte er die Journalistenschule in München und arbeitete dann beim Bayerischen Rundfunk. Ab 1986 war Jauch für das ZDF tätig, wo er unter anderem das "Aktuelle Sportstudio" moderierte. Seit 1990 arbeitet er für RTL: zunächst ab 1990 bei "Stern TV", seit 1999 bei "Wer wird Millionär?". Von 2011 bis 2015 moderierte er zudem die ARD-Talkshow "Günther Jauch". Für seine Arbeit wurde er unter anderem mit dem Grimme-Preis, dem Deutschen Fernsehpreis, der Goldenen Kamera und dem Bambi ausgezeichnet. Gemeinsam mit seiner Frau Dorothea hat Jauch zwei leibliche und zwei adoptierte Kinder. Das Paar ist seit 2006 verheiratet.

Wenn ich zurückblicke, mache ich alle acht Jahre etwas mit Film. Das erste Mal war vor 30 Jahren bei Gerhard Polt, den ich bis heute sehr verehre. Bei "Man spricht Deutsch" war ich eine Radiostimme. Dann war ich mal der "Wixxer". Und ich habe in "Im Rennstall ist das Zebra los" ein Zebra synchronisiert. Bei "Unsere Erde 2" bin ich das vierte Mal beim Film.

Warum haben Sie sich für "Unsere Erde 2" entschieden, zumal es der zweite Teil ist?

Das war relativ einfach. Ich hatte den ersten Film gesehen und war fasziniert. Bei dem Angebot hat mich zum Beispiel überzeugt, dass jemand nicht "Fack ju Göhte"-mäßig jedes zweite Jahr den nächsten Teil hinterherhaut, sondern dass es zehn Jahre gedauert hat, bis der nächste Teil aufgelegt wurde. Ich habe mir den Film angeschaut und dann kam die Info, dass Robert Redford in Amerika der Sprecher ist. In dem Moment waren die Würfel gefallen.

Haben Sie sich bei den Synchronisationsarbeiten an die Tierfilme von Bernhard Grzimek erinnert?

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Ja, klar. Damit ging es als Kind los. Und dann gab es damals schon Heinz Sielmanns "Expeditionen ins Tierreich" im Kino. Heute lachen wir darüber. Aber das war für damalige Verhältnisse schon toll gedreht. Das hatte eine eigene Ästhetik und auch eine eigene Qualität. Ich habe solche Tierfilme immer gern gesehen.

Welche Szene hat Sie in "Unsere Erde 2" am meisten beeindruckt?

Die Verfolgungsjagd zwischen Nattern und Leguanen hat schon James-Bond-Faszination. So einen Bullen-Kampf bei Giraffen habe ich auch noch nie in meinem Leben gesehen. Bis heute weiß ich nicht, wie manche Aufnahmen verwirklicht worden sind. Der Film entfaltet eine Wucht, auch durch die Musik, der man sich nur schwer entziehen kann.

In einer Szene gibt es ja ein Faultier, das auf verzweifelter Partnersuche ist …

Jetzt bin ich gespannt auf die Frage: "Wann waren Sie zuletzt so verzweifelt?" oder "Wann sind Sie zuletzt einer Frau nachgesprungen?"

Nein, das wollen wir dann doch nicht so genau wissen. Welches Tier aus dem Film haben Sie denn besonders ins Herz geschlossen?

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Der Serval hat auf mich einen ausgeglichenen Eindruck gemacht. Der springt da durch die Savannen-Landschaft ohne natürliche Feinde in der Nähe. Ich wäre natürlich lieber Räuber als Beutetier, überhaupt habe ich ein Faible für Raubtiere. Sie erinnern sich: vor 30 Jahren, "Stars in der Manege", die große Tiger-Nummer. Raubkatzen finde ich sehr schön.

Allgemein scheinen Sie sehr begeistert von Tieren zu sein.

Auf jeden Fall. Vor zwei Jahren war ich im Okavango-Delta in Botswana. Dort gibt es eine unglaubliche Tiervielfalt. Die wird dadurch gekrönt, dass die Tiere nicht gejagt werden dürfen und so die Scheu vor Menschen weitgehend verloren haben. Das hat mich fasziniert. Das war die exotischste Reise, die ich je in meinem Leben gemacht habe. Aber wie wir ja in "Unsere Erde 2" sehen, finden die Wunder auch direkt vor der Haustür statt.

Wo soll denn die nächste Reise hingehen?

Das weiß ich noch nicht. Ich muss gestehen: Bislang habe ich von der Welt wenig gesehen, weil ich chronisch durchgearbeitet habe und gar nicht die Zeit hatte, um weit wegzukommen. Ich muss auch nicht mehr überall hin. Wobei mir viele die Antarktis empfehlen. Da sei man seinem Schöpfer am nächsten. Ich stelle mir das aber relativ kühl und einsam vor.

Was ist der schönste Platz auf Erden, den Sie je gesehen haben?

Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Berlin.
Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Berlin.(Foto: imago stock&people)

Alexander von Humboldt, der schon vor ewigen Zeiten ein Weltreisender war, hat einmal gesagt: Der Blick von der Glienicker Brücke (zwischen Potsdam und Berlin, Anm.d.R.) sei für ihn der schönste der Welt. Ich fahre da ja fast jeden Tag rüber und finde den Blick auch großartig. Vor allem, wenn man von Berlin kommt und nachmittags in die untergehende Sonne fährt. Urlaub mache ich gerne an der Nordsee. Die Dünen- und Heidelandschaften finde ich großartig. Auch in unserer direkten Umgebung haben wir noch Urwälder wie die Buchenwälder in Brandenburg und faszinierende Landschaften wie das Oderbruch. Ich habe mehrmals Urlaub in Masuren gemacht - ein Traum. Das sind für mich Sehnsuchtsorte.

Denken Sie an Rückzug, um sich mehr der Natur zu widmen?

Seit 2010 gehört Günther Jauch Winzer das Weingut von Othegraven (hier 2011).
Seit 2010 gehört Günther Jauch Winzer das Weingut von Othegraven (hier 2011).(Foto: picture alliance / dpa)

Ich mache ja schon deutlich weniger. Seit einigen Jahren habe ich meine kleine Landwirtschaft (Weingut von Othegraven an der Saar, Anm.d.R.). Das macht mir Spaß, weil es etwas völlig anderes ist. In einem winzigen Dorf am Ende einer Sackgasse sind meine Frau und ich dort ganz alleine, im Mai und im Juni singen die Nachtigallen aus den Hecken.

Das klingt wehmütig.

Zumindest freue ich mich, jetzt ein bisschen unabhängiger zu sein. Früher musste ich für die Sonntagssendungen ab mittwochs durchgehend in Berlin sein und montags ging es dann bei RTL in Köln weiter. Ich musste sieben Tage die Woche arbeiten und hatte null Möglichkeiten, am Wochenende auszubüxen. Ich genieße, dass das jetzt anders ist. Trotzdem habe ich immer noch viel zu tun. Es ist nicht so, dass ich den ganzen Tag auf dem Balkon in einem Schaukelstuhl sitze und aus dem Fenster gucke.

Was müsste passieren, damit Sie noch einmal eine Sonntagabend-Talkshow machen?

Ich bin nicht der Typ, der zurückschaut und nochmal was aufwärmt. Das passt nicht zu mir. Ich habe zahlreiche Dinge bewusst aufgegeben, wie beispielsweise den Sonntagabend. Trotzdem freue ich mich, dass ich das machen konnte. Nostalgische Gefühle bekomme ich allerdings nie. Übrigens habe ich mit RTL einen Handschlagvertrag, das ist prima. So können beide Seiten jederzeit sagen: "Komm, lassen wir's doch." Ich habe bei "Wer wird Millionär?" noch nie irgendetwas unterschrieben. Das funktioniert - mittlerweile seit 19 Jahren. Und ich habe begründete Hoffnungen, dass das auch 20 Jahre funktioniert. Das klappt alles gut.

Wie oft werden Sie gefragt, ob Sie nicht mal jemanden zu "Wer wird Millionär?" schleusen können?

Andauernd. Aber die Leute vergessen, dass ich mit der Auswahl der Kandidaten gar nichts zu tun haben darf und dass das alles per Computer geschieht.

Durch Ihre Omnipräsenz glauben viele, Sie zu kennen. Wie empfinden Sie das?

Das ist verständlich. Wenn jemand seit 25 oder 30 Jahren ein oder zwei Mal die Woche im Wohnzimmer auftaucht, kann ich nachvollziehen, dass man glaubt, diesen Menschen zu kennen. Ehrlich gesagt ist das nicht so schlimm oder übergriffig, wie Sie vielleicht denken.

Ihr Privatleben schützen Sie gut vor der Öffentlichkeit. Wie kam es dazu?

Mich hat genervt, dass die Omas vor allem im Yellow-Bereich immer mit angeblichen Sensationen geködert wurden, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatten. In solchen Fällen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie wehren sich konsequent dagegen, das ist zeitlich und finanziell sehr aufwändig. Oder das ist Ihnen völlig egal und Sie lassen es einfach so laufen. Ich habe mich für die erste Variante entschieden. Das war der richtige Weg.

Aber Sie müssen sich immer etwas zurücknehmen, wenn Sie in der Öffentlichkeit sind.

Gut, fluchen müssen Sie zu Hause. Aber das sind Einschränkungen, mit denen ich einigermaßen leben kann.

Gibt es denn Obsessionen oder Sünden in Ihrem Leben?

Die gibt es sicherlich. Aber ich wäre ja ein Narr, wenn ich darüber Auskunft geben würde. Gehen Sie davon aus, dass ich über mindestens genauso viele Abgründe verfüge wie Sie.

Mit Günther Jauch sprach Christoph Rieke

Der Film "Unsere Erde 2" startet am 15. März in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de