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Ein Song für Lena? Kate Nash im Schneechaos

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Frau mit Meinung: Kate Nash.

(Foto: Pat Graham)

In Deutschland wurde sie vor allem bekannt, weil Lena in der Casting-Show "Unser Star für Oslo" zwei ihrer Songs coverte. Doch Kate Nash hat mehr Aufmerksamkeit verdient. Dazu soll nun auch eine gemeinsame Tour mit Sportfreunde Stiller beitragen. n-tv.de fand die Britin vor ihrem Auftritt in Berlin am 2. November 2010 im Schneegestöber zum Interview.

n-tv.de: Heute ist dein erstes Konzert mit Sportfreunde Stiller. Bist du gerade erst angekommen?

Kate Nash: Ja, und das war schon ein kleines Desaster. Wegen des Schnees in England gab es Probleme bei unseren Flügen. Auch unser Bus ist noch nicht angekommen, und es ist unklar, ob er bis zum Auftritt hier sein wird. Ich habe also kein Equipment und auch die Sachen, die ich auf der Bühne anziehen wollte, fehlen mir.

Was machst du jetzt?

Ich habe gerade wirklich keine Ahnung. Vielleicht leihen wir uns etwas von Sportfreunde Stiller. Das wird noch spannend, aber wir werden es schon irgendwie hinbekommen. (Am Ende spielte sie tatsächlich mit zum Teil geliehenen Instrumenten, Anm. d. Red.)

Kannst du dich erinnern, wann du das letzte Mal so viel Schnee gesehen hast?

Nein, nicht wirklich. Ich glaube, ich habe vergangenes Jahr im Januar ein bisschen Schnee gesehen. Aber so viel? Wahrscheinlich, als ich noch ein Kind war. Aber es ist schön. Ich mag den Schnee.

Dich gemeinsam mit Sportfreunde Stiller auf Tour zu sehen, ist irgendwie ungewöhnlich, weil ihr doch aus sehr unterschiedlichen musikalischen Ecken stammt. Wie kam es dazu?

Wir haben uns bei einem Festival in Österreich getroffen. Wir hingen ein wenig zusammen ab. Anscheinend waren sie Fans von mir. Da haben sie mich einfach gefragt - und ich habe einfach Ja gesagt.

Kennst du die Musik von den Jungs?

Ja, ich habe sie bei dem Festival gesehen. Und ich kenne auch sonst einige von ihren Sachen. Außerdem denke ich, dass diese Tour gut für mich ist. Ich habe sehr viel in Deutschland gespielt und bin wirklich gerne hier. Vielleicht hilft mir das, neue Hörer zu gewinnen und hier noch erfolgreicher zu sein, damit ich noch öfter hierher kommen kann. Was denkst du, wie das Publikum heute drauf sein wird?

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Die Konzerte mit den "Sportis" bilden den Abschluss eines langen Tourkalenders.

(Foto: REUTERS)

Da würde ich mir keine Sorgen machen. Ich glaube, die Sportfreunde-Stiller-Fans werden dich mögen …

Hoffentlich. Ich hatte da nämlich leider auch schon schlechte Erfahrungen. Ich habe mal mit einer Band namens "The Dead Trousers" gespielt …

"The Dead Trousers"? Ach, du meinst die Toten Hosen …

Ja, und das war wirklich nicht cool. Da musste ich geradezu gegen das Publikum ankämpfen. Das war, als ob sie mir "Fuck You" zuriefen - und ich genauso zurück.

Dabei wäre es zumindest im Fall der Sportfreunde Stiller wohl so, dass es in jedem anderen Land außer Deutschland umgekehrt wäre: Da wärst du die Hauptkünstlerin und sie wären die Vorgruppe. Wie ist das für dich, die Anheizerin zu spielen?

Ehrlich gesagt, finde ich das echt angenehm. Ich habe eine so ausgedehnte Tour hinter mir - fast über das ganze Jahr hinweg. Ich habe im Sommer auf vielen Festivals gespielt und bin quer durch Europa gereist - von Deutschland über Frankreich bis Luxemburg. Dann war ich in Großbritannien, dann viereinhalb Wochen in den USA und noch ein paar Tage in Mexiko. Ich bin wirklich ausgelaugt.

Also freust du dich, ein wenig runterzukommen?

Ja, das ist jetzt eine schöne Art, das Jahr ausklingen zu lassen. Ich muss nur kurze Auftritte machen, kann mir die Band ansehen, mit ihr herum reisen und eine schöne Zeit verbringen. Ich bin wieder in Deutschland, es schneit und weihnachtet. Und ich freue mich darauf, auf Weihnachtsmärkte zu gehen.

Es macht dir also nichts aus, mit einem Haufen Jungs herumzuziehen?

Nein, nein. Ich bin tough. Mit denen komme ich schon klar.

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Sie mag Fußball, aber nicht das aktuelle englische Team.

(Foto: Clare Nash)

Sportfreunde Stiller sind in Deutschland vor allem wegen ihrer Fußball-Songs berühmt. Interessierst du dich für Fußball?

Als ich jung war, habe ich das, weil mein Daddy uns zu Spielen in Wembley mitnahm. Wir wohnten auch in der Nähe von Wembley. Damals habe ich das englische Fußballteam wirklich geliebt, vor allem mochte ich Alan Shearer. Aber jetzt, da ich älter bin, habe ich keinen richtigen Spaß mehr daran. Speziell bei der diesjährigen Weltmeisterschaft konnte ich das Team einfach nicht unterstützen, weil das alles so schreckliche Typen waren. Die ganzen Kerle in der Mannschaft sind wirklich eine Blamage für das Land. Sie sind abscheulich.

Wie kommst du darauf?

Die schlafen alle mit Prostituierten, betrügen ihre Frauen oder schwängern 16-jährige Mädchen. Sie erfüllen das Klischee von echt schäbigen Männern. Und das deprimiert mich. Als ich ihnen beim Spielen zugeschaut habe, habe ich ihnen den Sieg gar nicht gönnen können, weil ich sie als Menschen einfach zum Kotzen finde.

Schade, dann kann man dich gar nicht damit aufziehen, dass ihr gegen Deutschland verloren habt …

Nein, weil ich das gut fand. Unser Team hatte den Sieg einfach nicht verdient. Aber ich mag Fußball schon, allein wegen meinem Dad. Ich wünschte nur, wir hätten ein besseres Team.

Du hast ja eine erstaunliche Karriere hingelegt. Als 2007 deine erste Single erschien, ging sie in England direkt auf Platz 2 der Charts, dein erstes Album "Made Of Bricks" landete auf der 1. Wie hast du dich da gefühlt?

Fast ein bisschen wahnsinnig. Das war echt verrückt. Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich von der Nummer 1 erfahren habe. Das war echt seltsam. Ich bin rausgegangen und habe mit meinen ganzen Freunden Party gemacht. Wir haben Cocktails getrunken mit Apfelkuchengeschmack oder so. Aber tatsächlich war es eine Mischung aus Ups und Downs und unterschiedlichen Gefühlen. Auf der einen Seite Anspannung, auf der anderen natürlich große Freude. Im Vergleich zu damals bin ich heute froh, etwas mehr Zeit zu haben. Mehr Zeit, die Entscheidungen zu treffen, die man wirklich treffen will, und die kreative Kontrolle über das, was man tut, auszuüben.

Schon vor deinen Plattenerfolgen warst du ein so genannter Internet-Star, weil du bei Myspace eine große Fangemeinschaft hattest. Wie wichtig ist dir das heute noch?

Ich denke, dass dieses Networking schon wichtig ist. Für die Kommunikation ist das auf jeden Fall sehr nützlich. Aber, ehrlich gesagt, macht es mir nicht so viel Spaß. Das erfordert sehr viel Zeit. Und die Leute wollen sehr viele persönliche Dinge von dir wissen.

Du hast einmal gesagt, du wärst gegen Konzerne. Trotzdem bist du dann doch einen Plattenvertrag eingegangen. Was hat dich umgestimmt?

Es gab tatsächlich schon mal einen Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob das richtig war. Aber ich denke, es gibt bei dieser Frage verschiedene Ebenen. Gegen manche Sachen bei meinem Label kämpfe ich täglich. Aber wenn ich nicht da wäre, könnte ich auch nichts reißen, weil mich niemand kennen würde und keiner eine Meinung über mich hätte. Ich bin ein Mensch mit sehr strikten Moralvorstellungen und festen Überzeugungen. Ich würde nie etwas tun, das dagegen verstößt, weil ich es für das Wichtigste auf der Welt halte, Überzeugungen zu haben. Daher bin ich auch wirklich wählerisch.

Das heißt, das warst du auch bei der Wahl deines Labels …

Ja, ich habe bei Fiction unterschrieben, weil ich die Leute dort sehr mochte und noch immer mag. Das ist ein sehr gutes und kreatives Team, das sich wirklich für Musik interessiert. Es gibt in dem Business aber auch ganz viele andere Leute, denen die Musik total egal ist. Für die geht es nur ums Geschäft. Es ist mein Job, mit dieser Last zu leben und mich nicht wie andere zu verbiegen.

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An Weihnachten will sie eigentlich nur noch eins: Nichts tun.

(Foto: picture alliance / dpa)

Was meinst du damit?

Es gibt so viele Beispiele von weiblichen Popstars, die nur als Sexsymbole benutzt werden. Sonst nichts - keine Überzeugungen, kein Verstand, gar nichts. Die sich als Dummchen geben, sich halbnackt ausziehen und beschissene Dudelmusik machen müssen. Dass ich in diesem Geschäft existieren kann, ohne dass ich etwas von all dem machen muss, sondern ich selbst sein kann, ist wirklich das Allerwichtigste.

Du bist sehr oft mit Lily Allen verglichen worden. Sie war davon irgendwann so genervt, dass sie sogar öffentlich ein Ende dieser Vergleiche forderte, weil ihr ganz unterschiedliche Künstlerinnen seid. Was denkst du darüber?

Am Anfang hat es mich auch genervt. Inzwischen schenke ich dem aber einfach keine Beachtung mehr. Die Journalisten würden eh nicht auf mich hören, wenn ich "Schluss damit" sagen würde. Ich denke nicht, dass wir uns ähnlich sind. Und ich glaube, mit meiner zweiten Platte ist auch noch mal sehr deutlich geworden, dass wir wirklich sehr unterschiedlich sind. Das kommt nur, weil wir beide zwei junge Frauen sind, die beide aus London kommen.

Hattest du jemals Kontakt zu ihr?

Nein, noch nie.

Du selbst kritisierst zudem den Hype, der deiner Meinung nach in jüngster Zeit um euch als neue, junge Sängerinnen gemacht wurde. Aber es ist doch so: Es gibt dich, Lily Allen, Amy Macdonald und noch einige andere. Ist das wirklich ein Hype?

Daran stört mich vor allem zweierlei. Das eine ist: Es gab die ganze Zeit so viele männliche Künstler, sei es solo oder in Bands. Aber auf einmal hat man da vielleicht rund zehn weibliche Künstlerinnen ausgemacht, und jeder fängt an: "Wow, oh mein Gott, es gibt sie wirklich." Ich meine: Natürlich gibt es sie. Worüber redet ihr? Macht deswegen kein Fass auf, sondern seht es als etwas ganz Normales an.

Und das zweite?

Das zweite ist: Wenn, dann ist das doch nur ein Trend. Erinnerst du dich an die Indie-Szene? Es gab ein paar wirklich gute Indie-Bands. Auf einmal wurden sie cool und angesagt. Dann wurden die Plattenfirmen aufmerksam und haben einen Haufen wirklich beschissener Indie-Bands verpflichtet oder erfunden. So läuft das. Weil es gerade funktioniert, werden dann eben viele Sachen in dieser Richtung verpflichtet. Ich denke, Trends wie diese gibt es immer wieder.

Dein erstes Album erschien 2007. Danach hast du dir eine Auszeit genommen - das Nachfolgealbum "My Best Friend Is You" wurde erst vor wenigen Monaten veröffentlicht. Was hast du in der Zeit gemacht?

Ich bin in eine Wohnung gezogen, ich habe mir ein Häschen zugelegt, ich habe meine Führerscheinprüfung bestanden, und ich habe gelernt, wieder mit meinen Freunden abzuhängen. Ich habe Filme angesehen und Bücher gelesen. Und ich habe mir viele Gedanken über unsere Arbeit gemacht und Songs geschrieben. Hauptsächlich ging es mir darum, wieder Spaß an der Kreativität zu haben, der mir ein wenig abhanden gekommen war.

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Das aktuelle Album von Kate Nash ist "My Best Friend Is You".

(Foto: Universal)

Ursprünglich wolltest du mal gar nicht Sängerin werden, sondern Schauspielerin. Hast du die Pläne aufgegeben?

Nein, ich würde das irgendwann in meinem Leben gerne mal wieder machen. Wenn die richtige Gelegenheit dazu kommt - aber jetzt bin ich dafür einfach zu viel beschäftigt.

In Deutschland gibt es eine Sängerin, die auch von der Schauspielerei träumt: Lena. In den Castings zum Song Contest hat sie zwei Lieder von dir gesungen. Wie findest du sie?

Ich kann über sie eigentlich gar nichts sagen, außer dass es schön ist, dass sie meine Lieder gesungen hat. Sonst weiß ich nichts über ihre Musik. Sie scheint nur ihre Sachen nicht selbst zu schreiben, weil man mich gefragt hat, ob ich einen Song für sie schreibe.

Und? Schreibst du einen?

Ich weiß nicht, ob ich die Zeit dazu habe. Aber ich hätte nichts dagegen, es ist nur eine Zeitfrage.

Was machst du nach der Tour mit Sportfreunde Stiller?

Ich werde nichts tun. Ich werde mir ganz viele alte Filme ansehen. Ich werde ganz viel essen. Ich werde mit meinem Häschen und meinem Freund abhängen. Ich werde Schlittschuhlaufen und Musik hören.

Wann gibt es musikalisch von dir wieder etwas Neues zu hören?

Das hängt davon ab, wie lange ich dafür brauche, neue Songs zu schreiben. Ich hoffe, nächstes Jahr schon etwas Neues veröffentlichen zu können. Aber wann es ein neues Album geben wird, weiß ich noch nicht.

Sportfreunde Stiller hatten vor kurzem einen Hit mit der Coverversion eines alten deutschen Schlagers mit dem Titel "Ich war noch niemals in New York". Gibt es einen Ort, an dem du noch nie warst, aber schon immer mal hin wolltest?

Ja, Brasilien. Und Nicaragua. Da war ich tatsächlich noch nie.

Mit Kate Nash sprach Volker Probst

Kate Nash befindet sich bis zum 10. Dezember 2010 mit Sportfreunde Stiller auf Tour: Leipzig (03.12.), München (04.12.), Frankfurt (05.12.), Nürnberg (08.12.), Hamburg (09.12.), Oberhausen (10.12.)

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Quelle: n-tv.de

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