Kino

Zum Sterben geboren Lana del Rey legt nach

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Lana del Rey. Geheimwesen.

(Foto: dpa)

Drama, Baby, Drama! Wirf den übersättigten Konsumenten ein paar Brocken hin, warte, dass sie sich draufstürzen und dann – halt' den Ball flach. Sag: "Moment mal, da kommt noch was, aber später". Mach' sie alle heiß, lass' sie warten, und dann mach ein gutes, vielleicht ein bisschen vorhersehbares Album, lehn' dich zurück und – genieße den Erfolg.

Ja, die Wimpern sind so unecht, dass man meint, ein Disney-Bambi schaut einen an, die Lippen sind so prall, dass man unwillkürlich Abstand halten möchte (sie könnten vielleicht jeden Moment platzen), aber die Stimme ist so echt, dass es einen umhauen kann. Zumindest war das so, als die Miss ein kleines Konzert im Dezember, zum Beispiel in Berlin, gegeben hat, und damit eine Kostprobe dessen, was jetzt als Album erschienen ist. Außerdem hat sie vollkommen recht, wenn sie sagt: "Was Menschen über mich verbreiten, ist mir nicht wichtig." Sie hat ihr Ding gemacht. Ihr Album – und sich Zeit gelassen. Sie gesteht dann zwar auch, dass sie es nicht immer schaffe, kühl und distanziert auf Kritik zu reagieren – die es momentan durchaus auch gibt - , aber auf der andere Seite habe sie noch nie wirklich etwas Persönliches preisgegeben, und viel wird einfach in sie, dieses überirdisch wirkende Kunstgeschöpf, hinein interpretiert.

Jetzt allerdings hat sie etwas preisgegeben, und zwar ihr Album, das sehnsüchtig von Fans und Medien erwartet wurde und von dem sie sagt: "Was ich wirklich möchte, ist, als Songwriter in der Musikbranche respektiert zu werden, und das werde ich ja." Stimmt. Vor allen in Europa, und da wiederum vor allem in Deutschland liebt man ihren Sound. Wochenlang schon ist "Video Games" an der Spitze der deutschen Charts, und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird ihr komplettes Album nun genau da auch landen.

Eine Stimme wie ein 60er-Jahre-Film

Alle redeten davon, dass sie genauso heißer Scheiß wie Lady Gaga werden könnte oder die nächste Madonna. Alles Quatsch. Denn wenn sie überhaupt an jemanden erinnert, dann an Pin Ups oder Rita Hayworth und all diese Frauen, die ihre geballte Weiblichkeit eingesetzt haben, um ihre Ziele zu erreichen. Bisher lebe sie allerdings ein ziemlich ruhiges Leben, sagt del Rey: "Wenn ich kein Make-Up trage, dann sehe ich nicht wie Lana del Rey aus, dann erkennt mich niemand." Vorwürfe, sie sei ein Kunstprodukt, wehrte sie ab. Nun, Miss Del Rey ist wirklich keine dralle Wuchtbrumme, und sie hat auch mehr drauf als ihr Äußeres: Sie hat diese Stimme, die zwischen Bitten und Bangen liegt, und sie hat durchaus was zu sagen. Auf ihren kleinen Konzerten, die ihre Plattenfirma Universal quasi als Testlauf veranstaltete, wirkte sie eher zart und schüchtern. Sparsam waren die Bewegungen, die Stimme dafür gehaltvoll.

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Das Album wird abgehen.

Nach ihren spärlichen Kostproben, um die sich alle gerissen haben, setzte natürlich eine große Neugier ein. Da fand man dann heraus, dass sie unter ihrem echten Namen Lizzy Grant schon ein Album herausgebracht hatte, dass es dieses aber nicht mehr gab, dass ihr Papa doch wohlhabener war, als man annahm, dass die Geschichte mit den Trailerparks, in denen sie angeblich gelebt hatte, nicht stimmte, und dass sie ein ganz bürgerliches Ding aus dem Wintersportort Lake Placid war. Auch, dass ihre Lippen früher nicht so prall waren wie heute, fiel auf. "Ich habe doch aber nichts versteckt, ich habe meinen Namen nicht im Geheimen geändert", sagt sie dazu, und sie erklärt: "Ich habe meinen Namen nur geändert, weil ich fand, dass er besser zu meiner Musik passt." Und die Lippen eben auch, so what?

Ja, warum nicht? Die Geschichte des Pop ist schließlich voll von Neuerfindungen, Umbenennungen, Face-Lifts und Imagewechseln. Warum dann nicht auch Lana del Rey? Sie klingt retro, sie klingt unheilvoll und gleichzeitig verheißungsvoll, sie klingt nach einer vergangenen Zeit, die viele ihrer neuen Fans nicht kennen können und von der sie doch vielleicht glauben, dass sie besser, echter war. Sie hat das fast immer gleiche Thema – Mädchen verfällt Mann, der will sie aber nicht und wenn, dann nur als Spielzeug – vielfach variiert, und darüber könnte man nun sauer sein oder die Augen rollen und sich fragen: Und, war das alles? Man kann es aber einfach auch gut finden, dass sie so konsequent ist und beim Thema bleibt ("You like the bad girls , honey"). Einige stimmungsaufhellende Ausreißer gibt es ja ("Hey, Lolita, hey"), und außerdem kann sie sich ja auch was für das nächste Album aufheben. Das kommt bestimmt und wird dann sicher wieder so heiß erwartet wie "Born to Die". Ab sofort im Handel.

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Quelle: n-tv.de

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