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"Freeheld" - Kampf für Gerechtigkeit Liebe kennt kein Geschlecht

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Laurel Hester (Julianne Moore, l.) und Stacie Andree (Ellen Page) wollen wie ein heterosexuelles Paar behandelt werden.

(Foto: Universum Film)

Laurel Hester wird nicht mehr lange leben. Doch bevor sie stirbt, will sie ihre Partnerin absichern. Dass konservative Politiker etwas dagegen haben könnten, kommt ihr gar nicht in den Sinn. Der Film "Freeheld" erzählt, wie sie ungeplant Aktivistin wird.

23 Jahre lang steht Laurel Hester im Dienst der Polizei von New Jersey. 23 Jahre lang trägt sie ein immenses Berufsrisiko. 23 Jahre lang geht der Job immer vor. Als bei ihr Lungenkrebs im Endstadium diagnostiziert wird, will sie ihre Rentenansprüche an die Person weitergeben, die sie liebt. Zufällig ist das eine Frau, Automechanikerin Stacie Andree, und das passt den konservativen Entscheidern absolut nicht.

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"Freeheld" erzählt mit zwei großartigen Schauspielerinnen in den Hauptrollen eine Geschichte nach, die gerade deswegen so erschütternd ist, weil sie die Lebensrealität zweier Frauen abbildet, die vor gar nicht allzu langer Zeit furchtbare Ungerechtigkeit erfahren mussten. 2007 verarbeitete bereits ein gleichnamiger Dokumentarfilm ihre Geschichte, er wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Nun leihen Julianne Moore und Ellen Page den Protagonistinnen ihr Gesicht.

Meilenstein für Gleichberechtigung

Laurel ist Einzelgängerin. Ihre sexuelle Orientierung verbirgt sie vor ihren Kollegen - nicht aus Scham, sondern in vollem Bewusstsein darüber, welche Hindernisse sie allein aufgrund ihres Geschlechts bereits überwinden muss. Alles, was Laurel macht, ist kontrolliert, und in einer eigentlich ebenfalls kontrollierten Situation stolpert sie in Stacie hinein. Die wiederum ist direkt, ehrlich und in ihrer Wärme beeindruckend unmittelbar. Zunächst umtanzen sich die beiden als Ungleiche, allein der Altersunterschied von 19 Jahren ist auffällig, doch schnell entwickeln sie sich mit Hund, Haus und Garten zur perfekten Symbiose entspannter Glückseligkeit.

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Steve Carell tritt auf - und das ernste Anliegen ist plötzlich nur noch albern.

(Foto: Universum Film)

"Freeheld" beginnt stark. Wenn der Streifen von der Intimität lebt, die zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen ganz sicher besteht. Die Bilder sind schön. Das mag daran liegen, dass die Handlung, angesiedelt im Jahr 2005, sich beinahe ein bisschen historisch anfühlt. Während Laurel immer mehr hinter ihrer Krankheit verschwindet, wird der Film jedoch auf eine Weise unangenehm, die nicht mehr rührt, sondern sich unnötig strapaziös gestaltet.

Die Ernsthaftigkeit der Thematik bedingt einen gewissen überkorrekten Anspruch an die Erzählweise. Laurels Forderung, ihre gleichgeschlechtliche Ehe wie jede andere auch zu behandeln, wurde zum Meilenstein im Gleichberechtigungskampf der US-amerikanischen LGBT-Community (LGBT steht für lesbisch, schwul, bisexuell und transgender). "Freeheld" ist aber kein rein ideologischer Film. Er zeugt in der ersten Hälfte vor allem von viel Beobachtungsgabe und Gespür für feine Nuancen der Zwischenmenschlichkeit. Dann kommt Steve Carell.

Homophobe Cops als Unterstützer

Während Michael Shannon als Laurels erst unwissender, dann gekränkter, immer aber verlässlicher Partner Dane Wells das Ensemble mit genau der richtigen Dosis dezent unterstützender Männlichkeit ergänzt, torpediert Carell als jüdischer Homo-Aktivist mit Megafon-Mentalität die Ernsthaftigkeit seines eigenen Anliegens. "Freeheld" hat nicht einmal ein kleines Plätzchen für Klamauk vorzuweisen und trotzdem wird dem im Film ordentlich Raum gegeben.

Mit Carells Auftritt, aber nicht allein ihm geschuldet, verwässert die Botschaft von "Freeheld". Wo aus der homophoben Polizisten-Bande plötzlich engagierte Liberale werden, verblasst die Courage einer einzigen Frau, die sich selbst nie mit viel Wirbel zur Grundsatzdiskussion machen wollte, sondern aus aufrichtiger Überzeugung auf ihr Recht bestand.

"Freeheld" startet am 7. April in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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