Kino

Marion Cotillard, "Frau im Mond" Mehr Sex, mehr Lebensfreude

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In "Die Frau im Mond" spielt Marion Cotillard Gabrielle, die es wagt, mehr zu wollen, als man sie lässt.

(Foto: Studiocanal)

Manche Dinge sollen nicht sein. Eine junge Frau etwa, die soll nicht ihren Lehrer begehren. Besser ist, sie heiratet. In dem französischen Film "Die Frau im Mond" spielt Marion Cotillard eine Frau, die in den 1940er Jahren mehr will, als man ihr zugesteht.

Sexy soll sie sein, die Frau. Aber Sex haben, das soll sie nicht. Sie soll ihn jedenfalls nicht begehren. Ihr Begehren kommt auch Gabrielle in die Quere. In den 1940er Jahren, in denen die Wünsche und Hoffnungen einer jungen Frau zwischen moosigen Grundtönen der französischen Provinz erdrückt werden, will sie mehr. Sie ist die Hauptfigur von Brigitte Roüans Film "Die Frau im Mond - Erinnerung an die Liebe", eine Adaption des gleichnamigen Romans von Milena Agus aus dem Jahr 2006, und sie scheint erst einmal zum Scheitern verurteilt.

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Gabrielle verlangt nach einem besseren Leben. Weil sie es unbeholfen tut mit einem Entsetzen über die Welt, dass nur der Jugend aus den Augen blickt, aber gleichzeitig stur wie eine, die das Leben bereits gesehen hat, will ihre Mutter sie für verrückt erklären. Sie arrangiert für die unbequeme Tochter eine Zweckehe mit dem Saisonarbeiter José (Alex Brendemühl). Der wirkt zunächst ein bisschen schlicht, ein menschgewordener Käfig für Gabrielle, aber die "Frau im Mond" läuft ja nicht umsonst über zwei Stunden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hauptdarstellerin Marion Cotillard auf der Leinwand die Zeit überlistet. Schon in dem feurigen Gefühlsdrama "Liebe mich, wenn du dich traust", Yann Samuells Regiedebüt aus dem Jahre 2003, das Cotillard an der Seite ihres jetzigen Mannes Guillaume Canet zeigt, bewies sie, dass ihr Gesicht jedes Alter spiegeln kann. Dennoch darf natürlich hervorgehoben werden, dass das außerordentliche Talent der Oscar-Preisträgerin nur dadurch unterstrichen wird, dass sich die Geschichte von "Die Frau im Mond" über etwa 20 Jahre erstreckt.

Emanzipation ohne lauten Protest

Von der Taubheit, in die Jahre der Ernüchterung sie gehüllt haben, heilt Gabrielle ein Aufenthalt in einem Sanatorium. Sie ist wegen einer schmerzhaften Nierenkrankheit zur Kur und findet zum Kriegsveteranen André (Frankreichs Vorzeigeherzensbrecher Louis Garrel) endlich die besondere Verbindung, nach der sie sich all die Jahre verzehrt hat. Leider ist es mit der ganz großen Liebe aber eben nicht so einfach und so wird dieses Erwachen der Hauptfigur nicht das Ende ihrer Geschichte markieren.

Forsch und scheu zugleich muss Marion Cotillard ihr Publikum als Gabrielle begeistern. Ihr Spiel ist reduziert, dadurch jedoch nicht weniger rührend. "Die Frau im Mond" bietet einen Blick auf eine Frau, deren Emanzipationsbestreben sich nicht zur Amazonen-Geschichte eignet. Dass man auf Selbstverwirklichung beharren darf, ohne gleich zornig in der ersten Reihe irgendeiner Protestbewegung stehen zu müssen, ist wichtig, das mit Bildern fürs Kino zu unterstreichen, ehrenwert. Regisseurin Roüan aber verwässert, was Message hätte werden können, irgendwo zwischen ausladenden Alpenaufnahmen und der beklemmenden Enge gewöhnlichen Wohnraums. Ruhig und neutral erzählt, dümpelt die "Frau im Mond" lange Strecken so vor sich hin - und dass obwohl sie doch eigentlich die Leidenschaft durch die Handlung treibt.

"Die Frau im Mond - Erinnerung an die Liebe" startet am 2. März in den deutschen Kinos.

Die Romanvorlage von Milena Agus bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden

Quelle: n-tv.de

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