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Ein letztes Mal "House of Cards" Der Präsident ist tot, es lebe die Präsidentin

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Robin Wright übernimmt als Claire Underwood die Führung in der finalen Staffel "House of Cards".

(Foto: David Giesbrecht/Netflix/Courtesy of Sony Pictures Television)

Es geht um ein wichtiges Amt und endlich soll es anständig dabei zugehen. "House of Cards" läutet ein letztes Ringen um die Präsidentschaft ein. Dabei muss die Serie erst einmal die Schatten des Skandals um ihren Hauptdarsteller abschütteln.

"House of Cards" begründete als erstes Netflix-Original den Serienkult bei dem Streamingservice. Keine Frage, das Format zählt zu den besten seiner Art, auch wenn sein Star in Ungnade gefallen ist. Als skrupelloser Machtpolitiker Frank Underwood erfuhr Kevin Spacey einen neuen Höhepunkt in seiner Karriere. Doch der Mann zählte auch privat nicht zu den Guten.

Als sich im vergangenen Jahr die Missbrauchsvorwürfe gegen Spacey verdichteten und der Schauspieler ausgerechnet mit einem deplatzierten Coming-out von den Enthüllungen um seine Person ablenken wollte, wurde es Netflix zu viel. Das Unternehmen feuerte seinen Vorzeigestar. 39 Millionen US-Dollar soll diese Entscheidung gekostet haben, das berichtete das US-amerikanische Branchenportal "Deadline". Doch Spaceys Rauswurf hat auch etwas gebracht.

Auf der richtigen Seite der Geschichte

Indem Netflix sich gegen den Hauptdarsteller seiner Erfolgsserie stellte, war es raus aus dem Schneider. Man hatte sich distanziert von all dem Schmutz und stand nun ganz klar auf der richtigen Seite der Geschichte. Dass Vorwürfe gegen Übergriffe Spaceys schon mehrere Jahre vor dem Skandal kursierten, jedoch nicht aufgegriffen wurden und Netflix sowie die Produktionsfirma von "House of Cards" Media Rights Capital später darauf bestanden, nichts von alldem gewusst zu haben - geschenkt.

Es musste ja irgendwie weitergehen, und da ist es ein großes Glück, dass "House of Cards" mit Robin Wright seit jeher eine herausragende Nummer zwei, ja vielleicht gar eine heimliche Nummer eins hatte. Wright spielt Claire Underwood, die Ehefrau von Spaceys Frank, und in der sechsten und finalen Staffel wird sie die US-Präsidentschaft gegen Widersacher verteidigen müssen. Zum Ende der fünften Staffel hatte ihr Gatte das Amt freiwillig niedergelegt. Sie war zuvor als Vize-Präsidentin installiert worden und ihm entsprechend ins Amt gefolgt.

Konsequenzen für Männer mit Macht

Der Präsident ist tot, es lebe die Präsidentin. So einfach ging das bei "House of Cards". Nicht nur im Rahmen der Handlung, sondern eben auch mit der Serie im Allgemeinen. Sicherlich, es gab einen Drehstop, man musste eine neue Story erfinden, all das hat gekostet. Aber im Grunde gab es einen irren Wirbel um eine Show, die ohnehin hätte enden sollen und deren großes Finale nun für immer verknüpft sein wird mit der Debatte darüber, welche Konsequenzen es hat, wenn ein Mann seine Machtposition über Jahre gezielt ausnutzt.

"Ich habe den Mann nicht gekannt", sagte Robin Wright einmal über ihren Co-Star. Und nur sie weiß, ob das die Wahrheit ist. Genauso wie übrigens auch nicht abschließend geklärt werden wird, ob Meryl Streep über all die Jahre in Hollywood wirklich der Ruf Harvey Weinsteins entgangen ist. Immer wenn Machtmissbrauch bekannt wird, stellt sich eben auch die Frage danach, wer ihn gedeckt und wer tatsächlich von all dem nichts mitbekommen hat.

Der Künstler ist nicht sein Werk

Ob man "House of Cards" deswegen jetzt nicht mehr gucken sollte? Schwierig. Aber man sollte es anders gucken. Man muss Künstler von ihrem Werk trennen dürfen. Das ist das Problem mit Picasso, Polanski und Wagner. Und es ist das Problem mit Spacey. Im Fall der sechsten Staffel "House of Cards" geht es aber nicht nur darum, zu betrachten, was bereits geschaffen wurde, sondern zu beurteilen, wie mit Fehlern umgegangen worden ist. Netflix hat das jedenfalls klug gelöst. Aber auch aufrichtig? Ein fader Beigeschmack bleibt.

Vielleicht lebt es sich mit den letzten Folgen "House of Cards" am besten, wenn man akzeptiert, dass sie jetzt mehr denn je eine Geschichte zum Abschluss bringen müssen. Es geht nicht mehr um ein spektakuläres Serienfinale - jedenfalls nicht nur. Es geht darum, das Team hinter der Serie und vor allem deren Fans damit zu versöhnen, dass "House of Cards" nicht ganz das war, für das sie es gehalten haben. Es sind noch acht Episoden. Und danach können wir dann auch endlich einen Punkt setzen.

"House of Cards" läuft ab dem 2. November zunächst bei Sky. Bei Netflix werden die neuen Folgen voraussichtlich erst ein halbes Jahr später abrufbar sein.

Quelle: n-tv.de

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