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Schweden-Serie "Quicksand" Kann ein Mädchen Amok laufen?

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Maya muss sich in der Serie "Quicksand" wegen Mordes vor Gericht verantworten.

(Foto: Johan Paulin / Netflix)

Maya ist jung, schön, reich und klug - und sie ist angeklagt wegen mehrfachen Mordes. Die schwedische Netflix-Serie "Quicksand" zeigt, wie es zu der Tragödie im Klassenzimmer kommen konnte.

Amokläufer sind Einzelgänger. Die mögen Ballerspiele und haben Pickel. Die hatten nie Freunde, und von ihrer Trauer hat auch niemand was gewusst. Maya (Hanna Ardéhn) ist anders. Sie hat ein liebendes Umfeld, in der Schule schreibt sie Einsen. Sie sieht gut aus, ihr Freund auch, und gemeinsam verleben sie luxuriöse Urlaube, feiern irre Partys. Dass Maya in der Schule um sich geschossen hat, scheint ausgeschlossen. Doch Polizei und Staatsanwaltschaft sind sich sicher: Sie haben es mit einer Mörderin zu tun.

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Die schwedische Netflix-Serie "Quicksand - Im Traum kannst du nicht lügen" spielt mit den Erwartungen der Zuschauer. Kommt ein Mädchen wie Maya - wohlerzogen, gut integriert und mit besten Voraussetzungen für einen mehr als durchschnittlichen Start ins Erwachsenenleben - überhaupt in Betracht als Schlächterin ihrer Mitschüler? Oder ist sie gerade verdächtig, weil sie Drogen nimmt und zu lange wach bleibt und auch mal patzige Antworten gibt? Dass das Mädchen gelitten hat, in den Wochen und Monaten vor der Tragödie, wird zusehends klar. Auch dass ihre Welt bei weitem nicht so heile war, wie man das erst einmal vermuten könnte. Aber so kaputt war sie eben auch nicht.

"Quicksand" verspricht eine ganz große Geschichte. Der Mord ist blutig, die Charaktere reich und schön. Maya ist ein bisschen Engel mit Eisaugen. Weniger spannend, als die Frage, ob sie die Tat begangen hat, ist, wie viel Schuld sie trifft. Die Serie springt zwischen Gegenwartsszenen aus Gefängnis und Gerichtssaal und Rückblenden, die zeigen, wie Maya den Jungen (Felix Sandman) kennenlernte, der sie in einen Klassenraum führen würde, um die gemeinsamen Freunde zu erschießen. Wie sie bei ihm blieb, obwohl er sich selbst und sie gefährdete.

Was mussten die Kinder ertragen?

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Sebastian bringt Maya in "Quicksand" in Schwierigkeiten.

(Foto: Nikola Predovic / Netflix)

Man will wissen, was passiert ist. Was mussten diese Kinder ertragen? Was treibt sie an? "Quicksand" hat sechs Episoden, und die schaut man schon mal so weg. Allerdings bleibt die Serie weit hinter den Erwartungen zurück. Die Motive der Charaktere bleiben unscharf. Ihre Attitüde wirkt unecht. Hinter verdrogt blinkenden Partyszenen verbirgt sich nichts Rohes. Es bleibt der Eindruck einer Gruppe Kids, die sich einfach nicht sonderlich gut benehmen, die nicht um Hilfe bitten, die nicht sehen, wenn sie geliebt werden, und sich darum ins Verderben stürzen. Das mag nicht unrealistisch sein, trägt aber eben auch nicht zu einer spannenden Charakterentwicklung bei.

Bis kurz vor Schluss wird nicht vollständig gezeigt, was sich im Klassenzimmer an diesem einen schicksalhaften Tag zugetragen hat. Man hört die Schüsse, man hört die Schreie, man hört Handys vibrieren, deren Besitzer vielleicht nicht mehr am Leben sind. Wer die Tat begangen hat, sieht man nicht. Das große Verhängnis von "Quicksand" ist, das auch die Auflösung keine Enthüllung mehr ist. Alles endet ziemlich genau so, wie man das erwartet, wenn man grob vertraut ist mit der Welt, in der wir leben, und mit ein bisschen Fernsehen.

"Quicksand - Im Traum kannst du nicht lügen" ist ab dem 5. April abrufbar bei Netflix.

Quelle: n-tv.de

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