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Echt abgefuckt, abgefuckt echt Teenie-Serien sind so düster wie nie

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"Quicksand" ist ein Drama über Teenager für Teenager - und für Erwachsene.

(Foto: Johan Paulin / Netflix)

Vergewaltigung, Mord oder Suizid waren Themen, um die Serien für Jugendliche lange herumgetanzt sind. Doch eine ganze Weile schon gibt es Formate, denen Andeutungen nicht genügen. Nach Serien wie "13 Reasons Why" oder "Clique" kommt nun "Quicksand".

Wer Kinder hat, will sie schützen. Will sie abschirmen vom Schlechten der Welt und vor Leid bewahren. Aber das funktioniert nicht für immer und wie lange es funktioniert, haben Eltern oft nicht in der Hand. Immer mehr Fernsehserien zeigen das Aufwachsen in düsteren Facetten. Es geht um häusliche Gewalt, Sucht, Depression, Vergewaltigung und Suizid. Wo früher das Outsider-Mädchen mit dem Cheerleader um das Herz des Quartbacks buhlte, geht es heute ans Eingemachte. Es wird geweint, geschwitzt und geblutet. Und das ist gut so. Man darf und sollte auch die schlechtesten Seiten des Teenager-Seins zeigen.

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"13 Reasons Why" wurde zum weltweiten Erfolg. Für die Geschichten der Teenager interessierten sich auch Erwachsene.

(Foto: Beth Dubber/Netflix)

Die Netflix-Serie "13 Reasons Why" hat vorgemacht, wie man sich sensiblen Themen nähern kann. Sie hat gezeigt, wie Hauptfigur Hannah aus dem Leben scheidet, und sie hat nicht nur angedeutet, wie Jessica, die im Zentrum der zweiten Staffel steht, missbraucht wird. Auch Netflix' neue Serie "Quicksand" wählt die Schule als Kulisse größtmöglichen Schmerzes von Heranwachsenden. Das schwedische Drama erzählt die Geschichte eines Amoklaufs. Und auch hier sind die Hauptfiguren geplagt von psychischen Krankheiten. Sie erleben Gewalt und üben sie aus.

Liebe und Sex superrealistisch

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Auch die Serie "Riverdale" geht mit ihren jungen Hauptfiguren nicht zimperlich um.

(Foto: 2018 The CW Network, LLC. All Rights Reserved.)

Das Teenager-Drama von heute ist nicht nur für Teenager gemacht. Es spricht mit Zuschauern aller Altersklassen. Formate wie "Riverdale" (ebenfalls über Netflix abrufbar) oder "Clique" (Maxdome), bestätigen, dass sich der Mainstream für das Seelenleben Heranwachsender interessiert. Sind düstere Teenie-Serien ein Trend? "Wenn, dann ist es ein guter", findet Per-Olav Sørensen. Er hat bei "Quicksand" Regie geführt. "Es ist wichtig, gute Filme und Serien über Menschen im Alter von 15 bis 25 zu machen. Sie müssen ihre eigene Stimme haben und ihre Geschichte muss authentisch sein." Deswegen schreckt Sørensen auch nicht vor expliziten Bildern zurück. "Mir war wichtig, dass alles superrealistisch wirkt", erklärt er im Interview mit n-tv.de. "Das gilt für Liebe und Sex genauso wie fürs Autofahren."

"Jeder war mal jung. Jeder war schon mal verliebt. Jeder hat Eltern. Deswegen finde ich, dass 'Quicksand' universelle Themen behandelt", sagt Camilla Ahlgren, die das Drehbuch zur Serie basierend auf der gleichnamigen Romanvorlage von Malin Persson Giolito geschrieben hat. Sie möchte den Begriff der Teenie-Serie lieber überhaupt nicht verwenden. Sie sieht ihr Werk als "Gesellschaftsdrama". Und vielleicht ist das auch ein passenderes Genre. Wer sich weigert, Jugend zu schönen und mit brutaler Ehrlichkeit ein breites Publikum für seinen Stoff begeistert, der schafft auch die Grundlage für generationenübergreifende Debatten.

Hinsehen, wenn es wem schlecht geht

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Hanna Ardéhn spielt in "Quicksand" die Hauptrolle.

(Foto: Johan Paulin / Netflix)

Genau die würden die "Quicksand"-Hauptdarsteller gern anstoßen. "Bei allem, was in der Welt gerade so passiert, ist es wichtig, auch im Kleinen genau hinzugucken, und sensibel über Gefühle zu sprechen", so Felix Sandman gegenüber n-tv.de. Und Hanna Ardéhn ergänzt: "Psychische Probleme sind noch immer stigmatisiert. Niemand will von Problemen hören." Was die Leute sehen wollen, sei das Schöne, so Ardéhn, "die Instagram-Welt!" Aber mit der bitteren Wahrheit dahinter würden sich nur die wenigsten konfrontieren lassen. "Sie sehen die Models, aber sie sehen nicht, wie die mit einer Essstörung kämpfen." Dann unterbricht sich Ardéhn, um etwas klarzustellen. "Es geht uns nicht darum, zu zeigen, wie es allen andauernd schlecht geht", sagt sie. "Aber wir sollten es als normalen Teil des Lebens akzeptieren, dass das zum Leben dazu gehört. Und dass man sich Hilfe suchen darf."

Geschichten über Teenager werden heute mit wesentlich größerer Härte erzählt als noch vor ein paar Jahren. Aber das Böse wird nicht nur zur Schau gestellt, es erfährt auch Verständnis. "Ich wünsche mir, dass die Leute verstehen, wie komplex Charaktere sind, von denen wir erzählen", sagt Ardéhn. "All die Entscheidungen, die eine Person trifft, sind beeinflusst von den Erfahrungen, die sie gemacht hat, und von den Umständen, in denen sie verhaftet ist. Eine Person wird nicht böse geboren, sie wird dazu gemacht." Das Fernsehen heute nimmt Teenager ernst und erzählt deswegen Geschichten, die relevant und bewegend sind. Und wenn man den Darstellern und Machern glaubt, dann geht es in "Quicksand" am Ende gar nicht mehr um den Amoklauf, den die Serie als Aufhänger nutzt, sondern um zwischenmenschliche Beziehungen.

"Quicksand", "13 Reasons Why" und "Riverdale" sind abrufbar via Netflix. "Clique" ist abrufbar via Maxdome.

Quelle: ntv.de