TV

Der "Tatort" im Schnellcheck Tote Samariter und starke Ermittler

2_Tatort_Und_immer_gewinnt_die_Nacht.jpg

Starkes Team: Andersen (Dar Salim, l.), Selb (Luise Wolfram, Mitte) und Moormann (Jasna Fritzi Bauer).

(Foto: Radio Bremen/Michael Ihle)

Das neue Bremer Team soll in seinem zweiten Fall den Tod eines Arztes aufklären und bekommt es mit einem reichlich verworrenen Plot zu tun. Ob sich das Einschalten trotzdem lohnt?

Was passiert?

Doktor Björn Kehrer (Markus Knüfken) ist ein wahrer Samariter: Nonstop und auch weit nach Feierabend ist er in Bremen unterwegs, um die Armen der Stadt pro bono zu behandeln - und wird doch eines Morgens überfahren und mit gebrochenen Knochen im Containerhafen gefunden. Wem das bekannt vorkommt, der hat wohl vor zwei Wochen schon den Berliner "Tatort" gesehen, in dem ein Mann mit seinem eigenen Auto überfahren wurde - mit der Variation, dass der Täter diesmal nicht rückwärts nachsetzt, um auf Nummer sicherzugehen, sondern das Gesicht des Opfers mit einem stumpfen Gegenstand zu Brei schlägt.

6_Tatort_Und_immer_gewinnt_die_Nacht.jpg

Ernst Stötzner spielt den todkranken Vertreter einer altehrwürdigen Zigarrendynastie.

(Foto: Radio Bremen/Michael Ihle)

Die Bremer Kommissare Andersen (Dar Salim), Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Selb (Luise Wolfram) haben für derlei dramaturgische Spitzfindigkeiten derweil keine Zeit, sondern ermitteln in alle Richtungen, um herauszufinden, wer den Arzt auf dem Gewissen hat. Dabei müssen sie sich nicht nur mit gelangweilten Seeleuten (buchstäblich) herumschlagen, sondern auch mit den verknöcherten Vertretern einer altehrwürdigen Bremer Zigarrendynastie. Parallel holen Kommissar Andersen die Spätfolgen seiner Undercover-Tätigkeit in Dänemark ein: Der Sohn eines von ihm zur Strecke gebrachten Clan-Mitglieds folgt Andersen von Kopenhagen bis nach Bremen, um Rache zu nehmen.

Worum geht es wirklich?

Tja, gute Frage. "Dieser 'Tatort' verhandelt das Verhältnis von Pflichtbewusstsein und Lebensglück, beschäftigt sich mit Schuld und Sühne und ist ein Plädoyer für die innere Freiheit eines jeden Einzelnen", heißt es jedenfalls in der Pressemappe zu "Und immer gewinnt die Nacht". Gut, dass das da steht, denn tatsächlich geht die Botschaft in dem konfusen Plot ziemlich leicht unter.

Wegzapp-Moment?

"Dann habe ich im Netz nach 'nem Fick gesucht", lässt eine Arzthelferin mittleren Alters auf die Frage nach ihrem Alibi vom Stapel. Auch das war letztens erst in leicht veränderter Form im Berliner "Tatort" zu sehen, hier ist es vielleicht sogar noch ein bisschen unpassender: Der alleinerziehenden Arzthelferin mit ihren drei Kindern nimmt man derartige Lingo einfach nicht ab.

Ebenfalls wegzapp-reif ist die Schlussszene: "Trabajo si, salsa no", rezitiert Kommissar Andersen frei nach Fidel Castro und animiert die Kolleginnen zu einem kleinen Ermittlertänzchen. Soll locker wirken, ist aber vor allem peinlich, auch wenn sich das Wegzappen so wenige Sekunden vor Schluss dann eher doch nicht mehr lohnt.

Wow-Faktor?

Mehr zum Thema

Wenn an diesem "Tatort" eines wow ist, dann die Ermittler: Mit Dar Salim, Jasna Fritzi Bauer und Luise Wolfram hat Radio Bremen eine Truppe aufgestellt, die in ihrem zweiten gemeinsamen Fall zeigt, dass sie auch eher langatmige Stoffe gut ausfüllen kann.

Wie ist es?

6,5 von 10 Punkten. Drehbuchautor Christian Jeltsch und Regisseur Oliver Hirschbiegel waren beim Spinnen der verschiedenen Handlungsfäden ein wenig überambitioniert, und das wirkt sich auf den ganzen Film aus. Nur die Kommissare retten den Fall vor dem Absturz, und das trotz der reichlich merkwürdig anmutenden Teambuildingmaßnahmen der aktuellen Episode.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen