Panorama

Herdenimmunität rückt in Ferne Alle EU-Staaten verfehlen Impfziel deutlich

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In der EU erhielten erst rund 60 Prozent der über 80-Jährigen bis zum 5. April mindestens eine Impfdosis, nur knapp 30 Prozent sind vollständig geimpft.

(Foto: picture alliance/dpa/CTK)

Drei Monate nach dem Start der Impfkampagne in Europa sollten mindestens 80 Prozent der Menschen über 80 Jahre gegen das Coronavirus geimpft sein. So lautete zumindest der Plan der EU-Kommission. Doch wie es nun scheint, sind die meisten Länder von diesem Ziel noch weit entfernt.

Keiner der 27 EU-Staaten hat das selbstgesteckte Ziel erreicht, bis Ende März mindestens 80 Prozent der über 80-Jährigen gegen die Corona-Infektion zu impfen. Das sei auf "verschiedene Gründe" zurückzuführen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Nach einer Statistik der EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC, die sich auf 23 Länder bezieht, erhielten rund 60 Prozent der über 80-Jährigen bis zum 5. April mindestens eine Impfdosis, knapp 30 Prozent erhielten die beiden Dosen des Vakzins, die für eine vollständige Impfung erforderlich sind.

Im ersten Quartal wurden an die Staaten der EU 107 Millionen Impfdosen ausgeliefert - weit weniger als ursprünglich angenommen. Bis Ende Juni wird eine deutliche Beschleunigung der Auslieferungen erwartet. Der Sprecher der EU-Kommission sprach von 300 bis 360 Millionen Dosen im zweiten Quartal. Damit könne das "Kardinalziel" erreicht werden, 70 Prozent der Erwachsenen zu impfen. "Das wird uns in eine Lage versetzen, in der wir eine ausreichende Herdenimmunität zum Kampf gegen das Virus haben", sagte der Sprecher.

Nach einer Aufstellung der EU-Kommission aus der vergangenen Woche werden die EU-Staaten mithilfe der im zweiten Quartal erwarteten Impfstoffe zwischen 44 Prozent (Tschechien) und 93 Prozent (Malta) der Bevölkerung bis Ende Juni impfen können. Für Frankreich, Italien, Deutschland, Spanien und die Niederlande werden Werte zwischen 55 und 65 Prozent der Bevölkerung angegeben.

Merkel verspricht Impfangebot bis Ende des Sommers

Mitte Januar hatte die EU-Kommission von Ursula von der Leyen ihre Ziele gesetzt. Bis März sollten die EU-Staaten demnach mindestens 80 Prozent des Personals in Gesundheits- und Sozialberufen und der über 80-Jährigen impfen; bis Sommer sollten es mindestens 70 Prozent der Erwachsenen sein. Kanzlerin Angela Merkel spricht davon, dass allen Bürgern in Deutschland bis Ende Sommer ein Impfangebot gemacht werden solle. Genügend Impfstoff für das März-Ziel sei an die EU-Staaten geliefert worden, betonte eine Sprecherin der EU-Kommission vergangene Woche.

Vor wenigen Tagen kritisierte die Weltgesundheitsorganisation WHO die schleppende Impfkampagne scharf. Die Geschwindigkeit, in der in Europa Vakzine verabreicht würden, sei "inakzeptabel langsam", sagte WHO-Europa-Direktor Hans Kluge. Die schleppende Verteilung der Impfstoffe in Europa führe zu einer "Verlängerung" der Pandemie. Er forderte eine Beschleunigung der europäischen Impfprogramme durch eine Ankurbelung der Produktion und den Abbau bürokratischer Hürden. "Jede einzelne Ampulle, die wir vorrätig haben, muss genutzt werden - jetzt."

Schweden kündigte vergangene Woche an, sich angesichts von Verzögerungen bei der Impfstoff-Lieferung von seinem Ziel zu verabschieden, bis zur Jahreshälfte allen Erwachsenen eine Corona-Schutzimpfung angeboten zu haben. Für diese Zielmarke stehe einfach nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung, sagte Sozialministerin Lena Hallengren am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Stockholm.

Quelle: ntv.de, hny/AFP/dpa

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