Panorama

Trauriges Gesicht der Krise Australier zahlt weinendem Griechen Rente

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Nachdem die vierte Bank ihn abgewiesen hatte, brach Chatzifotiadis zusammen.

Er ist zum Symbol der Verzweiflung vieler Griechen geworden. Während eine Wende in der Krise im Land nicht absehbar ist - für den als weinenden Rentner bekannt gewordenen Giorgos Chatzifotiadis naht unerwartete Hilfe.

Vor wenigen Tagen brach Rentner Giorgos Chatzifotiadis weinend vor einer Bank in Thessaloniki zusammen. In vier Banken hatte er versucht, wenigstens einen Teil der Rente seiner Frau abzuholen. Vier Mal wurde er abgewiesen, dann hielt er es nicht mehr aus. Vor der Bank weinte er bitterlich. Es gehe ihm nicht nur um das eigene Schicksal, sagte der 77-Jährige einem Journalisten. "Ich ertrage es nicht, dieses Elend zu sehen."

Eine Wende für das Elend Griechenlands ist zwar nach wie vor nicht absehbar. Doch für Chatzifotiadis naht Hilfe - von völlig unerwarteter Seite: Denn auf der entgegengesetzten Seite des Erdballs, in Australien, sah James Koufos das Foto auf einer australischen Nachrichtenseite im Internet. "Er kam mir bekannt vor", sagte der Sohn griechischer Einwanderer der Zeitung "The Australian".

Verwandte sagten Koufos, dass Chatzisfotiadis aus demselben Dorf stamme wie sein kürzlich verstorbener Vater. Dann so berichtet Koufos weiter, habe ihn seine Mutter angerufen. Sie kenne Chatzisfotiadis, er sei sogar ein guter Freund von Koufos' Vater zu Schulzeiten gewesen.

"Was mein Vater gewollt hätte"

Koufos hat es in Australien zu etwas gebracht. Er führt die Anlageberatung Gap Finance und könnte Chatzisfotiadis' Rente locker aus eigener Tasche bezahlen. Und das will er auch tun. Er habe seinem Vater sehr nahe gestanden. "Ich tue, was mein Vater von mir gewollt hätte", sagte er einem Radiosender.

Um den alten Freund seines Vaters zu finden, startete Koufos einen Aufruf bei Facebook, der sich in kürzester Zeit auf der ganzen Welt verbreitete. "Ich rufe alle meine Facebook-Freunde auf, mir zu helfen, diesen Mann zu finden…", schrieb der Australier. Er wolle dessen Rente für ein Jahr "oder so lange wie nötig" übernehmen.

Inzwischen war die Suche erfolgreich. Schon am Samstag werde Koufos ins Flugzeug steigen, um in die Heimat seiner Eltern zu fliegen, heißt es. Dort will er Chatzisfotiadis treffen und das Geld persönlich übergeben. Wie er ihm auch danach Geld zukommen lassen kann, ist nicht klar. Wann und wie das griechische Finanzsystem wieder normal funktioniert, ist nicht absehbar. Koufos ist sich sicher, dass er einen Weg finden wird. "Und wenn wir für einen persönlichen Kurier bezahlen müssen."

Ebenso wie das Bild des weinenden Rentners, stieß auch Koufos Hilfsaufruf auf ein riesiges Echo. Er erhielt Dankesnachrichten und Angebote aus aller Welt. Inzwischen hat er mit seiner Firma sogar ein Treuhänderkonto für Spenden für Chatzisfotiadis eingerichtet.

Quelle: ntv.de, mbo