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Der Mann hatte gar nicht bemerkt, dass er Asyl beantragt hatte.
Der Mann hatte gar nicht bemerkt, dass er Asyl beantragt hatte.(Foto: dpa)
Montag, 08. August 2016

Folgenschwerer Irrtum: Chinesischer Tourist steckt im Asylheim fest

Europa ist für viele Chinesen ein Sehnsuchtsziel. Zum Reisen wohlgemerkt, aber das muss man ja erst einmal verstehen. Einem 31-jährigen Chinesen ist es nicht gelungen, sich verständlich zu machen. Am Ende war er offiziell Asylbewerber.

Weil er statt einer Diebstahlanzeige einen Asylantrag unterzeichnete, steckte ein chinesischer Tourist fast zwei Wochen lang in einem Flüchtlingsheim im Münsterland fest. "Er hatte eine Maschinerie in Gang gesetzt, aus der er erstmal gar nicht wieder rauskam", sagte Christoph Schlütermann, Kreisvorstand beim Deutschen Roten Kreuz, das das Heim in Dülmen betreibt. Die "Dülmener Zeitung" hatte zuerst berichtet.

Wie schließlich mit Hilfe einer Übersetzungs-App herauskam, war dem Rucksacktouristen nach seiner Ankunft in Stuttgart die Geldbörse abhandengekommen. Statt an die Polizei, geriet er wohl an eine Behörde in Heidelberg, die ihm den Asylantrag vorlegte. In der Annahme, er stelle Anzeige, unterschrieb der 31-Jährige. Ganz nachvollziehen lasse sich das alles aber nicht mehr.

Der Mann, der ausschließlich Mandarin spricht, wurde daraufhin zunächst in die Erstaufnahmeeinrichtung in Dortmund gebracht. Dort nahm man ihm auch noch Reisepass und Visum ab. Nach weiteren Tagen kam er schließlich nach Dülmen.

"Ich will in Italien spazierengehen"

Erst dort endete seine Odyssee als falscher Flüchtling. Er wurde ärztlich untersucht, Fingerabdrücke wurden genommen, der Mann bekam zu Essen, zu Trinken und auch etwas Taschengeld. Den Rot-Kreuz-Mitarbeitern kam der gutgekleidete Chinese dennoch seltsam vor.

Mithilfe einer Sprach-App auf dem Handy startete Schlütermann schließlich eine Unterhaltung. "Da konnte ich auf Deutsch reinsprechen, das Programm übersetzte dann ins Mandarin." Als bei der Rück-Übersetzung so kuriose Sätze, wie "Ich will in Italien spazieren gehen", rauskamen, war klar: Der Chinese ist Tourist und will gar kein Asyl!

Zwölf Tage lang musste der Chinese jedoch mit der Weiterreise nach Frankreich und Italien warten, bis seine Geschichte rekonstruiert und fehlende Dokumente besorgt waren, wie Schlütermann weiter berichtete.

Quelle: n-tv.de