Panorama

Hunderte Mitarbeiter infiziert Corona-Ausbrüche leeren zwei Schlachthöfe

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In einem norddeutschen Schlachthof kam es zu einem heftigen Corona-Ausbruch.

(Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec)

Im schleswig-holsteinischen Bad Bramstedt muss ein Fleischproduzent seine Mitarbeiter in die Betriebsferien schicken. In dem Betrieb sind inzwischen mehr als 100 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet. In einem westfälischen Betrieb gibt es noch mehr Fälle.

109 Beschäftigte eines Schlachthofes des Fleischproduzenten Vion im schleswig-holsteinischen Bad Bramstedt sind positiv auf das neue Coronavirus getestet worden, teilte der zuständige Kreis Segeberg mit. Aufgrund dieses dynamischen Infektionsgeschehens, das sich nur noch schwer nachvollziehen und rückverfolgen lasse, habe der Infektionsschutz des Kreises Segeberg jetzt alle Mitarbeiter des Schlachthofs, die im Kreis Segeberg leben, unabhängig vom Testergebnis unter Quarantäne gestellt, sagte Landrat Jan Peter Schröder in einer Pressemitteilung.

Insgesamt hatte der Kreis Segeberg 179 Menschen getestet, ein Teil der Testergebnisse steht noch aus. "Vorderstes Ziel es, weitere Menschen vor einer Ansteckung zu schützen und die Infektketten zu durchtrennen." Der Schlachthof befindet sich derzeit in Betriebsferien - aus reiner Vorsicht und zum Schutz der Beschäftigten, so das Unternehmen.

Ausbreitung "im privaten Bereich"?

77 der positiv getesteten Mitarbeiter wohnen gemeinsam in einer zu einem Wohnblock umgebauten ehemaligen Kaserne im Kreis Steinburg. "Viele der Bewohner waren froh, dass man endlich getestet worden ist, damit man Gewissheit hat, ob man positiv ist. Interessanterweise waren viele symptomatisch. Das heißt, sie hatten die Anzeichen einer Corona-Erkrankung geäußert", sagte der parteilose Landrat des Kreises Steinburg, Torsten Wendt.

"Wir wissen nicht, wie sich das Virus so ausbreiten konnte", sagt Landrat Schröder, der die hohen Infektionszahlen aber auf den privaten Bereich zurückführt und nicht auf die hygienischen Verhältnisse im Betrieb. "Wir haben von Anfang an, seit Beginn der Corona-Krise, klare Schutzmaßnahmen hier im Betrieb: an den Arbeitsplätzen anderthalb Meter Abstand. Und wenn das nicht möglich ist, sind entsprechende Schutzvorrichtungen oder Mund-und Nasenschutz eingerichtet worden", hatte Heinz Schweer, der Direktor Landwirtschaft Vion, schon zu Beginn der Woche erklärt.

"Immer wieder werde ich gefragt, warum der Kreis den Betrieb nicht einfach stilllegt? Die Antwort: Rechtlich haben wir dafür keine Handhabe, da die Produktion von Lebensmitteln als systemrelevant gilt und eine Übertragung des Virus durch Lebensmittel bislang noch nicht beschrieben worden ist", sagte Landrat Schröder in der Pressemitteilung des Kreises Bad Segeberg. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ergänzt dazu, dass bisher keine Infektionen mit SARS-CoV-2 über den Übertragungsweg "Fleisch" bekannt seien. Die Vion Food Group war 2020 mit einem Jahresumsatz von rund 5,1 Milliarden Euro einer der größten Schlachtkonzerne Europas.

129 Corona-Infizierte bei Fleischfabrik in Westfalen

Nach einem Ausbruch in einer westfälischen Fleischfabrik sollen alle rund 1200 Beschäftigten des Standortes auf das Virus getestet werden. Allein am Donnerstag seien bereits 200 Mitarbeiter des Unternehmens Westfleisch getestet worden, teilte der Kreis Coesfeld am Donnerstag mit. 129 Infizierte seien erfasst worden, davon würden 13 im Krankenhaus behandelt, allerdings keiner auf der Intensivstation.

Die Verläufe seien vergleichsweise mild, erklärte ein Firmensprecher. Alle Infizierten, die nicht im Krankenhaus liegen, und ihre Kontaktpersonen befänden sich in häuslicher Quarantäne. Am Werkstor werde kontaktlos Fieber gemessen, um Verdachtsfälle schnell zu erkennen. Das Unternehmen stehe in engem Kontakt mit den Behörden, sagte der Sprecher. Entgegen ersten Befürchtungen sei die Produktion im Betrieb nicht eingestellt worden. Sie laufe in reduziertem Umfang weiter.

Quelle: ntv.de, ter/dpa