Panorama

Dr. Specht bei ntv "Die Intensivstationen verstopfen"

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Die zunehmende Belegung der Intensivstationen bereitet nicht nur Dr. Specht Sorge.

Die Intensivstationen in Deutschland nähern sich der Belastungsgrenze, die Politik diskutiert über strengere Maßnahmen. Könnte eine Ausgangssperre dazugehören? Bei ntv gibt der Mediziner Dr. Christoph Specht seine Einschätzung.

ntv: Die Zahl der belegten Intensivbetten spricht eine deutliche Sprache. Hilft dann nur noch ein harter Lockdown mit Ausgangssperren?

Dr. Christoph Specht: Da bin ich ein bisschen im Zweifel. Natürlich muss man was tun, aber ob die Ausgangssperren gerade das richtige Instrumentarium sind, da hab ich meine Zweifel. Was wir erreichen müssen, ist, dass es weniger Infektionen gibt. Weil klar ist: Bei den vielen Infektionen sind die meisten so, dass sie nicht im Krankenhaus landen. Aber einige eben doch. Vor allen Dingen jetzt gerade die 50-, 60-, 70-Jährigen und die liegen relativ lange auf der Intensivstation. Das haben wir bei Covid-19 jetzt schon lange gesehen. Die Belegungszeiten sind dort viel länger als bei der Grippe zum Beispiel. Und das bedeutet auch, dass die Intensivstationen sozusagen verstopfen. Es kommen neue Patienten hin, aber die alten liegen auch noch da. Und das ist aktuell das Problem, diese Zahlen herunterzubekommen. 4500, das ist ja, wo wir gerade hinsteuern. Das ist eindeutig zu viel. Vor allen Dingen, wenn man den Anstieg in den letzten Tagen sieht.

Jeden Tag tausendfach verimpft wird ja Astrazeneca, dieser Impfstoff, der seit vielen Wochen so viel Wirbel ausgelöst hat. Die EMA, also die europäische Arzneimittelbehörde, empfiehlt diesen Impfstoff uneingeschränkt. Können die Einschränkungen nur bei uns für unter 60-Jährige auf Dauer aufrechterhalten werden?

Ja, ich glaube, das wird aufrechterhalten werden, und zwar alleine deswegen, weil das Vertrauen in den Impfstoff ziemlich zerstört ist. Wenn man jetzt auch noch hört, in England gibt es wieder eine andere Regelung - das gibt natürlich nicht gerade Vertrauen, wenn man sich fragt: Kann es denn tatsächlich so unterschiedlich sein? Sind denn die Daten in den Ländern so unterschiedlich? Das sind sie eigentlich nicht. Die Menschen sind ja von ihrem Körper auch in etwa vergleichbar. Insofern trägt das nicht zum Vertrauen bei, und ich denke, wenn man das jetzt ändern würde, dann würden dann doch die Impfwilligen fehlen. Zumal ja, das wollen wir alle hoffen, mit mehr Impfstoff, auch mit anderen Impfstoffen zu rechnen ist.

Hintergrund ist ja, Astrazeneca könnte in wenigen Fällen besondere Thrombosen auslösen. Ist das auch bei den Vektorimpfstoffen von Johnson & Johnson oder Sputnik zu erwarten?

Gute Frage. Wir wissen es nicht. Bisher liegen ja nur die Daten von Astrazeneca, was das angeht, vor. Wie es dazu kommt, dazu gibt es eine sehr sehr plausible Hypothese über einen Autoimmunprozess. Aber auch hier kann man jetzt nicht sagen: Liegt das an der Vektortechnologie oder liegt es schlicht und ergreifend an den Antikörpern, die auch ja wunschgemäß produziert werden? Das ist bisher nicht klar, und deswegen gibt es auch noch keine Daten, was Johnson & Johnson zum Beispiel angeht. Da wird man abwarten müssen. Ich persönlich allerdings habe eher den Eindruck, dass es tatsächlich mit Astrazeneca verbunden sein könnte. Wobei man aber nochmal erwähnen muss: Das ist eine sehr, sehr seltene Nebenwirkung.

Mit Dr. Christoph Specht sprach Ulrich von der Osten

Quelle: ntv.de

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