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Selbstmord beabsichtigt FBI veröffentlicht eigenen Hassbrief an King

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Kings "I have a dream"-Rede vor 250.000 Zuhörern in Washington gilt als eines der Schlüsselereignisse der US-Bürgerrechtsbewegung.

ASSOCIATED PRESS

Fünf Jahrzehnte nachdem der US-Bürgerrechtler Martin Luther King ein Hassbrief erhält, der ihn durch Erpressung zum Selbstmord bringen soll, veröffentlicht das FBI einen der Tiefpunkte seiner Geschichte. Seine Wirkung verfehlte das Schreiben grandios.

Die US-Bundespolizei FBI hat einen anonymen Hassbrief an den dunkelhäutigen Bürgerrechtler Martin Luther King aus dem Jahr 1964 erstmals vollständig veröffentlicht. Bis auf einen Namen ungeschwärzt druckte die "New York Times" das Schreiben nahezu komplett ab. Der Baptistenprediger wird darin als "abnorme Bestie" beschimpft. Zudem versucht der Verfasser, King durch Bekanntmachung außerehelicher Affären in den Suizid zu treiben.

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J. Edgar Hoover 1942: Von der Gründung bis seinem Tod war Hoover fast 48 Jahre lang Direktor des FBI.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Autor des Briefes war nach Angaben der Zeitung William Sullivan, ein damaliger Stellvertreter des FBI-Direktors Edgar Hoover. Dem Schreiben war eine Tonaufnahme beigefügt, die Beweise zu Kings Seitensprüngen beinhalten sollen.

"Hör Dir selbst zu, Du dreckiges, abartiges Tier", heißt es in dem einseitigen Hassbrief. "All Deine Ehebrüche, Deine Sexorgien bis weit zurück in die Vergangenheit sind aktenkundig." Der Verfasser droht außerdem, Kings Seitensprünge binnen 34 Tagen an die Öffentlichkeit zu bringen. "Du bist erledigt", heißt es in einem Absatz.

King verdächtigte sofort das FBI

Der Brief sollte durch absichtlich eingestreute Rechtschreibfehler und einen vorwurfsvollen Ton den Eindruck erwecken, als stamme er aus der Feder eines enttäuschten Mitglieds der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. King selbst sagte nach Erhalt des Schriftstücks angeblich gegenüber Freunden, dass jemand seinen Selbstmord herbeiführen wolle.

Tatsächlich heißt es in dem Brief: "Zu tun bleibt Dir nur eins. Du weißt, was es ist." Weiter heißt es: "Du kannst nicht an Gott glauben und Dich so verhalten, wie Du es tust. Du glaubst eindeutig nicht an irgendwelche moralische Prinzipien."

King verdächtigte offenbar sofort das FBI und dessen Direktor Hoover hinter der Hasstirade. Diese Vermutung sollte sich zehn Jahre später bestätigen, als der US-Senat die Urheber ermitteln ließ. Der sogenannte "Selbstmordbrief" sollte in der Folge einen besonderen Platz in der Geschichte der Geheimdienste einnehmen. Jahrelang waren jedoch immer nur Passagen aus dem Schreiben veröffentlicht worden.

Brief verfehlte Wirkung komplett

Der 1972 gestorbene Hoover hielt King für kommunistisch beeinflusst und nannte ihn den "größten Lügner des Landes". King warf dem FBI vor, nichts gegen die Gewalt gegen Schwarze in den Südstaaten zu unternehmen. 1963 hielt King in Washington vor etwa 250.000 Menschen seine legendäre "I Have a Dream"-Rede über seinen Traum vom friedlichen Zusammenleben aller Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe. In der Folge wurde die Rassentrennung für illegal erklärt und das Wahlrecht für alle schwarzen US-Bürger festgeschrieben. 1968 wurde der Baptistenprediger von einem weißen Heckenschützen ermordet.

Seinen Zweck verfehlte der Brief auf ganzer Linie. King erhielt für sein Engagement den Friedensnobelpreis und gilt heute weltweit als ein Beispiel für Zivilcourage und Menschenwürde. Der frühere FBI-Direktor Hoover hingegen wird von vielen als Verkörperung eines erzkonservativen und schädlichen Geheimdienstes betrachtet.

Der heutige FBI-Direktor James Comey hat auf seinem Schreibtisch angeblich noch heute eine Kopie eines Antrags zur telefonischen Überwachung Kings. Diese sei für ihn eine Mahnung dafür, was seine Behörde alles falsch machen kann. 

Quelle: n-tv.de, bwe/AFP

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