Panorama

Nach neuen Todesfällen in Bremen Frühchenstation muss schließen

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In den Bremer Klinikfluren gehen nun die Lichter aus.

(Foto: dpa)

In Bremen muss die Politik die quälende Frage beantworten: Hätte der Tod von zwei weiteren Babys auf der neonatologischen Station im Klinikum Bremen-Mitte verhindert werden können? Viele sagen ja, wenn schon früher Konsequenzen gezogen worden wären. Maßnahme ergreift der Senat erst jetzt: Der Klinikleiter muss gehen, die Station wird komplett geschlossen.

Nach dem Tod von zwei weiteren Frühchen hat Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) die Schließung der betreffenden Station im Klinikum Bremen-Mitte angekündigt. Zuvor hatte sie den Geschäftsführer des betroffenen Klinikums, Diethelm Hansen, vorläufig von seinen Aufgaben freigestellt. "Es gibt einen schleichenden Vertrauensverlust, der ist jetzt soweit, dass ich sage: Wir müssen uns jetzt trennen", begründete sie die Entscheidung in der Personalie Hansen. Wenn die neuen Todesfälle aufgeklärt seien, werde es eine abschließende Bewertung geben.

In der Klinik waren wieder zwei Frühchen gestorben. Nach Informationen von Radio Bremen soll es sich bei den Toten um zwei frühgeborene Mädchen handeln. An beiden seien Keime festgestellt worden, berichtete der Sender. Von der Behörde und der Klinik gab es dazu zunächst keine Angaben.

Ende vergangener Woche waren erneut multiresistente Darmkeime bei drei Frühchen auf der Station nachgewiesen worden. Ob bei den beiden Todesfällen nun ein direkter Zusammenhang mit diesen besteht, war zunächst unklar. Im vergangenen Jahr waren drei Neugeborene an Infektionen mit den Bakterien gestorben und mehrere schwer erkrankt. Die Neugeborenen-Intensivstation der Klinik war daraufhin vorübergehend für Desinfektion und Umbau geschlossen worden.

Kritik am Krisenmanagement wird laut

Gestern war bekannt geworden, dass der gefährliche Keim bereits mindestens seit 2009 in der Klinik vorhanden war. Ein spezialisiertes Labor in Bochum hatte eine aufbewahrte Probe aus diesem Jahr untersucht und die genetische Übereinstimmung mit den aktuellen Klebsiella-Bakterien bestätigt.

Ein Untersuchungsausschuss befasst sich mit der Aufarbeitung der Vorfälle. Die Abgeordneten setzten die weitere Zeugenbefragung nach den jüngsten Ereignissen aus. Die CDU beantragte eine Erweiterung des Untersuchungsauftrags.

CDU und Linke kritisierten die Leitung des Krankenhausverbunds und die Gesundheitssenatorin scharf. Die Wiedereröffnung der Intensivstation sei möglicherweise voreilig gewesen. Der Geschäftsführer der Kliniken, Diethelm Hansen, hätte schon früher beurlaubt werden müssen.

Experten hatten von erheblichen Hygiene- und Organisationsmängeln in der Klinik gesprochen und den Umgang mit der Krise kritisiert. Unter anderem waren die Behörden erst Anfang November über die Infektionen informiert worden - lange nach dem Keimausbruch.

Quelle: ntv.de, dpa

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