Panorama

Sportschütze verurteilt Haftstrafe für Waffenhandel im Darknet

Spätestens seit dem Amoklauf in München ist ein Teil des Internets ins Licht gezerrt, der gern im Dunkeln bleibt. Im sogenannten Darknet - eine Parallelwelt des Netzes - werden unter anderem illegale Geschäfte abgewickelt. Nun steht ein Händler vor Gericht.

Für den illegalen Handel mit Waffen im sogenannten Darknet hat das Landgericht Heidelberg einen Mann zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 32 Jahre alte Sportschütze zwischen Januar 2014 und Oktober 2015 Pistolen und beispielsweise auch Sturmgewehre sowie Zubehör illegal an verschiedene Abnehmer verkaufte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren für den Mann gefordert. Die Verteidigung plädierte dafür, dass der geständige Mann nicht länger als fünf Jahre hinter Gitter solle.

Der als Darknet bezeichnete anonyme Bereich des Internets sei "hochgefährlich", sagte der Vorsitzende Richter. Dies sei bereits bekannt gewesen, bevor feststand, dass etwa der Amokläufer von München seine Waffe dort gekauft hatte.

Der gelernte Optiker hatte die Waffen über einen Zwischenhändler mit dem Pseudonym Ferdi erworben und über Verkaufsplattformen im Darknet angeboten. Für Geldeingänge nutzte er ein polnisches Bankkonto. Als Händler agierte er unter verschiedenen Namen, zeitweise auch unter dem Namen "Dosensuppe".

Zu Prozessbeginn hatte der Angeklagte noch behauptet, er sei als Sammler lediglich am Kauf von Waffen interessiert gewesen. Im Verlauf der Verhandlung räumte er jedoch ein, dass er auch selbst als Waffenverkäufer aufgetreten war. Dass er - wenn auch spät - diese Straftat teilweise eingestanden hatte und sich in seinem Schlusswort von seiner Tat distanzierte, war laut Gericht auch der Grund für das vergleichsweise milde Urteil.

Verkauf an Rechtsextremist

Der Fall habe einen "enormen Ermittlungsaufwand" mit sich gebracht, sagte der Richter. Er erwähnte auch die Risiken, die der illegale Waffenhandel im Darknet nach sich ziehe. Allein der Umstand, dass Waffenschieber meist keine Informationen über ihre Abnehmer hätten, bezeichnete der Richter als "hochgefährlich". Das sei bereits vor dem Amoklauf am Freitag in München bekannt gewesen - der Amokläufer hatte seine Waffe im Darknet gekauft. Mit dem Fall in München hatte der Heidelberger Prozess nichts zu tun.

Unter den Kunden des nun verurteilten Mannes waren dem Gericht zufolge gewaltbereite Käufer, die bereits strafrechtlich aufgefallen waren. Darunter war demnach auch ein Rechtsextremist, der unter dem Pseudonym "Sturmsoldat" auftrat und vor einigen Jahren nach einem gescheiterten Bombenanschlag in der Psychiatrie untergebracht war. Zudem soll ein 21 Jahre alter Brite, der mit einer Maschinenpistole einen Mord begehen wollte und als Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat galt, unter den Abnehmern gewesen sein.

Beim "dunklen Netz" handelt es sich um einen verdeckten, anonymen Bereich des Internets, der nicht ohne weiteres zugänglich ist und auch von Suchmaschinen nicht gefunden wird. Beispiele für ein Darknet sind Freenet, das Invisible Internet Project (I2P) oder The Onion Router (Tor), das als bekanntestes Dunkelnetz gilt. Mit einem herkömmlichen Browser sind diese nicht erreichbar.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts

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