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Freitag, 28. Oktober 2016

Versuchte Morde im Kreißsaal: Hebamme muss 15 Jahre in Haft

Erst in Hessen, dann in Bayern versucht eine Hebamme, werdende Mütter zu ermorden. Ein Gericht verurteilt sie nun wegen gefährlicher Körperverletzung zu 15 Jahren Gefängnis. Und sie erhält weitere Auflagen.

Eine Hebamme muss wegen sieben versuchter Morde sowie gefährlicher und schwerer Körperverletzung im Kreißsaal 15 Jahre in Haft. Das Landgericht München I verhängte außerdem ein lebenslanges Berufsverbot. Die Patientinnen hätten "insbesondere in der geschützten, klinischen Umgebung" keinen Angriff auf ihr Leben erwartet, sagte der Vorsitzende Richter des Schwurgerichtes, Michael Höhne. Das habe die Angeklagte bewusst ausgenutzt, um Frust abzubauen.

Die Hebamme hatte die Vorwürfe bestritten.
Die Hebamme hatte die Vorwürfe bestritten.(Foto: dpa)

"Sie war verärgert über die aus ihrer Sicht fehlende Wertschätzung und Anerkennung. Mit der Schaffung von Krisensituationen wollte sie ihren Ärger abreagieren", sagte Höhne. Der Angeklagten wurde es "für immer verboten", als Hebamme oder generell im medizinischen Bereich zu arbeiten. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert.

Der Anwalt der Frau, Hermann Kühn, kündigte Rechtsmittel an. "Wir werden das Urteil anfechten und weiterhin dafür streiten, dass unsere Mandantin sich letztlich von diesem Makel befreien kann." Die Angeklagte selbst hatte sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Verteidigung forderte aber einen Freispruch.

Angeklagte bestreitet Vorwürfe

Nach Überzeugung des Gerichtes hat 35-Jährige Patientinnen bei Kaiserschnitt-Geburten in Bad Soden und im Münchner Klinikum Großhadern heimlich Blutverdünner gegeben. Sie wären ohne Notoperationen gestorben. Die Angeklagte sei die einzige, die in allen Fällen Zugang zu den Patientinnen hatte, sagte Richter Höhne. "Das sollte eigentlich der schönste Tag des Lebens werden, aber es wurde der schlimmste", zitierte er die Aussage eines betroffenen Elternpaares vor Gericht.

In einem Fall gab die Hebamme demnach einer Frau kurz vor der Geburt das blutverdünnende Mittel Heparin, das unter anderem nach Fehlgeburten verabreicht wird - oder zur Abtreibung, aber "unter keinen Umständen Schwangeren". Die Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten und nach Angaben Höhnes nach den nicht-öffentlichen Plädoyers gesagt: "Wenn ich das gewesen wäre, dann wäre ich ja der Todesengel vom Kreißsaal."

Quelle: n-tv.de