Panorama

Familie stirbt in Genua Helfer finden weitere Tote in Trümmern

Die Hoffnung, Überlebende aus den Trümmern der Morandi-Brücke in Genua zu bergen, schwindet stündlich. Während die Suche nach der Ursache für das Unglück weitergeht, nehmen zahlreiche Menschen Abschied von den Opfern.

Die Rettungskräfte in Genua suchen nach dem Brückeneinsturz noch nach einem Vermissten. Die Zahl der Toten stieg am Samstag von 38 auf 41, wie ein Helfer sagte. Die drei weiteren Leichen wurden aber noch nicht offiziell identifiziert. Die Feuerwehr hatte auf Twitter zunächst nur die Bergung eines weiteren Autos bestätigt. Für 18 der Opfer fand am Samstagvormittag eine Trauerfeier statt.

Bei den drei weiteren Leichen, die laut einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa von Feuerwehrleuten aus den Trümmern geborgen wurden, handelt es sich um ein neunjähriges Mädchen und seine Eltern. Die drei seien am Dienstag mit dem Auto auf der Morandi-Brücke unterwegs gewesen, als die Straße unter ihnen nachgab. Während eines Unwetters war ein etwa 200 Meter langer Abschnitt des wichtigen Polcevera-Viadukts in der norditalienischen Hafenstadt in die Tiefe gestürzt und hatte zahlreiche Fahrzeuge mitgerissen. Experten vermuten, dass der Einsturz durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte.

Die Behörden meldeten am Donnerstag zunächst, dass noch 10 bis 20 Menschen vermisst würden. Am Freitag fiel die Zahl auf fünf, nachdem sich weitere Vermisste bei der Not-Hotline oder bei Verwandten gemeldet hatten. Auch ein vermisster deutscher Tourist meldete sich nach italienischen Medienberichten, um zu sagen, dass es ihm gut gehe.

Der Samstag wurde zum nationalen Trauertag erklärt. Vor öffentlichen Gebäuden wehte die Fahne auf Halbmast. Bei den Fußballspielen des Wochenendes tragen die Spieler schwarze Armbinden und legen eine Schweigeminute ein.

Trauergäste mit Applaus empfangen

Um 11.30 Uhr begann eine Trauerfeier für einige der Opfer im Beisein der Staats- und Regierungsspitzen in einer Messehalle. Auch mehrere tausend Einwohner von Genua kamen zu der Zeremonie für die Toten. Die versammelten Gäste - Rettungskräfte, Regierungspolitiker und Fußballer - wurden mit großem Applaus begrüßt. Die Spieler der beiden örtlichen Serie-A-Teams, CFC Genua und Sampdoria, konnten an den Feierlichkeiten am Samstagvormittag teilnehmen, weil die italienische Fußball-Liga ihre für das Wochenende geplanten Spiele nach dem Unglück verschoben hatte.

Besonders warm wurden auch Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega, der Chef der Fünf-Sterne-Bewegung und Minister für Wirtschaftliche Entwicklung, Luigi Di Maio, sowie Präsident Sergio Mattarella empfangen. Vor Beginn der Zeremonie hatte Mattarella mehrere Minuten mit den Angehörigen der Opfer gesprochen.

Die Zeremonie fand für 18 der Todesopfer statt. Die Angehörigen der übrigen Toten blieben der Feier fern. Einige nannten Verärgerung über die Regierung als Grund, andere wollten demnach ihre Privatsphäre wahren. Premierminister Giuseppe Conte hatte am Freitag einen Prozess eingeleitet, um der privaten Betreibergesellschaft Autostrade per l'Italia ihre Lizenz zu entziehen. Das Unternehmen bestreitet Nachlässigkeit.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa