Panorama

Ausbreitung in Brasilien Indigener Teenager an Corona gestorben

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In den 1960er bis 80er Jahren brachten Goldsucher Krankheiten wie die Masern zu den Indigenen.

(Foto: REUTERS)

Mit knapp 27.000 Angehörigen sind die Yanomami eines der größten indigenen Völker im venezolanisch-brasilianischen Grenzgebiet. Mit einem ersten bekannten Todesfall ist jetzt das Coronavirus auch bei ihnen angekommen. Der 15-Jährige wurde zuvor positiv auf Sars-CoV-2 getestet.

Das Coronavirus hat die Indigenen in Brasilien erreicht. Ein Jugendlicher vom Volk der Yanomami starb in einem Krankenhaus in der Stadt Boa Vista, wie die "Folha de S. Paulo" und andere brasilianische Medien berichteten. Der 15-Jährige war demnach positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden und lag seit vergangenem Freitag auf der Intensivstation. Er ist der erste registrierte Tote in Zusammenhang mit Covid-19 aus einem Indigenen-Gebiet.

Der "Agência Brasil" zufolge, die sich auf regionale Gesundheitsstellen für die Yanomami berief, stammte der Junge aus dem Dorf Rehebe. Mit knapp 27.000 Angehörigen im Norden Brasiliens und Süden Venezuelas sind die Yanomami eines der größten indigenen Völker Amazoniens. Zur Schule ging der Junge im indigenen Gebiet Boqueirão. Pro-Indigene-Organisationen wie das Instituto Socioambiental und der Indigenistische Missionsrat haben in den vergangenen Tagen darauf hingewiesen, dass mindestens zwei weitere Indigene im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind.

Die beiden - eine Frau vom Volk der Borari aus der bei Touristen beliebten Stadt Alter do Chão und ein Mann vom Volk der Mura aus der Amazonas-Metropole Manaus - tauchen jedoch nicht in der Statistik des Spezialsekretariats für indigene Gesundheit auf, weil sie in Städten lebten. Der Tod des 15-Jährigen steigert unter den Yanomami die Sorge, dass sich eine Tragödie wie in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren wiederholen könnte. Damals brachten illegale Goldsucher Krankheiten wie die Masern zu den Indigenen, 15 Prozent der Yanomami starben. Auch heute kämpfen diese gegen Goldschürfer - nach Angaben der Organisation Hutukara 25.000 - auf ihrem Gebiet.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hatte bereits im Wahlkampf versprochen, indigene Gebiete für die wirtschaftliche Nutzung zu öffnen. Im Februar brachte er ein Gesetzesprojekt auf den Weg, um die Goldsuche in solchen Gegenden zu erlauben.

Quelle: ntv.de, jki/dpa