Panorama

"Corona wird zum Klinikalltag" Intensivarzt diagnostiziert nahes Pandemie-Ende

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Deutschlands Intensivmediziner haben die Covid-Krise wohl bald hinter sich. Doch dann müssen die aufgeschobenen Operationen abgearbeitet werden.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Die Kapazitäten der Intensivstationen sind eine wichtige Kennzahl für die Corona-Krise. Der oberste Intensivmediziner sieht nun eine nahe Trendwende: Die Zahl der Schwerstkranken nähert sich der 1000er-Marke und Covid-19 wird Teil des Klinikalltags. Zeit also, das "pandemische Denken" zu überwinden.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Christian Karagiannidis, fordert ein Ende des "pandemischen Denkens" in Bezug auf das Coronavirus. Man werde in den kommenden Wochen und Monaten aus der pandemischen Phase herauskommen, künftig werde Covid eine Erkrankung des Klinikalltags werden und den Schrecken einer in Wellen verlaufenden Pandemie verlieren, sagte Karagiannidis bei einer digitalen Pressekonferenz des Verbands.

"Wir werden in den kommenden Tagen die magische Grenze von 1000 Patienten unterschreiten." Nun sei die Zeit gekommen, "in eine chronische Phase" überzugehen, sagte Karagiannidis. Corona werde den Klinikalltag in den nächsten Jahren "wie die jährliche Grippewelle" begleiten. Bis zum Herbst sei dann nicht nur mit Corona-Infektionen zu rechnen, sondern auch mit vielen anderen Krankheiten sowie verschobenen Operationen.

"Dann wird es einen Konkurrenzkampf um die Betten geben", sagte Karagiannidis. In den vergangenen Monaten habe man sich auf die Versorgung von Corona-Patienten konzentriert, bei anderen Krankheiten sei dies "nicht in dem Maße" geschehen.

NRW lässt nationale "epidemische Lage" auslaufen

Die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten in Deutschland sinkt weiter deutlich. Wie aus dem aktuellen DIVI-Intensivregister hervorgeht, werden in deutschen Kliniken derzeit 1280 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Im Vergleich zum Vortag ist das ein Rückgang um 56 Patienten. 867 Menschen müssen invasiv beatmet werden, das sind 52 weniger als am Tag zuvor. Insgesamt sind den Angaben zufolge noch 4740 Betten in den deutschen Kliniken frei, das sind 57 mehr als am Vortag. Der Anteil freier Kapazitäten liegt derzeit bei 18,2 Prozent.

Der Bundestag hatte die "epidemische Lage von nationaler Tragweite" erst am Freitag um weitere drei Monate verlängert. Sie wäre sonst Ende Juni ausgelaufen. Dagegen beschloss der nordrhein-westfälische Landtag, die "epidemische Lage von landesweiter Tragweite" nicht noch einmal zu verlängern. Darauf haben sich die Regierungsfraktionen von CDU und FDP verständigt. Damit entfallen in NRW ab dem 19. Juni besondere Befugnisse der Düsseldorfer Regierung.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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