Panorama

Polen, Pilger und der Papst Junge Katholiken treffen sich in Krakau

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Überall in der Stadt sind schon junge Leute zu sehen.

(Foto: dpa)

Der Weltjugendtag ist ein Mega-Event der katholischen Kirche. Er fand schon in Rom, Manila, Köln und Rio de Janeiro statt. Diesmal ist das polnische Krakau der Treffpunkt, ein Ort mit besonderer Symbolkraft.

Was sind Weltjugendtage?
Weltjugendtage (WJT) finden seit der Premiere 1984 alle zwei bis drei Jahre statt. Sie gelten als größte internationale Treffen der katholischen Kirche. Initiiert wurden sie von Papst Johannes Paul II. (1920-2005), der junge Menschen immer als wichtiges Pfund der Kirche betrachtete: "Ihr seid die Hoffnung der Kirche. Ihr seid die Zukunft der Welt", sagte er einmal. Zudem wollte er zeigen: Glauben kann Spaß machen! Bei den Treffen beten, diskutieren und feiern die Teilnehmer aus aller Welt gemeinsam und versichern sich ihres Glaubens. Fester Bestandteil sind zudem die Begegnungen mit dem Papst, wobei die große Abschlussmesse immer den Höhepunkt bildet.

Wie viele Pilger kommen nach Krakau?
Nach Angaben der Veranstalter haben sich gut 560.000 Christen aus 187 Staaten zum WJT angemeldet. Erwartungsgemäß haben Pilger aus dem Gastgeberland mit knapp 172.000 Teilnehmern den größten Anteil, große Gruppen kommen auch aus Italien, Frankreich, Spanien und den USA. Aus Deutschland erwartete die Bischofskonferenz 15.500 registrierte Teilnehmer, hinzu kommen womöglich noch Kurzentschlossene. Insgesamt rechnet der Generalsekretär des Organisationskomitees, Grzegorz Suchodolski, mit bis zu 1,5 Millionen Besuchern - doppelt so viele wie Krakau Einwohner hat: "Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass bis zu dreimal mehr Menschen kommen als registriert wurden." Übrigens nehmen auch fast 1000 Bischöfe und Weihbischöfe am WJT teil, darunter 27 aus Deutschland.

Was ist das besondere an Krakau?
Die zweitgrößte polnische Metropole im Südosten des Landes ist nicht nur eine kulturhistorisch ungemein spannende Stadt, nicht nur ein touristischer Hotspot mit jährlich zehn Millionen Besuchern, nicht nur eine junge Stadt mit 200.000 Studenten. Sie hat auch direkten Bezug zu einem Papst: Johannes Paul II. wirkte hier jahrzehntelang unter anderem als Erzbischof, der den kommunistischen Machthabern die Stirn bot, ehe er 1978 zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde. Bis heute wird er tief verehrt, gerade in und um Krakau, wo es etliche Gedenkorte für ihn gibt. Dazu gehören eine 2013 geweihte Gedenkkirche, die als Heiligtum betrachtet wird, und ein JPII-Museum.

Was genau ist beim WJT geplant?
Im Mittelpunkt stehen zahlreiche Begegnungen von jungen Menschen mit Papst Franziskus. Der schwebt am Mittwoch aus Rom ein und soll einen Tag später im Krakauer Jordan-Park von den Jugendlichen empfangen werden. Am Freitag nimmt er an einem Kreuzweg mit jungen Leuten teil, bei dem an die Leiden Jesu erinnert wird. Die Nacht vor der großen Abschlussmesse mit Hunderttausenden Pilgern am Sonntag auf einem riesigen Freigelände vor den Toren der Stadt verbringen die Jugendlichen bereits vor Ort unter freiem Himmel.

Und was hat der Papst in Polen sonst noch vor?
Ein wichtiger Termin dürfte der Besuch im einstigen deutschen Vernichtungslager Auschwitz am Freitag sein. Als dritter Papst nach Johannes Paul II. (1979) und Benedikt XVI. (2006) will er an dieser Stätte schlimmster Nazi-Verbrechen an die Opfer erinnern. Franziskus trifft auch Überlebende des Holocaust. Ungewöhnlich: Eine Ansprache ist laut Vatikan nicht geplant, stattdessen ein "Schweigen des Schmerzes". Bereits am Donnerstag macht Franziskus einen Abstecher in den Wallfahrtsort Tschenstochau (Czestochowa). Dort will er in der Kapelle der berühmten "Schwarzen Madonna" beten und anschließend eine Messe zum 1050. Jahrestag der Christianisierung Polens feiern.

Was bedeutet das Großereignis für das EU-Land?
Das von einer national-konservativen, eher europafernen Koalition regierte Polen, dessen Bevölkerung zu fast 98 Prozent katholisch ist, will sich wie schon beim jüngsten Nato-Gipfel als stolzer Gastgeber und als weltoffenes Land präsentieren. Mit Spannung wird erwartet, ob der Papst bei seinen Äußerungen Bezug nimmt auf die Themen Demokratie und Rechtsstaat. Die EU-Kommission hat gegen Polen ein Verfahren zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit eingeleitet, nachdem das Parlament eine umstrittene Justizreform verabschiedet hatte. Diese schränkt nach Ansicht von Kritikern die Arbeit des Verfassungsgerichtes ein, das seither mit der Regierung im Clinch liegt. Ein wichtiges Anliegen des Papstes ist auch Hilfe für Flüchtlinge - Polen weigert sich hingegen, Geflüchtete aus Afrika und Vorderasien aufzunehmen.

Was ist mit dem Thema Sicherheit?
Das wird im Zusammenhang mit dem WJT ganz groß geschrieben. Nach Angaben der Veranstalter sollen rund 25.000 Sicherheitskräfte für einen reibungslosen Ablauf sorgen, darunter allein 20.000 Polizisten. Tausende Soldaten richteten den Campus Misericordiae her, ein 240 Hektar großes Freigelände für Nachtwache und Abschlussgottesdienst wenige Kilometer östlich von Krakau. Unter anderem untersuchten sie das Feld nach Sprengstoff und bauten vier behelfsmäßige Brücken, über die Pilger kontrolliert auf des Areal kommen sollen.

Quelle: ntv.de, Stefan Kruse, dpa