Panorama

Experten suchen nach Hinweisen Löst das Wrackteil das Rätsel um MH370?

Auf der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean wird ein Teil eines Flugzeugs gefunden. Gehört es zum verschwundenen Flug MH370? Experten untersuchen das Stück. Es soll zu einer Boeing 777 passen. Doch es gibt auch Skepsis.

Der Fundort eines Flugzeug-Wrackteils vor der Insel La Réunion passt nach Angaben Australiens zu dem Gebiet, in dem nach dem verschwundenen Flug MH370 gesucht wird. Die Untersuchungen zu dem Wrackteil würden in Canberra mit "sehr großem Interesse" verfolgt, sagte Australiens Verkehrsminister Warren Truss dem Radiosender ABC. Geprüft wird nun, ob das entdeckte Wrackteil Teil einer Boeing 777 sein könnte.

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Was mit Flug MH370 geschah, ist bis heute unklar.

(Foto: dpa)

Sollte sich herausstellen, dass das Wrackteil von MH370 stammt, würde das die Analysen und Modellrechnungen bestätigen, dass das Wrack im südlichen Indischen Ozean abgestürzt ist", teilte das Ministerium für Infrastruktur in Canberra mit. Beim Flug MH370 handelte es sich um eine Maschine dieses Typs. Der TV-Sender CNN berichtete unter Berufung auf nicht genannte Quellen, das Wrackteil sei identisch mit Bauteilen einer Boeing 777.

Zuvor hatte bereits der französische Luftsicherheitsexperte Xavier Tytelman von einer unglaublichen Ähnlichkeit zwischen dem gefundenen Wrackstück und einem Teil des Ruders einer Boeing 777 gesprochen. Auf seinem Twitter-Account und seinem Blog veröffentlichte er eine Skizze dazu. "In einigen Tagen werden wir eine sichere Antwort haben", schrieb Tytelman.

Malaysia entsendet Experten

Die zuständige australische Behörde sei wegen des Wrackteils in Kontakt mit den Behörden in Malaysia und Frankreich, sagte ein Sprecher ABC. "Wir müssen uns jetzt wirklich die Größe und Form anschauen, und ob irgendwelche Markierungen darauf sind, etwa Nummern von Bauteilen oder Seriennummern." Die für Lufttransporte zuständige Gendarmerie auf La Réunion eröffnete nach den Berichten ein Untersuchungsverfahren. Derzeit werde in alle Richtungen ermittelt.

Schiffe mit Unterwasser- und Sonargeräten suchen rund 2000 Kilometer westlich der australischen Westküste seit mehr als einem Jahr ein riesiges Meeresgebiet ab. Es ist eine der abgelegendsten Meeresregionen der Welt. Das Wasser ist dort teils 6000 Meter tief. 55.000 Quadratkilometer sind bislang ergebnislos untersucht worden, wie die australische Koordinationsstelle für die Suche (JACC) berichtete. Das mögliche Absturzgebiet umfasst 120.000 Quadratkilometer.

Malaysia entsandte Experten, um zu klären, ob der Fund mit dem Verschwinden des Malaysia-Airlines-Flug MH370 vor über einem Jahr zusammenhängt. "Ich habe ein Team losgeschickt, um das Wrackteil zu untersuchen", sagte der malaysische Verkehrsminister Liow Tiong Lai. Auch Malaysia Airlines prüft den Fund. "Im Moment wäre es für die Airline zu früh, über die Herkunft des Objekts zu spekulieren", teilte Malaysia Airlines mit.

Das rund zwei Meter lange Stück war nach Berichten lokaler Medien an der Küste bei Saint-André im Osten der zu Frankreich gehörenden Insel gefunden worden. Es sei "mit Muscheln bedeckt" gewesen, weshalb darauf geschlossen werden könne, dass es bereits längere Zeit im Wasser lag, sagte ein Augenzeuge. Denkbar ist etwa, dass das Wrackteil zu einem Airbus der Fluggesellschaft Yemenia gehört, die 2009 vor den Komoren abstürzte, oder zu einer 2006 südlich von La Reunion verunglückten zweimotorigen Maschine.

Angehörige sind skeptisch

Verwandte chinesischer Passagiere von Flug MH370 äußerten sich skeptisch zum Fund. Viele fürchten, es sein ein weiteres Gerücht, und warten auf eine offizielle Bestätigung. "Es ist so weit weg, wo sie das Teil gefunden haben", wunderte sich Liu Dongliang, dessen Bruder an Bord der Maschine war. "Die Nachricht kommt nicht von einer offiziellen Quelle, deswegen bezweifle ich, dass es wahr ist", sagte er. "Ich will meinen Bruder zurück." Auch Chen Pu, dessen Frau in dem Flugzeug war, sagte: "Es ist wieder ein Gerücht wie so viele Gerüchte davor. Ich glaube es nicht und würde empfehlen, keine Gerüchte zu verbreiten."

Die Maschine von Malaysia Airlines war am 8. März 2014 mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwunden. Die Piloten hatten sich 40 Minuten nach dem Start zum letzten Mal beim Tower gemeldet, ohne Hinweis auf Probleme. Weniger als eine Stunde nach dem Start verschwand die Maschine vom Radar. Das Flugzeug wird seither ohne Erfolg gesucht.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP