Panorama

Hinrichtung in Indonesien Mary Jane Veloso in letzter Minute gerettet

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Mary Jane Veloso war vor fünf Jahren zum Tode verurteilt worden.

(Foto: REUTERS)

Mary Jane Veloso sitzt in einer Todeszelle in Indonesien. Sie ist eine von neun Gefangenen, die durch einen Schuss ins Herz hingerichtet werden sollen. Doch in letzter Minute nimmt eine andere Frau die Schuld auf sich. Kann das das Leben der 30-Jährigen retten?

Nur wenige Stunden vor Mitternacht gab der indonesische Generalstaatsanwalt HM Prasetyo bekannt, dass "nach null Uhr neun Insassen des Todestraktes hingerichtet" werden sollen. Prasetyo lehnte damit die gemeinsame Bitte Australiens, Frankreichs und der EU ab, die Exekution der Häftlinge auszusetzen.

Schon eine halbe Stunde nach Mitternacht machten die ersten Meldungen die Runde, dass ein Erschießungskommando acht Menschen hingerichtet habe. Die Philippinerin Mary Jane Veloso war als einzige der Verurteilten verschont worden.

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Mary Jane Veloso ist noch nicht gerettet.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Veloso wurde nicht erschossen, weil sich in letzter Minute eine andere Frau der Polizei gestellt hatte. Die Frau, Maria Kristina Sergio, war wegen Menschenschmuggels gesucht worden. Bei der Polizei in der philippinischen Provinz Nueva Ecija gab sie an, die "unwissende Mary Jane als Drogenkurierin" missbraucht zu haben. Veloso war 2010 in der indonesischen Stadt Yogyakarta mit 2,2 Kilo Heroin im Koffer verhaftet worden. Sie beteuerte stets, nichts von den Drogen gewusst zu haben. Doch man hatte ihr nicht geglaubt und sie zum Tode verurteilt.

Was war passiert?

Die beiden Frauen kennen sich nach Velosos Angaben bereits seit ihrer Kindheit. Sie seien sogar entfernte Verwandte, hätten sich aber eher als Freundinnen verstanden - und sich gegenseitig geholfen. Im Jahre 2010 habe sich Sergio bei Veloso gemeldet und ihr eine Stelle als Hausmädchen in Malaysia angeboten, zu einem ordentlichen Gehalt. Zudem habe sie ihr ein Motorrad und ein Mobiltelefon versprochen.

In Malaysia angekommen soll Veloso von ihrer Freundin erfahren haben, dass der Job bereits vergeben sei, sie ihr aber umgehend eine adäquate Stelle vermitteln wolle. Schon nach kurzer Zeit soll Sergio fündig geworden sein – allerdings nicht in Malaysia, sondern in Indonesien. Veloso willigte ein und habe sich umgehend auf den Weg nach Yogyakata gemacht. Ihre Freundin habe ihr den Flug bezahlt, umgerechnet einige Hundert Euro Bargeld gegeben und einen neuen Koffer für das Gepäck.

In Yogyakarta endete schließlich die Reise der damals 25-jährigen zweifachen Mutter. Drogenfahnder beschlagnahmen ihren Koffer, in dem sich über zwei Kilo Heroin befanden.

Die junge Frau landet in einem Gefängnis, ohne dass ihre Familie und die philippinische Botschaft informiert werden. Erst nach drei Monaten wird die Geschichte der vermeintlichen Drogenkurierin publik gemacht.

Obgleich sich die Regierung in Jakarta umgehend für ihre Staatsbürgerin einsetzt, erhält Mary Jane Veloso in Indonesien keinen rechtsstaatlichen Prozess. Sie kann nicht einmal der Verhandlung richtig folgen, weil ihr das Gericht einen Dolmetscher verweigert. Obgleich die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe für Veloso fordert, verurteilt das Gericht sie zum Tode.

Alle Gnadengesuche abgelehnt

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Acht Männer wurden hingerichtet - ohne Gnade.

(Foto: dpa)

In den Folgejahren versuchen ihre Anwälte immer wieder, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwirken - bis heute ohne Erfolg. Sogar der philippinische Präsident bittet seinen indonesischen Amtskollegen um Gnade - ebenfalls ohne Erfolg. Auf den Philippinen wird Mary Jane als Opfer indonesischer Justizwillkür bekannt. Mehrere Opferverbände und Menschenrechtsgruppen gründen Initiativen zur Rettung Velosos. Auch im Internet schließen sich Hunderttausende unter #SaveMaryJane der Forderung an, die nunmehr 30-Jährige zu verschonen. Alles bislang vergebens.

Als Mary Jane Veloso am 28. April 2015 in ihrer Todeszelle auf das Erschießungskommando wartet, das sie mit einem Schuss in Herz hinrichten soll, ist ihr Sarg bereits gezimmert, das schlichte Holzkreuz beschriftet. Von ihren Angehörigen hatte sie sich am Vortag verabschieden dürfen. Ihren zwölf- und sechsjährigen Söhnen soll sie erklärt haben, "wenn Mama nicht nach Hause kommt, denkt einfach daran, dass Mama im Himmel ist".

Als schließlich die Meldung veröffentlich wurde, dass acht Männer hingerichtet worden seien, soll ihre Familie "ekstatisch, sprachlos und in Tränen aufgelöst" auf die Nachricht reagiert haben, die bedeuten musste, dass man Veloso in letzter Minute verschont hatte.

Nach Angaben der indonesischen Behörden wurde "die Hinrichtung von Mary Jane Veloso verschoben, weil der philippinische Präsident darum bat - wegen einer Verdächtigen, die sich auf den Philippinen gestellt hat". Der philippinische Staatschef Benigno Aquino ließ erklären, sein Land sei Indonesien dankbar. "Wunder werden wahr", sagte auch Velosos Mutter Celia einem philippinischen Radiosender.

Ob Veloso eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren wird, ist noch unklar. Die indonesische Staatsanwaltschaft stellte klar, dass die Hinrichtung Velosos nur aufgeschoben sei, damit die zum Tode verurteilte Frau als Zeugin im kommenden Prozess gegen ihre ehemalige Freundin Maria Kristina Sergio aussagen könne. Nur wenn Sergio umfassend gesteht, dass sie Veloso ohne deren Wissen als Drogenkurierin missbrauchte, könnte das das Leben der nunmehr 30-Jährigen Philippinerin retten.

Quelle: ntv.de, ppo

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