Panorama

Virus nicht unterschätzen Österreich reduziert das soziale Leben

Deutschlands Nachbar Österreich greift angesichts der Corona-Epidemie durch. Die Grenze zu Italien ist beinahe dicht. Öffentliche Veranstaltungen fallen fast gänzlich weg. Studenten müssen daheim bleiben. Regierungschef Kurz will so die Ausbreitung zumindest bremsen.

Österreich ergreift im Kampf gegen das Coronavirus drastische Maßnahmen. Die Einreise aus Italien wird massiv erschwert, wie Regierungschef Sebastian Kurz sagte. Alle Veranstaltungen in geschlossenen Gebäuden mit mehr als 100 Menschen sind nun verboten. Für Veranstaltungen im Freien gilt ein Verbot ab einer Größe von mehr als 500 Menschen. Kommende Woche stellen die Universitäten und Fachhochschulen den Präsenz-Lehrbetrieb ein. "Ich weiß, dass viele Menschen in unserem Land der Meinung sind, 150, 160 Infizierte, das ist doch eine geringe Zahl", sagte Kurz. Doch das neuartige Coronavirus dürfe keinesfalls unterschätzt werden.

Fortan werden Kontrollen an der Grenze zum südlichen Nachbarland in nächster Zeit wieder zur Normalität. Fast niemand aus Italien darf mehr aus beruflichen oder privaten Gründen zu Zielen in Österreich fahren. Für Touristen, die jetzt noch in Italien sind, gilt: die Durchreise durch Österreich ist möglich - aber ohne Stopp. Auf der Rückreise von Italien sollten Touristen auf eine Tankfüllung achten, die für die Strecke durch Österreich ausreicht, hieß es.

Das faktische Veranstaltungsverbot zwingt weltbekannte Spielstätten wie das Burgtheater und die Staatsoper in Wien dazu, ihre Aufführungen bis Ende März abzusagen. Zum Schutz der Gesundheit der Besucher fielen alle Vorstellungen der Bundestheater bis vorläufig 31. März aus, teilte die Bundestheater-Holding mit. "Jede abgesagte Vorstellung bedeutet viel Verlust, künstlerisch und budgetär", sagte Staatsopern-Direktor Dominique Meyer der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Auch die Wiederöffnung im April sei möglicherweise gefährdet. Es stelle sich die Frage, ob weiterhin geprobt werden dürfe, denn auch hier seien oft mehr als 100 Personen anwesend. "Man kann nur öffnen, wenn geprobt wurde."

Temperaturmessungen an der Grenze

Die Restriktionen für Freiluft-Veranstaltungen haben die Aussetzung der beiden kommenden Spieltage in der 1. und 2. österreichischen Bundesliga zur Folge. "Ziel ist es, alle Spiele mit Zuschauern durchzuführen. Deshalb haben wir uns in einem ersten Schritt für die Verschiebung und gegen mögliche Geisterspiele entschieden", sagte der Vorstandsvorsitzende der Liga, Christian Ebenbauer.

Der Hochschulbetrieb soll derweil nach Möglichkeit online fortgesetzt werden. Die Maßnahme gilt laut Bildungsminister Heinz Faßmann zunächst bis zum 3. April. An der Universität Innsbruck wird das bereits seit dem heutigen Dienstag umgesetzt. Außerdem sollen die Schulen möglicherweise geschlossen werden. "Wir werden weitere Maßnahmen setzen", sagte Regierungschef Kurz.

*Datenschutz

Am italienisch-österreichischen Grenzpass Brenner sowie an weiteren Übergängen begannen inzwischen die Gesundheitschecks. Tirols Landeschef Günther Platter sprach von "durchgängigen Kontrollen". Es gebe Befragungen, Züge würden angehalten und kontrolliert. An Ort und Stelle würden stichprobenartige Temperaturmessungen durchgeführt, Abstriche gemacht und - bei Verdacht - eine vorübergehende Quarantäne verordnet.

In Österreich waren am Nachmittag 183 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. "Wir haben nach wie vor diese geringe Zahl an Fällen, aber es geht darum, dass wir die Ausbreitung oder das Tempo der Ausbreitung reduzieren", sagte Kurz. Für einige Wochen sei es nun nötig, das soziale Leben zu reduzieren.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa