Panorama

Ein Vermisster in BASF-Werk Rettungskräfte dringen zu Unglücksort vor

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Am Morgen nach der Explosion werden noch immer zwei Menschen vermisst.

(Foto: dpa)

Erst am späten Abend gelingt es der Feuerwehr, den Brand in einem BASF-Werk in Ludwigshafen zu löschen. Noch immer wird eine Person vermisst. Doch für die Rettungskräfte gestalten sich die Bergungsarbeiten schwierig. Die Lage ist unübersichtlich.

Nach der schweren Explosion auf dem Werksgelände des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen mit mindestens zwei Toten und 20 zum Teil schwer verletzten Menschen geht die Ursachenforschung weiter. "Das Feuer ist zwar aus", sagte ein Sprecher der Polizei am Morgen. Die Lage sei aber nach wie vor diffus. "Für die Rettungskräfte ist es schwer, an den Unglücksort heranzukommen." Noch am Vormittag wollten die Einsatzkräfte bis zum Explosionsherd vordringen. Dies bestätigte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz dem Radiosender SWRinfo. Bislang hätten sie aus Sicherheitsgründen noch einen Abstand von 300 Metern wahren müssen.

Am Montagvormittag waren mindestens zwei Mitarbeiter des Unternehmens getötet worden, als es nach einem Brand an einer Rohrleitung des Hafens zur Explosion gekommen war. Nach Darstellung des Konzerns war zu diesem Zeitpunkt gerade die Werksfeuerwehr zum Löschen eingetroffen. Eine Person wird noch vermisst, sechs weitere sind schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. BASF-Werksleiter Uwe Liebelt drückte den Angehörigen sein Beileid aus. "Wir bedauern zutiefst, dass Mitarbeiter verstorben sind und mehrere Menschen verletzt wurden. Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen und ihren Familien", erklärte er.

Umweltmessungen in der Luft und am Boden blieben zunächst unauffällig. Eine Wolke aus Rauch und Ruß zog jedoch über Teile von Ludwigshafen und dem benachbarten Mannheim hinweg. Anwohner wurden deshalb aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Lewentz bekräftige, dass es nach sämtlichen bisher vorliegenden Informationen aber zu keiner Luftbelastung kam. "Ich habe den Eindruck, dass alles getan wird, um die Sicherheit der Bevölkerung auf höchstem Niveau sicherzustellen", sagte er.

Anlagen bleiben heruntergefahren

Unter dem Unglück leidet auch die Produktion des Chemieriesen. Aus Sicherheitsgründen fuhr die BASF nach der Explosion insgesamt 14 Produktionsanlagen herunter. Zwischen dem Landeshafen Nord und dem Rhein wurden Wassersperren errichtet. In dem Binnenhafen des Chemiekonzerns verlädt das Unternehmen Flüssiggase, aber auch brennbare Flüssigkeiten.

Nachdem zunächst unbekannt geblieben war, welche Stoffe in Brand geraten waren, besteht nun Klarheit: Es brannten unter anderem Rohrleitungen mit Ethylen und Propylen. Beide Stoffe sind wesentliche Grundbausteine der chemischen Industrie. Ethylen wird zur Herstellung von Dämmstoffen und Lösemitteln verwendet. Propylen kommt bei der Produktion von Autolacken, Dispersionen und Klebstoffen zum Einsatz. Die konkrete Unglücksursache bleibt aber weiter unklar. Die Werksfeuerwehr und die Berufsfeuerwehr Ludwigshafen sind laut BASF noch immer mit der Kühlung und der Sicherung der Anlagen beschäftigt.

Fast ein Dutzend Vorfälle dieses Jahr

Für BASF sind die wirtschaftlichen Folgen und die Schadenshöhe bisher kaum abzusehen. Und es ist längst nicht der einzige Vorfall, der allein in diesem Jahr für Schlagzeilen sorgte. Nach Recherchen des Südwestrundfunks gab es 2016 fast ein Dutzend kleinere Vorfälle in den Werken des Chemiekonzerns. Erst im Mai waren im Ludwigshafener Werk nach einer Betriebsstörung 1800 Kilogramm einer "schwach wassergefährdenden" Chemikalie ausgetreten und in den Rhein gelaufen. Eine Gefährdung von Wasserorganismen habe es nicht gegeben, hieß es vonseiten des Konzerns.

Mitte September liefen bei Spülarbeiten vier Tonnen einer giftigen Formaldehyd-Lösung aus. Ein Unternehmensarzt untersuchte daraufhin sechs externe Mitarbeiter, die das giftige Gas eingeatmet haben könnten. Die ausgelaufenen Giftstoffe wurden von der Werksfeuerwehr aufgefangen. Umweltmessungen hätten keine erhöhten Werte ergeben.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/rts