Panorama

Nach Klagen von Todeskandidaten Richter stoppt neun Hinrichtungen

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Neun Todeskandidaten wollen vor ihrer Hinrichtung wissen, was in ihrem Giftcocktail ist.

(Foto: imago stock&people)

43 Minuten lang rang Clayton Lockett mit dem Tod. Dann löste der Giftcocktail in seinem Körper einen tödlichen Herzinfakt aus. Diesem qualvollen Ende wollen neun Todeskandidaten in Arkansas entgehen. Sie reichen Klage ein - und bekommen Recht.

Nach den Klagen von mehreren Todeskandidaten hat ein Richter im US-Bundesstaat Arkansas deren Hinrichtungen gestoppt. Grund für die Entscheidung seien Anträge der Verurteilten auf Offenlegung der Zusammensetzung der Giftmischungen, teilte Richter Wendell Griffen mit. Eine Reihe von qualvollen Hinrichtungen hatte im vergangenen Jahr eine Debatte über die in den USA verwendeten Giftcocktails ausgelöst.

Insgesamt hatten in Arkansas neun Todeskandidaten geklagt, acht von ihnen hatten bereits einen Termin für ihre Hinrichtung. Die ersten beiden Exekutionen hätten am 21. Oktober stattfinden sollen. Richter Griffen urteilte, den Todeskandidaten dürfe nicht verschwiegen werden, mit welcher Giftmischung sie hingerichtet werden sollen.

Justizministerin kritisiert Entscheidung

Die Justizministerin von Arkansas, Leslie Rutledge, kritisierte die Entscheidung. Erneut müssten die Opfer der Verbrechen auf "Gerechtigkeit" warten, erklärte die Politikerin der Republikanischen Partei. "Ich werde weiter für die Opfer dieser Morde und ihre trauernden Familien kämpfen."

In den USA reichen immer mehr Todeskandidaten Klagen gegen die Vollstreckung ihres Urteils ein, seit der verurteilte Straftäter Clayton Lockett im April 2014 im US-Bundesstaat Oklahoma nach einer Giftinjektion große Qualen erleiden musste. Lockett wand sich 43 Minuten lang im Todeskampf vor Schmerzen, bis er schließlich einen tödlichen Herzinfarkt erlitt.

Daraufhin verhängte Oklahoma ein Moratorium für die Vollstreckung von Todesurteilen. Die US-Behörden greifen derzeit auf kaum erprobte Giftmischungen zurück, weil sich europäische Pharmafirmen weigern, das zuvor eingesetzte Betäubungsmittel Pentobarbital zu liefern. Am Donnerstag musste der Bundesstaat Oklahoma einräumen, dass einem Todeskandidaten im Januar ein falsches Mittel gespritzt wurde.

"Todesstrafe taugt nicht"

Anlässlich des Welttags gegen die Todesstrafe forderte die Bundesregierung am Samstag die weltweite Abschaffung von Exekutionen. Der Beauftragte für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Christoph Strässer (SPD) sagte: "Ich ermutige alle Menschen, die sich gegen diese grausame und unmenschliche Strafe einsetzen, ihre Bemühungen fortzusetzen." Die Strafe habe im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr. "Es ist ein Irrglaube, dass die Todesstrafe zur Verbrechensbekämpfung taugt."

Zwar sei global eine Abkehr von Exekutionen zu beobachten, doch in China, Iran, Pakistan, Saudi-Arabien und dem Irak seien die Zahlen der Hinrichtungen zuletzt stark angestiegen, kritisierte Strässer. Die Strafen erfolgen oft "nach fragwürdigen Urteilen", Geständnisse würden unter Folter erzwungen und Menschen zu Unrecht verurteilt. Das Argument, die Todesstrafe helfe im Kampf gegen den Terrorismus, wollte Strässer nicht gelten lassen. "Tatsächlich tragen Menschenrechtsverletzungen zu einem gesellschaftlichen Klima bei, das Instabilität und Terror begünstigt", erklärte er.

Quelle: ntv.de, kpi/AFP