Panorama

Ebola-Epidemie löst Krise aus Überlebende drohen zu verhungern

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Die täglichen Nahrungsmittel werden ständig teurer, nicht nur in Liberia.

(Foto: AP)

In den von Ebola betroffenen Ländern kämpfen die Helfer zunehmend an zwei Fronten. Verzweifelt versuchen sie, die Epidemie einzudämmen. Und nun wird auch der Zugang zu Nahrung zu einem immer dringenderen Problem.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat von der internationalen Gemeinschaft mehr Einsatz gegen die Ebola-Epidemie verlangt. "Sechs Monate nach Beginn der schlimmsten Ebola-Epidemie der Geschichte verliert die Welt den Kampf, sie einzudämmen", sagte MSF-Chefin Joanne Liu bei Beratungen am UN-Sitz in New York. Die politischen Verantwortlichen "schaffen es nicht, diese transnationale Gefahr in den Griff zu bekommen".

Liu forderte, mehr Hilfsgüter und medizinisches Personal in die betroffenen Gebiete in Westafrika zu schicken. Ungeachtet der Warnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bildeten die Staaten mit Blick auf Ebola eine "globale Koalition des Nichtstuns".

"Unnötiges Sterben"

Auch Weltbank-Chef Jim Yong Kim warf der Weltgemeinschaft schwere Versäumnisse bei der Bekämpfung der Epidemie vor. Die Reaktion auf den Ausbruch der Seuche sei "verheerend unzulänglich", kritisierte Kim in einem Gastbeitrag für die "Washington Post". "Viele sterben unnötig."

Kim rief die wohlhabenden Länder dazu auf, den afrikanischen Staaten beizustehen. Mit der medizinischen Ausrüstung des Westens könne die Krankheit leicht eingedämmt werden. "Wir befinden uns in einem gefährlichen Moment", warnten Kim und sein Mitautor, Harvard-Professor Paul Farmer. "Zehntausende Menschenleben, die Zukunft der Region und schwer erkämpfte wirtschaftliche wie medizinische Fortschritte für Millionen von Menschen hängen in der Schwebe."

Die 1976 entdeckte Krankheit kann sich vor allem wegen der schlechten medizinischen Versorgung und der oft unzureichenden Infrastruktur in den Ländern ausbreiten. Inzwischen haben einige Fluggesellschaften ihre Verbindungen in die am schwersten getroffenen Länder gestrichen. Mehrere Nachbarstaaten haben die Grenzen geschlossen und internationale Organisationen ihr Personal abgezogen.

Immer mehr Tote

Dem Ebola-Virus, gegen das es bisher kein zugelassenes Medikament und keine Impfung gibt, sind in Westafrika bereits mehr als 1550 Menschen zum Opfer gefallen. Nach Angaben der WHO gab es Ende August mit 694 die meisten Todesfälle in Liberia, gefolgt von 430 in Guinea und 422 in Sierra Leone. Betroffen von der Epidemie, die sich seit März von Guinea aus ausbreitet, sind inzwischen auch Nigeria und der Senegal sowie die Demokratische Republik Kongo.

Nicht nur die Epidemie selbst, sondern auch die Begleiterscheinungen der Krankheitswelle haben in der Region dramatische Auswirkungen. Wegen Quarantänemaßnahmen und den sich daraus ergebenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit werde die bevorstehende Haupternte nur teilweise eingebracht, erklärte die UN-Ernährungsorganisation FAO. Bereits jetzt stiegen die Preise in den besonders betroffenen Ländern Liberia, Guinea und Sierra Leone.

Viele Familien könnten sich Lebensmittel nicht mehr leisten. So sei in Liberias Hauptstadt Monrovia der Preis für das Grundnahrungsmittel Maniok in den ersten Augustwochen um 150 Prozent gestiegen. Schon vor der Ebola-Epidemie mussten viele Menschen bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden, wie der FAO-Vertreter in Westafrika, Vincent Martin, sagte. Jetzt seien viele Nahrungsmittel für sie nicht mehr bezahlbar. Das Problem dürfte sich in den kommenden Monaten verschärfen und den Kampf gegen die Ausbreitung der Seuche erschweren. Um kurzfristig zu helfen, stellt das Welternährungsprogramm (WFP) für 1,3 Millionen Menschen 65.000 Tonnen Lebensmittel bereit.

Quelle: ntv.de, sba/rts