Panorama

"Queerfeindlichkeit Tatmotiv" Verdächtiger nach Tod von Transmann in U-Haft

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Felix Adrian Schäper vom Verein Trans*Inter*-Münster kniet vor einer Fahne mit Gedenksteinen, die Menschen am Tatort ausgelegt haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Transmann beim CSD in Münster ist der Verdächtige in U-Haft. Der 20-Jährige ist wegen Körperverletzung vorbestraft. Medien zufolge soll er ein abgelehnter Asylbewerber mit tschetschenischen Wurzeln sein. Die Ermittler gehen von Queerfeindlichkeit als Motiv aus.

Gut eine Woche nach der tödlichen Attacke auf einen 25-Jährigen beim Christopher-Street-Day (CSD) in Münster ist ein Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Der Fall hat zugleich eine bundesweite Debatte über Hasskriminalität und die Rolle der sozialen Medien ausgelöst. Am historischen Rathaus in der Innenstadt von Münster trauerten viele Menschen um das Opfer. Sie legten Blumen nieder. Kerzen brannten. "In Gedenken an Malte C. - dein Mut wird für immer unvergessen sein" oder "Gerechtigkeit für Malte" war auf kleinen Tafeln zu sehen.

Die Staatsanwaltschaft in Münster geht von einem queerfeindlichen Hintergrund aus. "Wir ordnen den Fall nach Stand der Ermittlungen als queerfeindliche Gewalttat ein", sagte Oberstaatsanwalt Dirk Ollech. Bei dem attackierten 25-Jährigen handele es sich um einen Transmann. Er hatte bei der CSD-Veranstaltung am 27. August Zivilcourage gezeigt, eilte Frauen zur Hilfe - und wurde bei dem Angriff tödlich verletzt.

Als Tatverdächtiger kam ein 20-Jähriger wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge in U-Haft, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Der mutmaßliche Täter ist wegen Körperverletzung vorbestraft, schilderte Ollech. Er sei in der Vergangenheit wegen mehrerer Körperverletzungsdelikte verurteilt worden. Der Haftrichter habe Wiederholungsgefahr gesehen, auch das sei Grund für die U-Haft, erläuterte Ollech.

Fahndung nach Begleiter

Der Verdächtige war erst einige Tage nach der Tat gefasst worden. Er soll beim CSD mehrere Frauen unter anderem mit den Worten "lesbische Hure" beschimpft und bedroht haben. Als der 25-Jährige ihn bat, die Beleidigungen zu unterlassen, schlug der Mann unvermittelt mindestens einmal mit der Faust zu. Das Opfer prallte mit dem Kopf auf dem Asphalt auf und starb, nachdem es künstliches Koma versetzt worden war, am Freitag im Krankenhaus. Seine Leiche sollte am Montag obduziert werden.

Der Beschuldigte äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Laut "Bild"-Zeitung ist der Mann russischer Staatsbürger, seine Familie kommt aus Tschetschenien. Sein Asylantrag sei abgelehnt worden, die Abschiebung mit Verweis auf den Krieg ausgesetzt, schrieb das Blatt. Seit acht Jahren lebe er mit seiner Mutter in Deutschland und sei in dieser Zeit etliche Male wegen Betäubungsmitteldelikten aufgefallen. Während diese Verfahren sämtlich eingestellt wurden, verurteilte ihn das Amtsgericht Münster zuletzt wegen Körperverletzung, hieß es in dem Bericht weiter. Ermittelt wird auch gegen einen unbekannten Begleiter, der nach der Tat mit dem 20-Jährigen geflohen sein soll und möglicherweise an den Beleidigungen beteiligt war.

Verband gibt sozialen Medien Mitschuld

Queerfeindliche Einstellungen werden nach Einschätzung des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) durch soziale Medien verstärkt. Schon seit vielen Jahren gebe es in der Gesellschaft solche menschenfeindlichen Einstellungen, die durch die "Echokammern" im Internet noch angeheizt würden, kritisierte René Mertens vom LSVD am Samstag im WDR-"Morgenecho". Soziale Medien tragen dazu bei, dass "homophobe Sprüche und queerfeindliche Ideologien" in Hass und Gewalt umschlagen, beklagte er.

Den Nährboden für die Tat von Münster biete eine in den vergangenen Monaten stark angestiegene Feindlichkeit gegenüber Transpersonen, vor allem in den sozialen Medien, warnte auch die Linke in NRW. Plattformen sozialer Medien sollten in die Pflicht genommen werden, konsequent gegen Hass im Netz vorzugehen. Und: "Justiz und Behörden müssen diese endlich konsequent verfolgen." LSVD-Referent Mertens betonte, die Gewalt gegen Malte C. sei "wirklich eine queerfeindliche Gewalttat" gewesen. Es sei wichtig, dass die Polizei das auch so benenne.

Bei CSD-Veranstaltungen in Berlin, Jena oder Bielefeld sei es ebenfalls zu Anfeindungen gekommen - Menschen seien attackiert, Regenbogenfahnen zerrissen worden. Kulturstaatsministerin Claudia Roth schrieb auf Instagram: "Der Täter dieses grausamen Hassverbrechens muss zügig zur Verantwortung gezogen werden." Es handele sich nicht um einen Einzelfall. "Das ist die traurige Folge von zunehmender Queerfeindlichkeit in unserer Gesellschaft, die viel zu oft tödlich endet", schrieb die Grünen-Politikerin.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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