Panorama

Müssen mit Corona leben Virologe Streeck dämpft Impfstoff-Hoffnungen

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Hendrik Streeck sieht der kommenden Herbstsaison mit Sorge entgegen, warnt aber davor, zu viel zu warnen.

(Foto: imago images/Future Image)

In den kommenden Monaten rechnen Politik und Wissenschaft mit einem starken Anstieg der Infektionszahlen. Ein Impfstoff könnte die Pandemie unter Kontrolle bringen, doch die Erwartungen daran sind laut Virologe Streeck zu hoch. Ein Mittel, wodurch ein Virus vollständig verschwand, gab es erst ein Mal.

Virologe Hendrik Streeck hat davor gewarnt, zu viel Hoffnung in einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu setzen. Seiner Einschätzung nach sei es sehr schwer vorherzusagen, wann es überhaupt einen Impfstoff geben wird. "Gerade in der letzten Phase gibt es Überraschungen, mit denen man häufig nicht rechnet", sagte der Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn bei RTL. Auch wenn ein Impfstoff da sei, klappe es nicht immer, ein Virus zu eradizieren - "so dass es von der Welt verschwindet". Das sei erst ein einziges Mal gelungen - bei Pocken. Daran habe die Wissenschaft aber auch Jahrzehnte gearbeitet.

Der Wettlauf um einen Impfstoff läuft weltweit auf Hochtouren. Einige wenige Mittel sind bereits in der entscheidenden Testphase III mit Zehntausenden Probanden. Dabei wird überprüft, ob der Impfstoff nicht nur verträglich ist, sondern auch tatsächlich vor einer Corona-Infektion schützt. Noch ist das für kein Mittel nachgewiesen.

Der kommenden Herbstsaison sieht Streeck daher mit Sorge entgegen. "Wir werden in vielen Städten, über den Herbst und den Winter, die 50 bis 100 Einwohner an Neuinfektionen reißen", sagte er. Streeck mahnte, keine Ängste innerhalb der Gesellschaft zu schüren. "Es wird sehr davor gewarnt, aber wenn man dauernd warnt, werden diese Warnungen nicht mehr wahrgenommen", so der Virologe. Viel wichtiger sei es, über Lösungen nachzudenken.

Vor einem starken Anstieg der Fallzahlen gerade in den Herbst- und Wintermonaten hatte bereits Kanzlerin Angela Merkel gewarnt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hält sogar 20.000 Fälle pro Tag für "realistisch". Aktuell rangiert die Zahl der täglichen Neuinfektionen im niedrigen vierstelligen Bereich. "Man hat gesehen, wie schnell sich das entwickeln kann", sagte Söder ntv. Man dürfe das Infektionsgeschehen nicht länger "kleinreden".

Quelle: ntv.de, mba