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Tierseuche nachgewiesen Was gegen die Schweinepest unternommen wird

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Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich, doch für die Tiere tödlich.

(Foto: imago images/penofoto)

Lange war es befürchtet worden, nun ist es so gekommen: Deutschland ist nicht mehr frei von der Afrikanischen Schweinepest. Ein Wildschwein mit dem Virus wurde in Brandenburg in der Nähe der Grenze zu Polen tot gefunden. Wie geht es nun weiter? Was kommt auf Bauern zu, gibt es Auswirkungen für die Verbraucher?

Wie konnte die Schweinepest nach Deutschland gelangen?

Das ist unklar. Denkbar ist: Das Wildschwein ist "eingewandert", eventuell aus dem Nachbarland Polen, wo es schon seit Monaten zahlreiche Ausbruchsfälle gibt. Die Nähe des Kadaver-Fundorts zur deutsch-polnischen Grenze von etwa sechs Kilometern spricht nach Ansicht des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts dafür. Aber auch eine Einschleppung durch den Menschen über kontaminierte Lebensmittel könne nicht ausgeschlossen werden.

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Der Kadaver war am Freitag auf einem abgeernteten Maisfeld von einem Spaziergänger entdeckt worden, der den zuständigen Jäger informierte. Der Landkreis Spree-Neiße geht bisher von einem Einzelfund aus. Die Herkunft des Tieres wird derzeit unter die Lupe genommen. Die Spurensuche ergab, dass der stark verweste Kadaver länger dort gelegen haben soll.

Wie gefährlich ist die Tierseuche für Schweine und Menschen?

"Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich", sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner in Berlin. "Auch vom Verzehr von gegebenenfalls kontaminiertem Fleisch gehen keinerlei Gefahren für die Gesundheit von Menschen aus." Anders sieht es für Haus- und Wildschweine aus - für sie sei die Schweinepest in fast allen Fällen tödlich. Die Fleischwirtschaft betont, Schweinefleisch könne weiter unbedenklich gegessen werden.

Kam der erste Fall der Schweinepest in Deutschland überraschend?

Nein. Klöckner verwies am Donnerstag darauf, dass es seit mehreren Jahren Aufklärung und Vorsorge gegeben habe - zum Beispiel für Landwirte, Jäger und Fernfahrer. Für Schweinehalter gelten Hygienevorgaben. Auch die Länder waren vorbereitet: Nach dem ersten nachgewiesenen Schweinepest-Fall in Polen im November 2019 begann Brandenburg mit dem Bau eines 120 Kilometer langen mobilen Elektrozauns an einem Teil der Grenze. Die Seuche sei immer stärker herangerückt, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke. Deshalb sei das Land anders als beim Coronavirus relativ gut vorbereitet.

Wie geht es nach dem Fund des toten Wildschweins weiter?

"Wir müssen jetzt alles versuchen, um eine weitere Ausbreitung des Seuchengeschehens zu verhindern", sagte Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Aus dem betroffenen Gebiet dürfen keine Tiere und kein Schweinefleisch herausgebracht werden. Experten sind dabei, ein vorläufig gefährdetes Gebiet mit einem Radius von 15 Kilometern um den Fundort einzurichten. Eine Kernzone mit einem Radius von drei Kilometern um den Fundort soll dann komplett abgeriegelt werden. Die Bauern zeigen sich bundesweit besorgt.

Wie kann eine Ausbreitung des Erregers gestoppt werden?

Das Krisenmanagement zielt auf die betroffene Region. In der gefährdeten Zone ist ein striktes Jagdverbot vorgesehen, um Wildschweine nicht aufzuschrecken. Verstorbene Wildschweine werden verstärkt gesucht und beseitigt. In Schweinebetrieben werden Vorsorgemaßnahmen kontrolliert. Möglicherweise wird die Ernte von Maisfeldern verboten, weil sich Wildschweine dort gern aufhalten. Auch Hoffeste oder Messen mit Schweinen sind tabu.

Was bedeutet der Ausbruch für den Export von Schweinefleisch?

Nach Angaben von Klöckner kann der Handel mit Schweinen und Schweinefleisch innerhalb der EU weitgehend aufrechterhalten werden. Von Einschränkungen betroffen wären nicht Betriebe in ganz Deutschland, sondern nur in dem betroffenen Gebiet. Nach Angaben des Ministeriums ist aber davon auszugehen, dass Schweinefleischexporte aus Deutschland besonders nach Asien weitgehend wegfallen dürften. Südkorea hat bereits die Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland gestoppt - für Produkte von Donnerstag an, wie das südkoreanische Landwirtschaftsministerium mitteilte.

Wie stark die wirtschaftlichen Folgen sind, hängt nach Ansicht der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands maßgeblich davon ab, inwieweit Märkte geöffnet bleiben. Für den Export tierischer Produkte werden mit den einzelnen Ländern Handelsabkommen geschlossen, die an Gesundheitsauflagen geknüpft sind. Die aktuell geltenden Zertifikate für den Handel von Schweinefleisch mit China und anderen asiatischen Ländern fordern, dass kein ASP-Fall in Deutschland aufgetreten ist. Das Agrarministerium teilte mit, es sei in Kontakt mit mehreren Nicht-EU-Staaten, um ebenfalls nur regionale Beschränkungen zu vereinbaren.

Wie hat sich der Export mit Schweinefleisch nach Asien zuletzt entwickelt?

Seit Ende 2018 kämpft China gegen einen massiven Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest, dem weit mehr als 100 Millionen Tiere zum Opfer gefallen sind. Die Krankheit hat zu einem drastischen Mangel an Schweinefleisch geführt, dem beliebtesten Fleisch der Chinesen. Die Einfuhren haben sich dadurch drastisch erhöht. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stiegen die Lieferungen von deutschem Schweinefleisch nach China um 57 Prozent auf 380.000 Tonnen. Sie machten damit zuletzt rund ein Viertel aller deutschen Schweinefleischexporte aus. Noch mehr Schweinefleisch als Deutschland exportiert aus der EU nur Spanien nach China.

Inwieweit ist mit Preisturbulenzen zu rechnen?

Sollten wichtige Absatzmärkte in Drittländern für Deutschland geschlossen werden, könnten entsprechende Mengen nicht exportiert werden, Händler müssten auf andere Märkte ausweichen. "Das würde dann im Inland mit Sicherheit zu Preisdruck führen", sagte der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, Torsten Staack. Durch das Überangebot könnten Preisturbulenzen für die Schlachtbetriebe die Folge sein. Bedingt durch die Corona-Krise und die hohen Sicherheitsmaßnahmen können viele Betriebe laut Schweinehalter-Verband "ohnehin nur mit angezogener Handbremse" produzieren. Schon jetzt gebe es ein leichtes Überangebot an lebenden Schweinen. Für Verbraucher soll sich bei den Preisen nichts ändern. Da die Schweinepest keine Auswirkung auf den Menschen hat, geht der Schweinehalter-Verband nicht davon aus, dass sich das Kaufverhalten in Deutschland ändert.

Quelle: ntv.de, Oliver von Riegen, Sascha Meyer und Lennart Stock, dpa