Panorama

Das Elbehochwasser zieht seine Bahn Wieder müssen Menschen fliehen

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Die Postautos in Schönhausen hatte am Dienstag nur bis zur unteren Fensterkante im Wasser gestanden.

(Foto: dpa)

Die extrem lange Scheitelwelle des Elbehochwassers bringt die Menschen in Sachsen-Anhalt zur Verzweiflung. Auch wenn der Deich bei Fischbeck stabilisiert werden kann, schießen dort noch immer gigantische Wassermassen ins Hinterland. Weitere Orte müssen evakuiert werden. Die Kanzlerin will sich heute ein Bild machen - allerdings in Niedersachsen, wo die Lage nicht ganz so schlimm ist.

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Ein Bundeswehrsoldat an der Elbe in Osterholz (Sachsen-Anhalt).

(Foto: dpa)

Das Hochwasser der Elbe wälzt sich erbarmungslos durch Ost- und Norddeutschland. Mancherorts sieht es bereits nach Entspannung aus, in Sachsen-Anhalt müssen jedoch erneut Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden. In Schleswig-Holstein blicken die Menschen gebannt auf die Elbe. Im von den Fluten bedrohten Ort Lauenburg sowie in Hitzacker in Niedersachsen will sich im Laufe des Tages Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Lage informieren.

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Im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt werden seit dem Morgen die Orte Klietz, Kamern und Scharlibbe geräumt. Dort besteht Lebensgefahr. Rund 200 Menschen sollen sich noch in den drei Orten befinden. Der Klietzer See, rund 20 Kilometer vom gebrochenen Fischbecker Damm entfernt, läuft über. Der Ortsteil Neuermark-Lübars steht bereits unter Wasser. Wegen des Hochwassers ist die Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit Booten vor Ort, um die Einwohner zu retten.

Am Abend waren bereits 150 Einwohner aus dem Ort Wust in Sicherheit gebracht worden. "Nach längeren Versuchen, den Ort zur retten, war dies nicht mehr möglich", sagte eine Sprecherin des Krisenstabs der Landesregierung. Helfer wären sonst selbst in Gefahr geraten.

Die Bruchstelle des Deichs hat sich nicht weiter geöffnet. Dort hatte die Bundeswehr aus der Luft große Sandsäcke abgeworfen. Auch wenn die Lage im Krisenstab offiziell als stabil bezeichnet wird, schießen noch immer hunderte Kubikmeter pro Sekunde durch den Bruch ins Hinterland. Auch deshalb musste drei Tage nach dem Deichbruch Wust evakuiert werden. Derzeit bahnt sich das Wasser seinen Weg in Richtung Jerichow.

Dagegen entspannt sich die Lage in Magdeburg, die Pegelstände sinken weiter. Dort beginnen die Aufräumarbeiten. Im Salzlandkreis ist die Situation vor allem an den Elbdeichen in Schönebeck angespannt. Die Ortsteile Grünewalde, Ranies und Elbenau bleiben gesperrt.

In Aken starb ein 61-jähriger Mann durch Stromschlag beim Auspumpen eines Kellers. Seine Ehefrau erlitt einen Schock und kam ins Krankenhaus. Damit stieg die Zahl der Todesopfer in Sachsen-Anhalt im Zusammenhang mit dem Hochwasser auf vier.

Keine Entspannung im Norden

Keine Entspannung gibt es indes in Lauenburg in Schleswig-Holstein. Dort steht das Wasser teilweise bis zu 30 Zentimeter hoch in den Straßen. Man hoffe, dass der Scheitelpunkt des Hochwassers demnächst erreicht sei, sagte ein Sprecher des Krisenstabs. Im Laufe des Tages soll laut Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Pegel Hohnstorf ein Höchststand von 9,55 Metern erreicht werden.

Auch Niedersachsen kämpft weiter gegen die Elbeflut. Die Einsatzkräfte müssen die Deiche gegen die Wassermassen verteidigen. Tausende von Helfern sind im Einsatz. Das Wasser soll nach Einschätzung der Katastrophenstäbe aber nicht mehr weiter steigen. Doch bedrohen schwimmende Bäume und Äste die Deiche in Hitzacker. Auch die dünne Spundwand, die die Altstadt sichern soll, ist in Gefahr. Rund 50 Tonnen Treibgut holten die Einsatzkräfte nach Angaben des Landkreises Lüchow-Dannenberg bisher aus der Elbe. Zudem steigt auch hier die Gefahr, dass die Deiche durchweichen.

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Stichwort: Jahrhundertflut

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BLZ 37020500
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Aktion Deutschland Hilft e.V. ist ein Bündnis von 22 deutschen Hilfsorganisationen, die im Katastrophenfall ihre Kräfte bündeln.

In Mecklenburg-Vorpommern sind mehr als 3000 Einsatzkräfte und Helfer in der Region um Dömitz und Boizenburg im Einsatz. Die Pegelstände liegen weitgehend stabil bei etwa 7,18 Metern in Dömitz und 7,32 in Boizenburg. Normal sind rund zwei Meter. An vielen Stellen sickert bereits Wasser durch die Deiche. Wie der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Rolf Christiansen (SPD), mitteilte, sind die Stellen aber noch unproblematisch.

Brandenburg scheint beim Hochwasser glimpflich davonzukommen. Wegen des gebrochenen Deichs bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt war im Havelland ein rund 3,5 Kilometer langer Notdeich errichtet worden. "Die Lage sieht stabil aus", sagte ein Sprecher der Koordinierungsstelle Katastrophenmanagement. Der Notdeich werde wohl nicht unter Druck geraten. Im Süden des Landes haben unterdessen die Aufräumarbeiten begonnen.

Die Verbraucherzentralen beraten seit heute Hochwasseropfer: Unter gebührenfreien Telefonhotline 0800/100 37 11 beantworten Experten bis 9. August montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr Fragen zu Versicherungsschutz, Renovierungsverträgen mit Handwerkern und anderen Themen.

Strecke Köln-Berlin wieder frei

Die gesperrte Elbbrücke in Biederitz bei Magdeburg ist wieder für Zugverkehr frei. ICE-Züge der Strecke Köln-Berlin können damit wieder fahren. Laut Bahn gibt es aber weiter Verspätungen, ebenso auf der Strecke Berlin-Frankfurt. Weitere Einschränkungen gibt es durch die anhaltende Sperrung der Elbbrücke in Hämerten bei Schönhausen. Auch im Regionalverkehr gibt es viele Behinderungen.

Kauder regt Spendengala an

Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte ARD und ZDF auf, im Rahmen einer Spendengala Geld für die Flutopfer in Deutschland zu sammeln. Der "Bild"-Zeitung sagte Kauder: "ARD und ZDF sollten sich überlegen, ob sie nicht zur Linderung der Schäden durch die Flut eine extra Spenden-Gala veranstalten." Die Sendung könnte gut auf die Möglichkeiten zum Spenden hinweisen. Kauder erinnerte an die Erfahrungen mit der Flut von 2002. Damals sei eine solche Sendung ein voller Erfolg gewesen.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa