Politik

Nach Höcke-Auftritt bei Jauch AfD verliert in Erfurt an Zulauf

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Am Dom gingen aus Protest gegen die AfD die Lichter aus.

(Foto: AP)

Der Thüringer AfD-Chef Höcke provoziert mit Aussagen wie "Erfurt soll schön deutsch bleiben". Bei Günther Jauch sorgt er mit einer Deutschland-Fahne für Aufregung. Aufwind beschert ihm das aber offenbar nicht, wie die AfD-Kundgebung in Erfurt zeigt.

In Erfurt haben tausende Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) gegen die Asylpolitik in Deutschland protestiert. Auf dem Domplatz versammelten sich laut Polizei rund 4000 Teilnehmer. Vor zwei Wochen waren es noch doppelt so viele. Bei der AfD-Kundgebung forderten Demonstranten auf Plakaten unter anderem den Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Andere Plakate, etwa mit der Aufschrift "Das Boot ist voll" zielten direkt auf Flüchtlinge.

Zudem gab es in der Erfurter Innenstadt zwei Gegendemonstrationen, an denen sich 2500 Menschen beteiligt haben. Die Zahl der Gegendemonstranten ist damit von zuletzt 800 Teilnehmern deutlich gestiegen.

Außerdem schlossen sich rund 500 Menschen nach Angaben von Superintendent im Kirchenkreis Erfurt Matthias Rein einem Friedensgebet an. Deren Teilnehmer zogen mit Kerzen und Gesängen an der AfD-Kundgebung vorbei.

Aus Protest gegen die Kundgebung der Rechtspopulisten gingen auf dem Domberg die Lichter aus, die den Mariendom und die Severi-Kirche beleuchteten. Das Bistum Erfurt wollte so verhindern, dass der Domberg als "prächtige Kulisse" für die AfD-Veranstaltung herhalten muss. Außerdem läuteten zum Beginn der Demonstration die Kirchenglocken für "Mitmenschlichkeit und Frieden". Anfang des Jahres hatte schon der Kölner Dom seine Scheinwerfer abgeschaltet, während Pegida-Anhänger demonstrierten.

Der Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke hatte schon bei früheren Kundgebungen mit Äußerungen wie Erfurt sei "schön deutsch" provoziert. Zuletzt sorgte sein Auftritt bei Günther Jauch für Aufregung. Justizminister Heiko Maas nannte ihn in der Sendung einen "rhetorischen Brandstifter".

Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zwischen der Kritik an Höcke und der Absage der AfD-Bundesvorsitzenden bei einer geplanten AfD-Demonstration in Erfurt: Frauke Petry sagte ihren Gastauftritt in zwei Wochen ab. Eine Begründung dafür gab es in der Pressemitteilung nicht.

Quelle: ntv.de, hul/dpa