Politik

Frontex-Chef zu neuen Routen "Ägypten wird zum Flüchtlings-Hotspot"

RTX2HYEC.jpg

"Die zentrale Mittelmeerroute ist so stark frequentiert wie noch nie", mahnt Leggeri.

(Foto: REUTERS)

Die Balkanroute lässt den Flüchtlingsstrom über die Ägäis zwar fast zum Erliegen kommen. Aber die EU-Grenzschutzagentur Frontex warnt vor neuen Routen über das Mittelmeer, deren Bedeutung zunimmt. Etwa aus Ägypten.

Der Direktor der EU-Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, hat sich besorgt darüber gezeigt, dass in letzter Zeit immer mehr Flüchtlinge von Ägypten aus die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer nach Europa wagten. Ägypten entwickle sich zu einem "neuen Hotspot", sagte Leggeri den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Route wächst", fügte er hinzu. "Die Überfahrt ist hochgefährlich, die Fahrt dauert oft länger als zehn Tage."

57248678.jpg

Frontex-Chef Fabrice Leggeri.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zudem warnte Leggeri vor einer massiven Belastung Italiens durch die Verlagerung der Flüchtlingsrouten im Mittelmeer. Mittlerweile kämen aus Libyen "13 bis 14 Mal mehr Flüchtlinge nach Italien als Migranten aus der Türkei nach Griechenland", sagte er. "Die zentrale Mittelmeerroute ist so stark frequentiert wie noch nie."

Die Zahl der illegalen Grenzübertritte zwischen Libyen und Italien übersteige in diesem Jahr die Zahl aller anderen illegalen Grenzübertritte in die EU, sagte der Frontex-Chef weiter. Die Route werde vor allem von Flüchtlingen aus Westafrika und vom Horn von Afrika genutzt. "In Eritrea gibt es Verfolgung und eine brutale Diktatur, diese Menschen sind schutzbedürftig", sagte Leggeri. "Aus Senegal, Gambia, Elfenbeinküste und Niger fliehen viele aus wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit."

Im vergangenen Jahr hatten viele Flüchtlinge noch versucht, über die Türkei nach Griechenland und von dort aus weiter nach Mitteleuropa zu gelangen. Durch die Abriegelung der sogenannten Balkanroute und das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei sind die Flüchtlingszahlen dort in letzter Zeit drastisch gesunken.

Quelle: ntv.de, kst/AFP