Politik

Scharfe Munition in Hongkong Aktivisten setzen Uni-Eingang in Brand

Die Gewalt auf Hongkongs Straßen nimmt kein Ende. Aktivisten verschanzen sich auf einem Campus und greifen die Polizei unter anderem mit einem Katapult an. Die benutzt inzwischen scharfe Munition. Derweil dürfte eine Gerichtsentscheidung den Aktivisten Hoffnung geben.

Auch an diesem Montag dauern in Hongkong die gewalttätigsten Zusammenstöße der vergangenen fünf Monate an. Aktivisten der Demokratiebewegung haben den Eingang der von ihnen besetzten Polytechnischen Universität in Brand gesetzt, um einen Polizeieinsatz zu verhindern. Die Sicherheitskräfte setzten nach eigenen Angaben scharfe Munition ein.

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Eine Demonstrantin ruht sich auf dem Campus der Polytechnischen Universität aus, wo es schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gab.

(Foto: dpa)

Sie hatten bereits am Sonntag bereits angekündigt, mit scharfer Munition auf Aktivisten zu schießen. "Wenn sie mit solchen gefährlichen Aktionen fortfahren, haben wir keine andere Wahl als ein Mindestmaß an Gewalt anzuwenden, darunter scharfe Munition, um zurückzuschießen", schrieb Polizeisprecher Louis Lau in einem Facebook-Beitrag. Bei den Protesten in den vergangenen Wochen hatten Polizisten bereits in drei Situationen scharf geschossen - allerdings ohne Vorwarnung.

Katapult und Bogenschützen auf dem Dach

Hunderte Aktivisten hielten sich am Sonntag in der Polytechnischen Universität verschanzt. Sie attackierten Wasserwerfer der Polizei mit Molotowcocktails und feuerten vom Dach der Universität mithilfe eines selbstgebauten Katapults Steine ab und verhinderten so ein Vorrücken der Polizei. Ein Journalist von AFP sah maskierte Bogenschützen sowie Späher mit Ferngläsern auf einem Dach. Am Sonntag war ein Polizist durch einen Pfeil am Bein verletzt worden.

Der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong rechtfertigte den Einsatz von Gewalt durch Demonstranten in der chinesischen Sonderverwaltungszone unterdessen. "Mit rein friedlichem Protest werden wir unser Ziel nicht erreichen", sagte Wong der "Süddeutschen Zeitung". Er grenzte ein: "Allein mit Gewalt allerdings auch nicht. Wir brauchen beides."

Wong sieht wachsenden Widerstand in Bevölkerung

Das gewaltsame Vorgehen der Polizei stoße auf immer mehr Widerstand in der Hongkonger Bevölkerung, sagte Wong. "Erst hat die Polizei nur Demonstranten verhaftet, dann Ersthelfer, Pastoren und nun Zivilisten." Mehr als 4000 Menschen seien inzwischen festgenommen worden. "Das stärkt das Verständnis der Bevölkerung für die Proteste", zeigte sich der 23-Jährige, der wegen seines Engagements bereits mehrfach in Haft war, überzeugt.

In den Onlinenetzwerken riefen Aktivisten für diesen Montag zu einer "Dämmerungsaktion" auf. "Stehen Sie früh auf, zielen Sie direkt auf das Regime, quetschen Sie die Wirtschaft aus, um den Druck zu erhöhen", hieß es auf einem Plakat, das im Internet kursierte.

Oberstes Gericht kippt Vermummungsverbot

Das Vermummungsverbot in Hongkong ist nach einem Urteil des Obersten Gerichts "verfassungswidrig". "Die Beschränkungen, die das Verbot für die Grundrechte impliziert, gehen weiter als notwendig", teilte das Oberste Gericht der chinesischen Sonderverwaltungszone mit. Angesichts der Massenproteste hatte die Regierung Hongkongs Anfang Oktober auf ein Notstandsgesetz aus der britischen Kolonialzeit zurückgegriffen und ein Vermummungsverbot verhängt.

Trotz des Verbots gingen viele Anhänger der Demokratiebewegung weiterhin mit Masken auf die Straßen. Mit dem Tragen von Atemschutzmasken wollen die Demonstranten einerseits verhindern, identifiziert zu werden. Sie schützen sich damit aber zugleich gegen das Tränengas, das die Polizei gegen sie einsetzt.

Wegen der gewalttätigen Proteste streichen inzwischen immer mehr asiatische Fluglinien Flüge nach Hongkong. Dazu gehörten etwa die indische Fluggesellschaft SpiceJet, Malaysias AirAsia, die südkoreanische JejuAir und die philippinischen Fluglinien PAL und Cebu Air, hieß es vom Branchendienst Routes Online. Sie hätten die Zahl der Flüge nach Hongkong in den nächsten Wochen gekürzt.

Quelle: ntv.de, hul/AFP