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NRW-Umweltministerin im Gespräch "Armin Laschet kann ein Land führen"

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(Foto: picture alliance/dpa/dpa-pool)

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser spricht sich für Armin Laschet als neuen CDU-Chef aus. Sie hat allerdings auch Lob für Norbert Röttgen, ihren früheren Chef. Über Friedrich Merz äußert sie sich eher einsilbig.

ntv.de: Frau Heinen-Esser, welche Eigenschaften und welche Erfahrungen braucht der neue CDU-Vorsitzende?

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Die CDU-Politikerin Ursula Heinen-Esser ist Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in NRW.

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Ursula Heinen-Esser: Wir befinden uns mitten in einer Pandemie mit schweren Einschnitten für Wirtschaft und Gesellschaft. Im Moment stehen gesundheitliche Fragen im Vordergrund, aber danach - hoffentlich ab September - wird es um die wirtschaftliche Bewältigung der Pandemie gehen. Und darum, Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig und zukunftsfähig aufzustellen. Deshalb glaube ich, dass der Kandidat einer sein muss, der Regierungserfahrung hat und weiß, wie man verschiedene Enden zusammenbindet.

Ich ahne, worauf Sie hinauswollen. Lassen Sie uns aber kurz noch zurückschauen: Woran ist Annegret Kramp-Karrenbauer gescheitert?

Ich finde Annegret Kramp-Karrenbauer großartig und bedauere ihren Rücktritt außerordentlich. Ursache waren sicher ungelöste inhaltliche Konflikte in der Union, die ihren Höhepunkt in den Thüringer Ereignissen gefunden hatten.

Sie kennen die drei Männer gut, die am kommenden Wochenende zum CDU-Vorsitzenden gewählt werden wollen. Sie waren parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, als Norbert Röttgen das Ressort geleitet hat, 2012 gehörten Sie seinem Schattenkabinett für die Landtagswahl an. Wäre er ein guter CDU-Vorsitzender und wenn ja, warum?

Norbert Röttgen ist ein unglaublich intelligenter, visionärer Mensch, der es schafft, über den Tellerrand hinauszugucken. Er ist das, was man einen intellektuellen Politiker nennt.

Als Friedrich Merz sein bis heute letztes herausgehobenes politisches Amt hatte, waren Sie ebenfalls dabei: Sie waren Bundestagsabgeordnete, als er Fraktionschef wurde.

Ich war Sprecherin der Jungen Gruppe, als er Fraktionsvorsitzender war.

Nach der Bundestagswahl 2002 konnte er nicht wieder Fraktionschef werden, weil Angela Merkel das Amt für sich beanspruchte. Wie haben Sie sein Verhalten damals empfunden?

Das war die Wahl, bei der Edmund Stoiber Kanzlerkandidat der Union war - ihn hat Friedrich Merz damals unterstützt. Es war klar, dass Angela Merkel als Parteivorsitzende nach der verlorenen Wahl den Fraktionsvorsitz für sich beanspruchen würde. Ich hätte mir gewünscht, dass er sich trotzdem weiter hätte einbinden lassen. Er hat sich anders entschieden.

2007 sagte Michael Spreng, Stoibers früherer Wahlkampfchef, Merz' Geschichte sei die "exemplarische Geschichte eines talentierten, aber überheblichen und eitlen Mannes, der eine listige, zielstrebige und uneitle Frau unterschätzte". Kann jemand Führungsverantwortung übernehmen, der Schwierigkeiten damit hat, sich in ein Team einzufügen?

Friedrich Merz hat einen klaren Führungsanspruch und möchte seine Sichtweise auch durchsetzen.

Seit 2018 sind Sie Ministerin im Kabinett von Armin Laschet. Seine Umfragewerte sind nicht eben gut, was qualifiziert ihn da als CDU-Chef?

Ich würde nicht so sehr auf die Umfragewerte schauen. Umfragen sind das Eine, Wahlen das Andere. Wir befinden uns in einer schwierigen Zeit, in der Politiker auch unangenehme Entscheidungen treffen müssen. Armin Laschet hat einen sehr klaren Kompass, mit dem er richtig durch diese Pandemie steuert. Zudem hat er umfangreiche Erfahrung, nicht nur als Abgeordneter in drei Parlamenten, auch langjährig in Regierungsämtern. Und er ist in der Lage, Themen zu vermitteln und Menschen zueinander zu bringen.

Mit anderen Worten: Sie unterstützen Laschet.

Ja. Er war fünf Jahre Minister in Nordrhein-Westfalen, er ist jetzt im vierten Jahr Ministerpräsident – er kann auch in schwierigen Zeiten ein Land führen. Die Corona-Pandemie, die ihn wie alle Ministerpräsidenten fordert, hat ihn noch einmal stärker gemacht. Das befähigt ihn ganz klar für den Parteivorsitz.

Sie sind im Landeskabinett für Umwelt zuständig. Mit welchem der drei Kandidaten wäre Klimaschutz am ehesten möglich?

Ganz sicher mit Armin Laschet, ebenso mit Norbert Röttgen. In NRW stehen der Klimaschutz und die Klimaanpassung im Mittelpunkt unserer politischen Agenda. Alleine schon, wenn man etwa den Ausstieg aus der Kohle betrachtet.

Im Moment ist Schwarz-Grün das wahrscheinlichste Ergebnis nach der Bundestagswahl. Das könnte ein Bündnis werden, in dem es nicht ganz einfach wird, Kompromisse zu finden. Wer von den dreien könnte das nach Ihrer Einschätzung am besten?

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Wir sind hier in einer Koalition, die eine Stimme Mehrheit im Landtag hat, da gehören Kompromisse im täglichen Regierungshandeln selbstverständlich dazu. Das ist Armin Laschet gegeben.

Sollte der künftige CDU-Chef automatisch Kanzlerkandidat der Union werden?

Auf jeden Fall sollte er den Anspruch erheben. Ein CDU-Vorsitzender, der nicht diesen Anspruch hat, ist für mich schwer vorstellbar.

Dass Laschet Jens Spahn zum Kanzlerkandidaten machen könnte, wenn er CDU-Vorsitzender geworden ist, glauben Sie nicht?

Armin Laschet und Jens Spahn treten im Team an; dazu haben sich beide überzeugend bekannt.

Mit Ursula Heinen-Esser sprach Hubertus Volmer

Quelle: ntv.de