Politik

Votum der STIKO abwarten Ärztepräsident kritisiert dritte Impfung ohne Empfehlung

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Klaus Reinhardt ermahnt die STIKO, sich möglichst schnell zu den Booster-Impfungen zu äußern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine dritte Impfung gegen das Coronavirus könnte durchaus sinnvoll sein, glaubt auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt. Begonnen werden sollte aber mit den Booster-Impfungen erst, wenn sich die STIKO positioniert hat. Ähnlich sehen es auch Karl Lauterbach und Hendrik Streeck.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat sich gegen eine dritte Impfung ohne eine Empfehlung der STIKO ausgesprochen. Insgesamt fehlten noch aussagekräftige Studien, ob, wann und für wen eine Booster-Impfung angezeigt sei, sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Ich halte es deshalb für einen Fehler, dass Bund und Länder in der Breite Auffrischungsimpfungen angekündigt haben, ohne eine entsprechende Empfehlung der STIKO abzuwarten."

Theoretisch spreche zwar einiges dafür, "dass eine Auffrischimpfung für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, mit einem geschwächten Immunsystem sowie für Hochbetagte sinnvoll sein kann", sagte der Ärztepräsident. Nach bisherigen Erkenntnissen sei die Drittimpfung aber für die meisten Geimpften nicht sofort nötig.

Zuvor hatten bereits die Kassenärzte von der Ständigen Impfkommission Klarheit darüber gefordert, für wen eine dritte Dosis genau empfohlen wird. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach drängt weiter auf eine schnelle STIKO-Empfehlung für zielgenaue Auffrischungsimpfungen. "Ich befürchte, dass jetzt viele mit einer dritten Impfung versehen werden, die davon nicht profitieren, während diejenigen, die sie dringend benötigen würden, sie nicht bekommen", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post".

Auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck bekräftigte seine Zweifel am Sinn einer durchgängigen dritten Impfung. "Für die Booster-Impfung gibt es zwar Daten, die von den Firmen vorgelegt wurden. Aber zu deren Effektivität und Nutzen liegen bisher eigentlich nur wenige Daten vor. Auch die US-Behörde CDC hat sich vor ein paar Tagen ähnlich geäußert, dass nicht eindeutig bewiesen wäre, dass eine Booster-Impfung für alle sinnvoll ist. Von daher finde ich den Vorschlag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, das Thema an die STIKO zu geben, und dass die STIKO dann evidenzbasiert einen Vorschlag macht, genau den richtigen Weg", sagte Streeck ntv.de.

Grüne: Regierung hat keine Strategie

Die Grünen warfen der Bundesregierung eine mangelnde Strategie für die Auffrischungsimpfungen vor. "Die Bundesregierung hat es verpasst, frühzeitig systematisch Daten für Deutschland zu erheben, für wen und wann sogenannte Booster-Impfungen zwingend sinnvoll sind", sagte der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen der "Rheinischen Post". Er forderte eine "systematische Auffrisch-Impfkampagne" für alle Menschen, bei denen die Wirkung der Impfstoffe aufgrund hohen Alters oder geschwächten Immunsystems mutmaßlich zu gering ist.

Mehrere Bundesländer haben bereits damit begonnen, Pflegebedürftigen, über 80-Jährigen und Menschen mit Immunschwäche eine dritte Impfung anzubieten. Der Start der Auffrischimpfungen geht auf eine entsprechende Entscheidung der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) von Anfang August zurück. Das Angebot gilt danach auch für Menschen, die eine vollständige Impfung mit Vektor-Impfstoffen von Astrazeneca oder Johnson&Johnson erhalten haben.

Quelle: ntv.de, tar/dpa

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