Politik

Wenn der Apotheker impfen darf Ärzteschaft verärgert über Spahns Eingriffe

8f2b785012a58ca87a6669637606c0ef.jpg

Viele Ärzte sehen rot, wenn Minister Spahn schon wieder mit einer neuen Gesetzesidee um die Ecke kommt.

(Foto: dpa)

Der Ärztetag ist für den Gesundheitsminister nie ein einfaches Pflaster. Doch diesmal kassiert Spahn von den Medizinern sogar Buh-Rufe. Seine temporeiche Gesetzgebung und die vielen staatlichen Eingriffe in ihr Berufsbild missfallen den Medizinern.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Ärzte aufgefordert, bei einer schnelleren Einführung digitaler Angebote für Patienten mitzuziehen. "Gestalten Sie das mit", sagte der CDU-Politiker beim Deutschen Ärztetag in Münster. Internetkonzerne wie Google und Amazon investierten schon in den Gesundheitsbereich, auch China sei hier aktiv. Daher gelte es, die Datensicherheit etwa mit Medizinern und Servern in Deutschland zu gewährleisten.

Mit Blick auf die Digitalisierung sagte Spahn: "Wenn wir in den nächsten zwei, drei Jahren die Kiste nicht mal langsam gebacken kriegen, dann gestalten wir es nicht, wir erleiden es." Etwa für Online-Sprechstunden werde sich eine Nachfrage entwickeln. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warf dem Minister vor, technikverliebt Datenschutzrisiken einzugehen.

Protest und sogar Buh-Rufe erntete der Minister für mehrere Vorhaben, bei denen die Ärzte Angriffe auf ihren Beruf sehen. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery warnte zur Eröffnung des Ärztetags vor Plänen, Grippe-Impfungen in begrenztem Umfang auch in Apotheken zu ermöglichen. "Impfen ist einfach nicht nur ein Pieks in den Arm." Dazu gehörten vorherige Untersuchungen von Patienten und Eingriffsmöglichkeiten bei Zwischenfällen. Diese Verantwortung könne auf gar keinen Fall an andere Berufsgruppen wie Apotheker übertragen werden. "Impfen gehört in ärztliche Hand."

Hebammen und Psychotherapie: Angriff auf Professionalität

Nach einem Entwurf des Ministeriums sollen Krankenkassen mit Apothekern regionale Modellprojekte zur Übernahme von Grippe-Impfungen vereinbaren können. Montgomery wandte sich generell gegen Angriffe auf den Arztberuf. Ärzte klagten über zu viel Arbeit, zu wenig Kollegen und dauernde zeitliche Überforderung. Spahns Antwort darauf seien jedoch Vorstöße, die "am Rande ärztlicher Tätigkeit" neue Berufe schafften oder durch Verlagern zentraler Berufsinhalte auf andere an die Professionalität von Ärzten herangingen. Dies zeige sich etwa an Gesetzesplänen zu neuen Ausbildungen für Psychotherapeuten und Hebammen. Gebraucht würden aber mehr Ärzte und dafür mehr Studienplätze, mahnte Montgomery.  

Unterstützung kam aus der Ärzteschaft indes für andere Gesetzesinitiativen, etwa zur Neuordnung der Notfallversorgung, für eine verpflichtende Masernimpfung in Kindergärten und Schulen sowie zur Neuregelung der Organspende. Der Deutsche Ärztetag unterstützt die sogenannte Widerspruchslösung, wonach jeder Bürger Organspender ist, solange er dem nicht ausdrücklich widerspricht. Montgomery forderte zugleich, in der parlamentarischen Debatte über künftige Modelle "parteipolitische Kleinlichkeiten zurückzustellen". Die Menschen würden durch "pseudoethische Debatten" verunsichert.

Montgomery tritt als Präsident der Bundesärztekammer nach acht Jahren ab. Um die Nachfolge des 66-Jährigen bewerben sich die Ärztekammer-Präsidenten Günther Jonitz (Berlin), Gerald Quitterer (Bayern) und Martina Wenker (Niedersachsen) sowie der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt. Die Wahl ist für diesen Donnerstag vorgesehen.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

Mehr zum Thema