Politik

Nach Hausdurchsuchung Auch Nawalnys Bruder festgenommen

Während Kremlkritiker Alexej Nawalny in Haft sitzt, durchsuchen maskierte Polizisten in Moskau nicht nur seine Wohnung, sondern auch noch zwei weitere. Sein Bruder Oleg und zwei Vertraute werden festgenommen. Der Grund dafür ist eher überraschend.

Bei Razzien gegen Angehörige und Mitarbeiter des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny ist unter anderen dessen Bruder festgenommen worden. Der 37-jährige Oleg Nawalny sei zunächst für 48 Stunden in Gewahrsam, teilte Nawalnys Mitarbeiter Iwan Schdanow am späten Mittwochabend auf Twitter mit. Als Grund sei ein Verstoß gegen Corona-Hygieneauflagen genannt worden, schrieb Nawalnys Team auf Telegram. Auch die Juristin Ljubow Sobol, eine enge Vertraute und Mitarbeiterin Alexej Nawalnys, sowie ein Mitarbeiter von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung seien festgenommen worden.

Maskierte Uniformierte hatten seit dem Nachmittag Büros und Privatwohnungen von Familie und Mitarbeitern des Oppositionspolitikers durchsucht - offenbar lautete auch hier der Vorwurf auf Hygiene-Verstöße. Durchsucht wurden unter anderem die Moskauer Wohnung der Familie, eine Wohnung von Nawalnys Frau Julia sowie die seiner Pressesprecherin Kira Jarmysch. Das Team des Oppositionellen kritisierte, dass sich Polizisten teils gewaltsam Zutritt zu den Wohnungen verschafft und Anwälte nicht oder zu spät zu den Beschuldigten gelassen hätten.

Nawalnys Bruder war bereits 2014 zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Nawalny warf dem Staat damals vor, Oleg als Geisel genommen zu haben, um ihn selbst unter Druck zu setzen. Die jüngste Durchsuchungswelle erfolgte einen Tag, bevor ein Gericht über die 30-tägige Haftstrafe Alexej Nawalnys entscheiden will. Nawalnys Anwälte wollen am Donnerstag im Stadtgericht von Chimki bei Moskau die Freilassung des 44-Jährigen erreichen.

Hunderttausende protestieren für Freilassung

Nawalnys Organisation kämpft gegen Korruption im russischen Machtapparat und musste in der Vergangenheit immer wieder in den verschiedenen Büros Durchsuchungen und Beschlagnahmungen von Computern hinnehmen. Erstmals hatte sich Nawalny in diesem Monat in einem seiner viel beachteten Enthüllungsfilme den Präsidenten Wladimir Putin vorgenommen - und ihm einen riesigen, aus Schmiergeldern finanzierten Palast am Schwarzen Meer zugeschrieben. Putin erklärte, nichts mit dem milliardenteuren Anwesen zu tun zu haben, das in dem mehr als 95 Millionen Mal aufgerufenen Film "Ein Palast für Putin" gezeigt wird.

Nawalnys Team kündigte an, die Massenproteste für die Freilassung des Putin-Gegners am kommenden Sonntag fortsetzen zu wollen - unabhängig davon, was das Gericht nun verkünde. Denn erst am 2. Februar soll darüber entschieden werden, ob eine frühere Bewährungsstrafe Nawalnys - wie vom Strafvollzug gefordert - in echte Haft umgewandelt wird. Ihm drohen außerdem weitere Prozesse und viele Jahre Gefängnis. Bei den Protesten in mehr als 100 russischen Städten hatten am vergangenen Samstag laut Organisatoren bis zu 300.000 Menschen die Freilassung Nawalnys gefordert. Das Bürgerrechtsportal OWD-Info zählte fast 4000 Festnahmen bei den nicht genehmigten Kundgebungen.

Quelle: ntv.de, ino/dpa