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Nichts dran an Ukraine-Einfluss Berater warnten Trump vor Verschwörung

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Stehen gemeinsam im Fokus der Ukraine-Affäre: Giuliani und Trump (rechts).

(Foto: REUTERS)

US-Präsident Trump glaubt fest daran, dass führende Demokraten und ukrainische Vertreter im Wahlkampf 2016 gemeinsame Sache gemacht haben. Beweise dafür gibt es nicht. Ein früherer Berater sagt: Warnungen, dass an der Verschwörung nichts dran sei, werden im Weißen Haus nicht gehört.

US-Präsident Donald Trump hat den Ratschlägen seiner Berater zum Trotz auf Ermittlungen über eine ukrainische Wahleinmischung zugunsten der Demokraten 2016 gepocht. Wie die "New York Times" berichtet, warnten ihn Mitarbeiter mehrmals, dass an den Verschwörungen nichts dran sei. Die Zeitung zitierte etwa den früheren Berater für Heimatschutz, der von Januar 2017 bis April 2018 für Trump aktiv war. Thomas P. Bossert sagte dem Präsidenten demnach, dass es keine Grundlage für die Theorie gebe, dass sich statt Russland die Ukraine in die Präsidentschaftswahl eingemischt habe. Dabei geht es um das Gerücht, statt russischen Hackern sei die Ukraine für den Angriff auf Server der Demokraten und die Veröffentlichung Tausender E-Mails verantwortlich.

Er sei "äußerst verstört" darüber gewesen, dass Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu bewegen wollte, belastende Informationen gegen die Demokraten zu produzieren. Andere Berater sagten laut "New York Times", dass Trump sich geweigert habe, anderslautende Sichtweisen zur Ukraine und dem angeblich verstrickten früheren Vizepräsidenten Joe Biden zu akzeptieren, egal wie oft sie ihm vorgetragen wurden.

Trump ist wegen der Enthüllungen über sein Telefonat mit Selenskyj massiv unter Druck geraten. Der US-Präsident steht im Verdacht des Amtsmissbrauchs, weil er in dem Telefonat Ermittlungen gegen Biden und dessen Sohn Hunter forderte. Ein anonymer Geheimdienstmitarbeiter reichte deswegen eine interne Beschwerde ein.

Giuliani verteidigt Trump im TV

Die Demokraten haben zudem eine offizielle Untersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten eingeleitet. Laut einer neuen Umfrage für den Sender CBS befürworten inzwischen 55 Prozent der US-Bürger eine solche Untersuchung. Bei den Anhängern der Demokraten sind es neun von zehn. Die demokratische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, rief Trump am Sonntag auf, sich an seinen Amtseid zu halten und "die Wahrheit" zu sagen. "Machen Sie es nicht noch schlimmer, als es bereits ist."

Derweil forderte Bidens Wahlkampfteam Fernsehsender auf, Trumps persönlichen Anwalt Rudy Giuliani nicht mehr als Gesprächsgast einzuladen. Der frühere Bürgermeister von New York habe bewiesen, dass er lüge, um seine Darstellung zu verbreiten, heißt es laut "New York Times" in einem Brief des Biden-Teams an mehrere Sender. Giuliani ist in den vergangenen Tagen im US-Fernsehen dauerpräsent und verteidigt Trump. Er hat in der Ukraine-Affäre offenbar eine zentrale Rolle gespielt.

Nach Ansicht des früheren Beraters Bossert ist Giuliani schuld daran, dass Trump in Bezug auf die Ukraine Fehlinformationen aufsitzt. "Ich bin sehr frustriert darüber, was er (Giuliani) und sein juristisches Team tun und dass sie diese entlarvte Theorie vor dem Präsidenten wiederholen", sagte Bossert der "New York Times" zufolge. Es verhafte in seinem Gedächtnis, wenn er ständig davon höre, obwohl es nicht der Wahrheit entspreche.

Whistleblower bangt um Sicherheit

Im Zuge der Affäre forderte Trump nun ein Treffen mit dem anonymen Geheimdienstmitarbeiter, der die Ukraine-Affäre ins Rollen gebracht hat. Trump schrieb auf Twitter, wie jeder US-Bürger habe auch er das Recht, seinen "Ankläger" zu treffen. Dem Geheimdienstmitarbeiter warf er vor, sein Telefonat mit Selenskyj "komplett falsch" und "betrügerisch" dargestellt zu haben.

Derweil äußerten die Anwälte des Whistleblowers Sorgen um die Sicherheit ihres Mandanten. "Wir erwarten, dass die Situation sich verschlechtert und noch gefährlicher wird", schrieben sie in einem Brief an den geschäftsführenden US-Geheimdienstdirektor Joseph Maguire, wie der Sender CBS berichtete. Es müssten alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um die Sicherheit des Geheimdienstmitarbeiters zu gewährleisten.

Der Informant soll nun vor dem Kongress aussagen. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Demokrat Adam Schiff, sagte im Sender NBC, dies dürfte "sehr bald" geschehen. Schiff betonte, dabei müsse die Identität des Geheimdienstmitarbeiters geschützt werden.

Trump hatte den Informanten kürzlich mit einem "Spion" verglichen. Präsidentenberater Stephen Miller bezeichnete den Geheimdienstmitarbeiter am Sonntag im Sender Fox News als "Saboteur, der eine demokratisch gewählte Regierung zu untergraben versucht".

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Quelle: n-tv.de, fzö/AFP

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