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400.000 Euro je Missbrauchsopfer Bischöfe diskutieren hohes Schmerzensgeld

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Kein Stoppschild aus Rom? Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx eröffnet die Vollversammlung in Fulda.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Deutsche Bischofskonferenz steckt in der Zwickmühle: Der Vatikan will sich den Weg aus dem Missbrauchssumpf nicht aus Deutschland vorgeben lassen. Doch der Reformprozess zwingt zu klaren Ansagen. Nun schlagen Experten vor, dass Opfer bis zu 400.000 Euro Schmerzensgeld bekommen sollen.

Zum Auftakt der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda schlägt eine vom Episkopat eingesetzte Expertengruppe hohe Schmerzensgeldzahlungen an Opfer sexuellen Missbrauchs vor. Nach einem Bericht des "Spiegel" hat das Gremium einen Katalog mit 37 Vorschlägen verfasst, mit denen das bisherige Opfer-Entschädigungsverfahren verbessert und weiterentwickelt werden soll. Demnach fordert die Expertenkommission, dass Missbrauchsopfer eine Grundentschädigung in Höhe von 10.000 Euro erhalten sollen. Zudem sollen die Betroffenen Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro pro Person beanspruchen können, berichtete das Magazin. Bisher habe die Kirche Opfern maximal 5000 Euro Entschädigung gewährt.

Angesichts der Fallzahlen ergäben sich daraus kirchliche Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe. In den vergangenen Jahrzehnten wurden laut der 2018 veröffentlichten Missbrauchsstudie der Bischöfe insgesamt 3677 Kinder und Jugendliche durch 1670 katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz missbraucht.

Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, Experten sprechen von bis zu 100.000 Betroffenen, rechnete der "Spiegel" vor. Der Arbeitsgruppe gehören laut dem Bericht Vertreter aus Kirche und Gesellschaft an, darunter Psychiater, Juristen und acht Betroffenenvertreter. Der Katalog über ein transparentes Entschädigungssystem werde den Bischöfen am morgigen Dienstag bei der Vollversammlung präsentiert.

Kardinal Marx: Kein Stoppschild aus Rom

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" sieht die Würdenträger vor der Vollversammlung in Fulda an einer Wegscheide. Mit Blick auf ihre Reformpläne stelle sich die Frage, ob die Bischöfe entschlossen genug seien, sich gegen alle Widerstände aus den eigenen Reihen und vor allem aus dem Vatikan zu wehren, sagte Christian Weisner vom Bundesteam der Organisation in Fulda.

Dass die deutschen Bischöfe mit heftigem Gegenwind aus Rom zu kämpfen hätten, wollte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz allerdings nicht so stehen lassen. "Es gibt kein Stoppschild", sagte Kardinal Reinhard Marx in Fulda. Papst Franziskus wolle trotz der Kritik des Vatikans an dem deutschen Reformweg die Aufarbeitung des Missbrauchskandals nicht verhindern, betonte der Kardinal. Er habe in der vergangenen Woche im Vatikan eine "konstruktive Begegnung" mit Kardinal Marc Ouellet und dem Papst gehabt. Deshalb könne er nicht sehen, "dass der synodale Weg gefährdet wäre", sagte Marx.

Kardinal Ouellet hatte als Präfekt der Kongregation für die Bischöfe in einem Brief und Gutachten Kritik an dem in Deutschland geplanten Verfahren geübt und dabei auch den Papst mit einbezogen. Er hatte kritisiert, dass Themen wie Zölibat, Priesterweihe für Frauen oder Sexualmoral, die in Fulda diskutiert werden, die Weltkirche beträfen und nicht in Deutschland entschieden würden. Marx äußerte gleichzeitig Verständnis für die Sorgen aus Rom. "Der Papst möchte schon, dass das Ganze zusammenbleibt."

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

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