Politik

Konflikt greift um sich Boko Haram verübt weitere Massaker

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Soldaten der kamerunischen Armee haben offenbar zwölf Boko-Haram-Kämpfer in einen Hinterhalt gelockt und getötet.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wochenlang sollen Boko-Haram-Kämpfer in einem von ihnen besetzten Gebiet von Tür zu Tür gegangen sein, um systematisch zu morden. Der Konflikt um die Islamisten-Gruppe greift immer weiter um sich. Nun schaltet sich die Afrikanische Union ein.

Bei neuen Angriffen der Extremistengruppe Boko Haram im Nordosten Nigerias sind nach Angaben eines örtlichen Parlamentsabgeordneten zahlreiche Menschen getötet und andere zur Flucht in die Berge gezwungen worden. Adamu Kamale sagte, im Distrikt Michika des Bundesstaats Adamawa seien bewaffnete Milizionäre von Boko Haram in den vergangenen zwei Wochen "von Tür zu Tür" gegangen, um Menschen, darunter auch alte, zu töten.

In der Stadt Michika und in umliegenden Dörfern gab es demnach Massaker. Frauen und Kinder seien verschleppt und unzählige Häuser zerstört worden. Die Bevölkerung sei zu etwa 70 Prozent geflohen. Vielen sei die Flucht in Adamawas Hauptstadt Yola gelungen, wo sich bereits hunderttausende Flüchtlinge aufhielten. Andere versteckten sich Kamale zufolge in der Bergkette an der Grenze zu Kamerun. Michika befindet sich seit etwa fünf Monaten unter der Kontrolle der Islamisten.

Globaler Kampf gegen globale Bedrohung

Unterdessen haben Kameruns Streitkräfte nach eigenen Angaben mindestens zwölf Kämpfer der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram getötet. Die Islamisten seien am Montag in der Nähe der Stadt Fotokol im Norden des Landes in einen Hinterhalt gelockt worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Jaunde, Didier Badjeck. Nachdem das Nachbarland Tschad vor rund zehn Tagen entschieden hatte, Truppen nach Kamerun zu entsenden, will nun auch Benin den Kampf gegen die Extremisten militärisch unterstützen. Das westafrikanische Land kündigte an, rund 700 Soldaten nach Kamerun entsenden zu wollen.

Die Chefin der Afrikanischen Union (AU) ruft die Mitgliedstaaten dringend zum Kampf gegen die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram auf. Zwar müsse diese globale Bedrohung auch global bekämpft werden, jedoch solle Afrika dabei eine Führungsrolle übernehmen, sagte Nkosazana Dlamini Zuma am Montag bei einem Treffen afrikanischer Außenminister in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Sie sei "zutiefst entsetzt" über die Bluttaten der Islamisten, ihr Terror sei "inakzeptabel".

Besorgt zeigte sich Dlamini Zuma auch darüber, dass die Boko Haram nun immer häufiger Angriffe in anderen Staaten West- und Zentralafrikas durchführe, so zuletzt in Kamerun. Maßnahmen gegen die Terrorgruppe sollen nun auch ganz oben auf der Agenda des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs der AU stehen, das an diesem Freitag und Samstag in Addis Abeba stattfindet. Die Extremisten hatten erst am Wochenende die Millionenstadt Maiduguri im Nordosten Nigerias angegriffen. Die Streitkräfte konnten die Attacke zwar Medienberichten zufolge abwehren, eroberten aber den nahe gelegenen Ort Monguno.

Schätzungen zufolge sind bei Angriffen und Anschlägen der Gruppe, die in der Region einen Gottesstaat einrichten will, seit 2009 mehr als 15.000 Menschen ums Leben gekommen.

Quelle: ntv.de, bdk/dpa/AFP