Politik

Schicksalsauszählung läuft Briten schauen gespannt auf Schottland

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Regionalwahl in Großbritannien: Im englischen Hartlepool gewinnen die Konservativen von Premier Johnson. In Schottland ist alles noch offen.

(Foto: REUTERS)

Ganz Großbritannien blickt gebannt auf Schottland. Dort läuft noch die Auszählung zur Regionalwahl, die zu einem neuen Unabhängigkeitsreferendum führen könnte. Ein klarer Trend ist bislang nicht erkennbar. Doch bald schon könnten aus bestimmten Wahlkreisen womöglich entscheidende Hinweise kommen.

Nach Auszählung der Stimmen in zwei von 73 Wahlbezirken bei der Parlamentswahl in Schottland war am frühen Nachmittag noch kein klarer Trend erkennbar. Die Liberaldemokraten konnten auf den Orkney-Inseln ihr Mandat sichern, die Schottische Nationalpartei SNP behauptete sich in einem Wahlbezirk in Aberdeen. Während mit dem Endergebnis erst am Samstag gerechnet wird, könnten die Resultate in einigen umkämpften Wahlkreisen bereits heute einen Hinweis darauf geben, ob die SNP von Regierungschefin Nicola Sturgeon eine absolute Mehrheit erreicht hat. Die SNP hofft, damit Druck auf London für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum ausüben zu können. Der Ausgang der Regionalwahl gilt daher als entscheidend für die Zukunft Großbritanniens. Auch die Ergebnisse aus Wales und anderen Regionen stehen noch aus.

Im Nordosten Englands verbuchte die Regierungspartei von Premierminister Boris Johnson einen wichtigen Sieg. Im traditionell von der linken Labour-Partei dominierten Wahlkreis Hartlepool gewann laut offiziellem Wahlergebnis Jill Mortimer als erste konservative Kandidatin das Parlamentsmandat. Mortimer erhielt mit 15.529 Stimmen fast doppelt so viele wie ihr Kontrahent von der Labour-Partei, Paul Williams (8589 Stimmen).

"Es ist ein wirklich historisches Ergebnis und ein bedeutsamer Tag", sagte die neugewählte Abgeordnete Mortimer. Die Labour-Partei habe ihren Sieg in dem Wahlkreis zu lange für selbstverständlich gehalten. Die gesamte Region galt lange als Hochburg der Labour-Partei. Der bisherige Abgeordnete war nach Vorwürfen sexueller Übergriffe zurückgetreten. Beide Parteien wussten um die besondere Bedeutung dieser Nachwahl, Premierminister Boris Johnson hatte noch am Montag persönlich Wahlkampf in Hartlepool gemacht.

Johnson fühlt sich ermutigt

Das Ergebnis dürfte den Druck auf Oppositionsführer Keir Starmer erhöhen, der bei seiner Wahl zum Parteivorsitzenden vor einem Jahr versprochen hatte, Labour wieder aufzubauen und den Draht zu den traditionellen Wählern wieder herzustellen. "Wir können die Tatsache nicht verbergen, dass dies ein erschütterndes Ergebnis für Labour ist", sagte der Labour-Abgeordnete Steve Reed der BBC. Es zeige, dass der Wandel der Partei nicht schnell genug erfolgt sei.

Johnson nannte das Ergebnis "sehr ermutigend". Es zeige, dass sich seine Regierung auf die Prioritäten der Menschen konzentriert habe und darauf, so schnell wie möglich aus der Pandemie zu kommen, sagte der Premier in den West Midlands. Johnson war in den vergangenen Wochen mehrfach unter Druck geraten, unter anderem wegen einer Luxus-Renovierung seiner Dienstwohnung.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP

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